Angesichts der Klagen von Unternehmen über mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgänger n fordert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Wiedereinführung von sogenannten Kopfnoten auf Schulzeugnissen. Die Informationen zu Sozialkompetenzen wie Betragen, Fleiß oder Ordnung würden es Betrieben erleichtern, auch Jugendlichen mit schlechten Schulnoten eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu geben, sagte DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann bei der Vorstellung einer Unternehmensbefragung zur aktuellen Ausbildungssituation.

Wegen der rückläufigen Schulabgängerzahlen seien heute immer mehr Betriebe bereit, ihre Ansprüche an die Bewerber abzusenken. Drei Viertel der Betriebe hätten auch in diesem Jahr bei der Umfrage angegeben, dass mangelnde Deutsch- und Mathematikkenntnisse oder fehlende Sozialkompetenzen eine Ausbildung verhinderten oder erschwerten. Mehr als jeder zweite Betrieb (57 Prozent) unterstütze inzwischen mit Nachhilfeangeboten die Lehrlinge, um schulische Wissenslücken zu schließen.

Beim Thema Schulbildung müsse die Zeit der Sonntagsreden vorbei sein, sagte Driftmann. Von der Halbierung der Abgängerzahl ohne Schulabschluss sei man immer noch weit entfernt. "Bildungsstandards dürfen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern müssen von allen Schülern wirklich erreicht werden". Auch lernschwächere Schüler müssten besser gefördert werden.

Laut der Umfrage sind Unternehmen heute häufiger als in den Vorjahren bereit, zur Sicherung des eigenen Fachkräftenachwuchses ihre erfolgreichen Lehrlinge in eine Festanstellung zu übernehmen. Fast 60 Prozent planten die Übernahme ihrer Auszubildenden, sagte Driftmann. Vor zwei Jahren seien dies erst 46 Prozent gewesen.