Deutscher Schulpreis: "Lehren ohne Liebe macht müde"
Erstmals bekommt ein ungewöhnliches Gymnasium den Hauptpreis des deutschen Schulpreises. Auch die anderen fünf ausgezeichneten Schulen bestechen durch Eigensinn und Leistung.
© Theodor Barth

Schüler der Evangelischen Schule Neuruppin in dem von ihnen betriebenen Café
Erstmals ehrt der Deutsche Schulpreis ein Gymnasium mit dem mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis. Und was für eins! Bisher hatte die Jury vergeblich nach einem Gymnasium für Platz eins gesucht. Überzeugender waren Grundschulen, Gesamtschulen oder einmal sogar eine Klinikschule. Sie verbanden die Individualisierung des Lernens mit einer Gemeinschaft, die den unterschiedlichen Kindern Zugehörigkeit versprach.
Die nun ausgezeichnete Brandenburger Schule wurde 1993 von Eltern in dem Gebäude einer ehemaligen Kaserne der Roten Armee als Gymnasium gegründet. Inzwischen ist die Evangelische Schule Neuruppin auf Umwegen zur Gemeinschaftsschule unterwegs. Träger ist die evangelische Schulstiftung. Anke Bachmann, die heutige Schulleiterin, gehörte damals zu den Gründungseltern.
Fantasie und Pragmatismus
Eine Mischung aus Fantasie und Pragmatismus macht den Erfolg dieser Schule aus. Die Lehrer, die in einem Jahrgang unterrichten, haben in den vergangenen Jahren Teams gebildet und organisieren ihre Arbeit und Zeit mehr und mehr selbstständig. Allmählich hat sich die Schule verändert.
Der Unterricht bekam in Doppelstunden mit 90 Minuten mehr Luft und die Stundenpläne wurden übersichtlicher. Dann zog man zehn Minuten von jeder Stunde ab, sammelte die gewonnenen Minuten und schuf damit Zeiten für die selbstständige Arbeit der Schüler. Der Schultag bekam einen bekömmlichen Rhythmus.
Die Schulreform könnte man als choreografisch beschreiben. Schritt für Schritt mehr Eleganz und ein neuer Geist. Anke Bachmann, die Schulleitern, beharrt jedoch darauf: "Das sind nicht nur irgendwelche Methoden."
Was sie damit meint, steht ganz oben auf der Homepage der Schule: "Lehren ohne Liebe macht müde, Lernen ohne Liebe macht blind, Leistung ohne Liebe macht erbarmungslos, Erfolg ohne Liebe macht einsam." Wer die Schule nicht gesehen hat, könnte diese Sätze achselzuckend übergehen oder als zu pathetisch abwehren.
Das wäre falsch. Überall sieht man, dass sie gelebt werden. Wenn man in die Schule kommt, liest man neben Tierbildern in den Wandzeitungen von Schülern: "Ich bin keine dumme Gans." Oder: "Bei uns gibt es keine alte Sau." Eine der schönsten Räume ist das von Schülern betriebene Café.
Auf die Haltung folgen die Leistungen
Die Gründer vertrauten darauf, dass die Leistungen auf die richtige Haltung folgen würden. Und tatsächlich sind die Schülerinnen und Schüler sowohl im Zentralabitur als auch in den Vergleichsarbeiten der zehnten Klassen Spitze.
Im "naturwissenschaftlichen Kolloquium" hält ein Schüler gerade einen hinreißenden Vortrag über Entropie. Physikalisch und philosophisch exzellent. Am Beispiel eines Kartenspiels rechnet er die unermessliche Menge möglicher Kombinationen vor. Was man hier über Thermodynamik hört, bannt die Schüler, die in den Bänken und auf Stufen sitzen, ebenso wie die Besucher. Einer der Besucher ist Michael Schratz, Professor für Erziehungswissenschaften in Innsbruck und Vorsitzender der Jury des Deutschen Schulpreises. "Das hat Universitätsniveau", sagt er. Später verblüfft ihn die Debattierkunst im Englischunterricht.
Schüler aus der Oberstufe unterrichten hier zuweilen selbst in der Grundschule, oder sie helfen Mitschülern der mittleren Jahrgänge. An einem Tag im Jahr übernehmen die Schüler den ganzen Betrieb – den Unterricht, die Schulleitung, eben alles. Dann haben die Lehrer Ruhe für ihre Fortbildung.
Das aktuelle Motto für 2012 heißt: "Fische im Schwarm leben länger als einzelne." Was das bedeutet? Nachdem die Schule die ersten elf Jahre nur ein Gymnasium war, wurde 2004 eine Grundschule dazu gegründet. 2009 kam auch eine "Oberschule" hinzu. So heißt in Brandenburg die Schulform für diejenigen, die nicht zum Gymnasium gehen. Sie wurde gegründet, um alle Kinder nach der Grundschule weiter in dieser Schule zu behalten.
Aus dem Gymnasium wird eine Schule für alle
Der Schulleiterin ist die Trennung gar nicht recht. Die Schule versucht deshalb, die Schüler so weit es geht gemeinsam zu unterrichten und geht beharrlich ihren listigen Umweg zu einer Schule für alle.
Der Blick auf die anderen vier Schulen, die ebenfalls mit dem Schulpreis ausgezeichnet wurden und auf eine fünfte, die den Sonderpreis der Jury erhielt, zeigt wie vielfältig die Wege der Schulen inzwischen sind. Sie haben alle ihre Biografie.
Die Schulen in der Rellinger Straße in Hamburg und Am Pfälzer Weg in Bremen beweisen, wie viel besser die Kinder lernen, wenn sie nicht in altersgleichen Jahrgängen unterrichtet werden. In der August–Claas-Schule in Harsewinkel kümmern sich Rentner um die Hauptschüler. Seitdem finden die meisten eine Lehrstelle. Die Bochumer Erich-Kästner-Schule, eine Gesamtschule, war vor ein paar Jahren fast am Ende. Die Lehrer haben sich am eigenen Zopf aus dem Schulsumpf gezogen. Schließlich die Paul-Martini-Schule in Bonn, eine Klinikschule, die aus einer Not die Tugend machte.
Jedes Kind wird als Individuum respektiert. Jedes wird überraschen. Wenn Michael Schratz auf diese und die mehr als 20 Schulpreisschulen der letzten Jahre blickt, dann sieht er "eine Bewegung, die kein Ministerium schaffen könnte."





Eigentlich ist es wirklich nicht schwer, eine gute Schule zu machen! Aber leider verhindern ideologische Grabenkämpfe oft, dass sich etwas im positiven Sinne tut. Wie wäre es sonst zu erklären, dass es heute tatsächlich SchulleiterInnen an Gymnasien gibt, die zum Beispiel die strikte Anweisung geben, dass kein Lehrer, keine Lehrerin länger als drei Jahre in einer Klasse unterrichten darf, damit Distanz zu den SchülerInnen gewahrt bleibt und die in ihrer Haltung auch noch von KollegInnen unterstützt werden?! Manche haben eben nichts verstanden!
Ist es wirklich so abwegig, wenn nach spätestens drei Jahren, die Schüler einen Lehrer in einem bestimmten Fach hatten, dieser mal ausgetauscht wird?
Mit dem einen Lehrer A kommt man als Schüler gut zurecht, mit einem Lehrer B vielleicht nicht. Und bei einem anderen Schüler ist es umgekehrt; der liegt mit B auf einer Wellenlänge, aber nicht mit A.
Ist es da nicht fair, ab und zu mal zu wechseln, damit Schüler mit verschiedenen Lehrerpersönlichkeiten in Kontakt kommen können. So dass Schulfach und Person nicht (über das sowieso schon hohe Maß hinaus) untrennbar miteinander "verschmelzen".
Und zum Thema Distanz:
Das Wort "Distanz" muss man nicht unbedingt mit "abweisender Kälte" übersetzen, wie das manche 'Kuschelpädagogen' (man beachte die Anführungszeichen) gerne plakativ tun.
"Distanz" kann auch "respektvollen Abstand" bedeuten, dass man also die Privatsphäre des jeweils anderen respektiert.
Freundlicher Umgang und professionelle Distanz sind dabei überhaupt kein Widerspruch.
Es gibt äußerst beliebte Lehrer, die ihre Oberstufenschülern professionell distanziert mit "Sie" anreden.
Als Schüler waren mir Lehrer, die versuchten, meine "Kumpel" zu sein, immer etwas suspekt: ein Kumpel ist ein Kumpel und ein Lehrer ist ein Lehrer. Die Welt braucht Lehrer. Und Kumpel. Aber nicht notwendigerweise in Personalunion.
Ich hatte eine viel zu lange Zeit eine Englischlehrerin die mich auf den Tod nicht ausstehen konnte. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Wie war ich erleichtert als ich in der 12ten Klasse einen anderen Lehrer bekam und meine Leistung sich von einer durchschnittlichen 4-5 auf eine 2 ohne zusätzliche Mühen verbesserten.
Ist es wirklich so abwegig, wenn nach spätestens drei Jahren, die Schüler einen Lehrer in einem bestimmten Fach hatten, dieser mal ausgetauscht wird?
Mit dem einen Lehrer A kommt man als Schüler gut zurecht, mit einem Lehrer B vielleicht nicht. Und bei einem anderen Schüler ist es umgekehrt; der liegt mit B auf einer Wellenlänge, aber nicht mit A.
Ist es da nicht fair, ab und zu mal zu wechseln, damit Schüler mit verschiedenen Lehrerpersönlichkeiten in Kontakt kommen können. So dass Schulfach und Person nicht (über das sowieso schon hohe Maß hinaus) untrennbar miteinander "verschmelzen".
Und zum Thema Distanz:
Das Wort "Distanz" muss man nicht unbedingt mit "abweisender Kälte" übersetzen, wie das manche 'Kuschelpädagogen' (man beachte die Anführungszeichen) gerne plakativ tun.
"Distanz" kann auch "respektvollen Abstand" bedeuten, dass man also die Privatsphäre des jeweils anderen respektiert.
Freundlicher Umgang und professionelle Distanz sind dabei überhaupt kein Widerspruch.
Es gibt äußerst beliebte Lehrer, die ihre Oberstufenschülern professionell distanziert mit "Sie" anreden.
Als Schüler waren mir Lehrer, die versuchten, meine "Kumpel" zu sein, immer etwas suspekt: ein Kumpel ist ein Kumpel und ein Lehrer ist ein Lehrer. Die Welt braucht Lehrer. Und Kumpel. Aber nicht notwendigerweise in Personalunion.
Ich hatte eine viel zu lange Zeit eine Englischlehrerin die mich auf den Tod nicht ausstehen konnte. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Wie war ich erleichtert als ich in der 12ten Klasse einen anderen Lehrer bekam und meine Leistung sich von einer durchschnittlichen 4-5 auf eine 2 ohne zusätzliche Mühen verbesserten.
aus dieser Stadt gab es doch bisweilen nur Skandale, angeklagte Bürgemeister, Koruption bei den öffentlichen Werken, Umweltverschmutzung im großen Stil, rechte Gesinnung und linke Gesinnung und nun das, die beste Schule in Neurupin-das nachzuvollziehen für jemanden der die Stadt und einige der Bewohner kennt klngt das wie ein Märchen, eher unglaubwürdig.
Als Schüler würde ich mit trotzdem eine andere Schule in einer anderen Stadt suchen.
nach Brandenburg. Ich hoffe Sie lesen auch die Kommentare hier, denn vielleicht kennen Sie ja dieses noch nicht:
http://www.bessereschulen...
Und möglicherweise ist es ja interessant für Sie.
dachten böswillige Menschen vielleicht, die Jury des Deutschen Schulpreises möge einfach keine Gymnasien, vielleicht weil ihr diese Schulform als mit elitärem Dünkel behaftet oder sonst irgendwie antiquiert vorkommt.
Aber nein. Diesmal ist es tatsächlich ein Gymnasium und die Juryentscheidung straft alle Lügen, die obiges dachten.
Man liest interessiert weiter und, na sowas:
"Der Schulleiterin ist die Trennung gar nicht recht. Die Schule versucht deshalb, die Schüler so weit es geht gemeinsam zu unterrichten und geht beharrlich ihren listigen Umweg zu einer Schule für alle."
Ein Gymnasium, das gar kein Gymnasium sein will? Ein Gymnasium auf dem Weg zur Gesamtschule? Sieh an!
Der Leser hat die Freiheit, daraus zwei mögliche Schlüsse ziehen:
a) Bisher fand sich noch kein Gymnasium, das zum einen auch ein Gymnasium sein wollte und das einen Hauptpreis beim Deutschen Schulpreis verdient hätte.
b) Die Jury des Deutschen Schulpreises mag einfach keine Gymnasien, die Gymnasien sein wollen, weil ihr vielleicht diese Schulform als mit elitärem Dünkel behaftet oder sonst irgendwie antiquiert vorkommt.
Aber nur böswillige Menschen denken so etwas.
Ist es wirklich so abwegig, wenn nach spätestens drei Jahren, die Schüler einen Lehrer in einem bestimmten Fach hatten, dieser mal ausgetauscht wird?
Mit dem einen Lehrer A kommt man als Schüler gut zurecht, mit einem Lehrer B vielleicht nicht. Und bei einem anderen Schüler ist es umgekehrt; der liegt mit B auf einer Wellenlänge, aber nicht mit A.
Ist es da nicht fair, ab und zu mal zu wechseln, damit Schüler mit verschiedenen Lehrerpersönlichkeiten in Kontakt kommen können. So dass Schulfach und Person nicht (über das sowieso schon hohe Maß hinaus) untrennbar miteinander "verschmelzen".
Und zum Thema Distanz:
Das Wort "Distanz" muss man nicht unbedingt mit "abweisender Kälte" übersetzen, wie das manche 'Kuschelpädagogen' (man beachte die Anführungszeichen) gerne plakativ tun.
"Distanz" kann auch "respektvollen Abstand" bedeuten, dass man also die Privatsphäre des jeweils anderen respektiert.
Freundlicher Umgang und professionelle Distanz sind dabei überhaupt kein Widerspruch.
Es gibt äußerst beliebte Lehrer, die ihre Oberstufenschülern professionell distanziert mit "Sie" anreden.
Als Schüler waren mir Lehrer, die versuchten, meine "Kumpel" zu sein, immer etwas suspekt: ein Kumpel ist ein Kumpel und ein Lehrer ist ein Lehrer. Die Welt braucht Lehrer. Und Kumpel. Aber nicht notwendigerweise in Personalunion.
Ich kann nicht beurteilen, welche Schulerfahrungen Sie persönlich haben, aber meine drei Kinder besuchen Gymnasien, die auf Kontinuität setzen, was sich in allen Bereichen sehr positiv auswirkt. Mit Kumpanei hat das gar nichts zu tun! Dass SchülerInnen den Umgang mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten lernen, ist allein schon dadurch gewährleistet, dass in der Schule wie in der Wirtschaft, in der ich arbeite, vollkommen unterschiedliche Typen aufeinandertreffen, mit denen man sich arrangieren muss - wie im "richtigen Leben" also.
Zum Glück gibt es in unserer Schullandschaft für jeden "Geschmack" etwas!
Ich kann nicht beurteilen, welche Schulerfahrungen Sie persönlich haben, aber meine drei Kinder besuchen Gymnasien, die auf Kontinuität setzen, was sich in allen Bereichen sehr positiv auswirkt. Mit Kumpanei hat das gar nichts zu tun! Dass SchülerInnen den Umgang mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten lernen, ist allein schon dadurch gewährleistet, dass in der Schule wie in der Wirtschaft, in der ich arbeite, vollkommen unterschiedliche Typen aufeinandertreffen, mit denen man sich arrangieren muss - wie im "richtigen Leben" also.
Zum Glück gibt es in unserer Schullandschaft für jeden "Geschmack" etwas!
Ich kann nicht beurteilen, welche Schulerfahrungen Sie persönlich haben, aber meine drei Kinder besuchen Gymnasien, die auf Kontinuität setzen, was sich in allen Bereichen sehr positiv auswirkt. Mit Kumpanei hat das gar nichts zu tun! Dass SchülerInnen den Umgang mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten lernen, ist allein schon dadurch gewährleistet, dass in der Schule wie in der Wirtschaft, in der ich arbeite, vollkommen unterschiedliche Typen aufeinandertreffen, mit denen man sich arrangieren muss - wie im "richtigen Leben" also.
Zum Glück gibt es in unserer Schullandschaft für jeden "Geschmack" etwas!
"Bisher hatte die Jury vergeblich nach einem Gymnasium für Platz eins gesucht."
Was mich ehrlich gesagt nicht wundert! Warum? Weil sich kein Direktor und kein Lehrer eines Gymnasiums auffällig verhalten wird. Alles nur, um nicht in Ungnade mit dem jeweiligen Ministerium zu fallen (insbesondere in Bayern). Denn es droht stets die ungewünschte Versetzung an eine andere Schule, in eine andere Stadt. Vor Schulen, die oben beschrieben werden haben die Politiker Angst. Es könnten ja mündige Bildungsbürger heranwachsen. Sind wir doch mal ehrlich: Schulen dieser Art, flächendeckend in Deutschland einzurichten wäre doch eine Leichtigkeit.
war nicht integration, sondern seperation, um die wirtschaftlichen nachfragen zu befrieden. da anscheinend mehr schulen entstehen die kindern und chancengleichheiten mehr entsprechen, hat entweder mit eigeninitiativen aus der bevölkerung (abseitiger unserer kultusministerialien) zu tun, oder es ist staatlich gewollt, kindern aus prekären verhältnissen auch ein bewusstsein zu geben ingenieur werden zu können. also um wirtschaftlicher nachfrage nachzukommen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren