In Deutschland gibt es immer mehr Abiturienten und Studenten und weniger Schulabbrecher. Die Allgemeine Hochschulreife erwerben inzwischen 33,9 Prozent eines Jahrganges, die Fachhochschulreife 15,2 Prozent, wie eine Wissenschaftlergruppe für den Bericht Bildung in Deutschland 2012 ermittelte. 2006 waren dies erst 29,6 beziehungsweise 13,4 Prozent. Insgesamt also erreicht fast jeder zweite Jugendliche die Hochschulreife.

Der Bildungsstand der Bevölkerung ist insgesamt weiter gestiegen: Auf 22 Prozent erhöhte sich der Anteil der unter 35-Jährigen mit Hochschulabschluss. Erstmals sind darunter mehr Frauen. Auch der Bildungsstand von Menschen mit Migrationshintergrund verbesserte sich.

Gleichwohl gibt es aber unter den Jugendlichen immer noch einen harten Kern von bis zu 20 Prozent Bildungsverlierern: Sie können nicht richtig lesen oder Texte verstehen, brechen die Schule oder die Lehre ab und nehmen auch nicht an Weiterbildungskursen teil. Allerdings ist die Quote der Schüler ohne Hauptschulabschluss von 7,4 Prozent (2008) auf 6,5 Prozent (2010) erneut zurückgegangen.

Der alle zwei Jahre erscheinende Bildungsbericht wurde von einer Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Frankfurter Bildungsforschers Horst Weishaupt erstellt.

Die Gruppe der Sonderschüler vergrößerte sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich. Der Anteil mit einem solchen Bedarf verdoppelte sich zwischen 2000 und 2010 an den allgemeinen Schulen: Die Quote der Integrationsschüler, die also innerhalb regulärer Klassen besonders gefördert werden, stieg dort von 14 Prozent auf 29 Prozent.

Hinzu kommt: Der Anteil derjenigen, die vom ersten Schultag an eine Sonderschule besuchen , hat sich zwischen 2003 und 2009 um fast ein Viertel erhöht. In Bayern und Baden-Württemberg sind dies sogar deutlich über vier Prozent. Erst 2010 ging dieser Anteil wieder zurück.

Deutlich mehr Privatschulen

Die Bildungsforscher stellten unter anderem fest, dass der Anteil privater Bildungseinrichtungen deutlich stieg: Seit 1998 ist dort ein Zuwachs um ein Viertel festzustellen. Der Bestand an allgemeinbildenden Privatschulen liegt sogar 53 Prozent über dem Niveau von 1998. Die Teilnehmerzahlen in privaten Einrichtungen erhöhten sich seit 1998 um 26 Prozent. Der Anteil der Studierenden und Schüler an privaten Hochschulen und allgemeinbildenden Schulen liegt aber unter zehn Prozent.

Nach den Worten des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe ( SPD ), ist das deutsche Bildungswesen mit seinen Reformen erfolgreich. "Die Zahl der Abiturienten nimmt zu, die Zahl der Schulabbrecher geht weiter zurück", sagte Hamburgs Schulsenator.

Fast alle drei- bis fünfjährigen Kinder besuchen dem Bericht zufolge inzwischen eine Kindertagesstätte. Fast jede zweite Schule habe Ganztagsangebote. Für den Bund sagte Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen, die Verbesserungen der vergangenen Jahre zeigten Wirkung. Gleichwohl dürften insbesondere die Bemühungen für diejenigen Schüler nicht nachlassen, die es besonders schwer haben.