Bundesbildungsbericht: Jeder dritte Schüler macht Abitur
Deutschlands Bildungsstand verbessert sich weiter: Immer mehr Jugendliche erwerben die Hochschulreife. Noch immer hat ein Fünftel aller Schüler Probleme beim Lesen.
In Deutschland gibt es immer mehr Abiturienten und Studenten und weniger Schulabbrecher. Die Allgemeine Hochschulreife erwerben inzwischen 33,9 Prozent eines Jahrganges, die Fachhochschulreife 15,2 Prozent, wie eine Wissenschaftlergruppe für den Bericht Bildung in Deutschland 2012 ermittelte. 2006 waren dies erst 29,6 beziehungsweise 13,4 Prozent. Insgesamt also erreicht fast jeder zweite Jugendliche die Hochschulreife.
Der Bildungsstand der Bevölkerung ist insgesamt weiter gestiegen: Auf 22 Prozent erhöhte sich der Anteil der unter 35-Jährigen mit Hochschulabschluss. Erstmals sind darunter mehr Frauen. Auch der Bildungsstand von Menschen mit Migrationshintergrund verbesserte sich.
Gleichwohl gibt es aber unter den Jugendlichen immer noch einen harten Kern von bis zu 20 Prozent Bildungsverlierern: Sie können nicht richtig lesen oder Texte verstehen, brechen die Schule oder die Lehre ab und nehmen auch nicht an Weiterbildungskursen teil. Allerdings ist die Quote der Schüler ohne Hauptschulabschluss von 7,4 Prozent (2008) auf 6,5 Prozent (2010) erneut zurückgegangen.
Der alle zwei Jahre erscheinende Bildungsbericht wurde von einer Wissenschaftlergruppe unter Leitung des Frankfurter Bildungsforschers Horst Weishaupt erstellt.
Die Gruppe der Sonderschüler vergrößerte sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich. Der Anteil mit einem solchen Bedarf verdoppelte sich zwischen 2000 und 2010 an den allgemeinen Schulen: Die Quote der Integrationsschüler, die also innerhalb regulärer Klassen besonders gefördert werden, stieg dort von 14 Prozent auf 29 Prozent.
Hinzu kommt: Der Anteil derjenigen, die vom ersten Schultag an eine Sonderschule besuchen, hat sich zwischen 2003 und 2009 um fast ein Viertel erhöht. In Bayern und Baden-Württemberg sind dies sogar deutlich über vier Prozent. Erst 2010 ging dieser Anteil wieder zurück.
Deutlich mehr Privatschulen
Die Bildungsforscher stellten unter anderem fest, dass der Anteil privater Bildungseinrichtungen deutlich stieg: Seit 1998 ist dort ein Zuwachs um ein Viertel festzustellen. Der Bestand an allgemeinbildenden Privatschulen liegt sogar 53 Prozent über dem Niveau von 1998. Die Teilnehmerzahlen in privaten Einrichtungen erhöhten sich seit 1998 um 26 Prozent. Der Anteil der Studierenden und Schüler an privaten Hochschulen und allgemeinbildenden Schulen liegt aber unter zehn Prozent.
Nach den Worten des Präsidenten der Kultusministerkonferenz, Ties Rabe (SPD), ist das deutsche Bildungswesen mit seinen Reformen erfolgreich. "Die Zahl der Abiturienten nimmt zu, die Zahl der Schulabbrecher geht weiter zurück", sagte Hamburgs Schulsenator.
Fast alle drei- bis fünfjährigen Kinder besuchen dem Bericht zufolge inzwischen eine Kindertagesstätte. Fast jede zweite Schule habe Ganztagsangebote. Für den Bund sagte Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen, die Verbesserungen der vergangenen Jahre zeigten Wirkung. Gleichwohl dürften insbesondere die Bemühungen für diejenigen Schüler nicht nachlassen, die es besonders schwer haben.






Nur weil immer mehr Leute das Abitur bekommen, heißt das nicht, dass der Bildungsstandard nach oben geht. Die Anforderungen an das Abitur sind gesunken. Die Hochschulreife sollte wieder das werden, was sie mal war: ein schwer zu erreichender Abschluss. Es müssen wieder mehr Eliten gebildet werden. Die Lehrkräfte, die durch kleinere Gymnasialklassen entstehen würden, könnte man einsetzen, damit grundlegende Dinge wie Rechtschreibung, Kopfrechnen, soziale und mediale Kompetenzen in allen Schulformen besser ausgebildet werden. Ich bin für weniger Abitur, dafür aber für mehr Grundlagen.
Seit über 40 Jahren wird an der gymnasialen Oberstufe herumgebastelt - eine Reform jagt die andere, ist eine Reform beschlossen, kommt die nächste Regierung, um sie wieder zurück zu nehmen. Schließlich hat man ja ein Wahlversprechen gegeben.
In den vergangenen 10, 15 Jahren gab es durchaus Tendenzen, das Bildungssystem zu privatisieren. Der Staat sollte nur eine Grundversorgung sicher stellen, die Bildung von "Eliten" sollte dagegen an kostenpflichtigen Privatschulen statt finden - wie es etwa in einigen Ländern Südamerikas der Fall ist. Die Argumentation war damals, das staatliche Bildungsmonopol würde Privat-Unternehmen die Chance nehmen, am neu zu schafffenden Bildungsmarkt Gewinne zu erwirtschaften. Gleichzeitig könne der Staat gewaltig Kosten einsparen. Solche Konzepte sind allerdings anderswo katastophal gescheitert: bei einem solchen liberalisierten Bildungssystem bilden sich sogenannte "Old-Boy-Netzwerke" heraus, die dann wiederum die Grundlage für Korruption und Vetterliswirtschaft sind. Wohin solche "Netzwerke" führen, zeigt uns im Moment das Beispiel Griechenland äußerst eindringlich.
Elitenbildung durch Aussieben ist genau der falsche Weg.
Hier wird gerne Bildung mit Intelligenz verwechselt. Während letzteres (mehr oder weniger) angeboren ist, ist ersteres erlernbar. Sicher ist es für intelligente Menschen leichter zu lernen, aber auch weniger Intelligente können lernen.
Das Abiturniveau ist außerdem nicht gesunken, sondern unser Kenntnisstand hat sich seither verbessert, so dass man relativ zum "Weltwissen" weniger können muss um das Abitur zu erreichen. Auch wir alte Säcke lernen täglich dazu, somit kommen uns die Anforderungen an die Jugend täglich geringer vor.
Und genau das ist auch der springende Punkt. Unser Wissen wächst täglich weiter. Die Intelligenz bleibt über die Bevölkerung gleichverteilt. Also wäre Ihre Forderung, dass wir einfach mehr und mehr aussieben weil weniger und weniger Leute mit dem Wissen Schritt halten können?
Ich halte das für falsch und sogar für gefährlich, da es Wissen auf wenige Köpfer verteilt. Es ist notwendig, dass wir das Wissen auch den breiten Bevölkerungsschichten zugänglich machen, sprich dass wir allen mehr beibringen. Das funktioniert zum Teil mit Effizienzsteigerungen (also Forschritte in der Lernwissenschaft) - z.B. durch die Ablösung des vor ein paar Jahrzehnten ausschließlich gebräuchlichen Frontalunterrichts hin zur aktiven Beteiligung - und teilweise mit mehr Mühe und Sorgfalt, die wir erbringen müssen, z.B. mehr Geld für Lehrer damit eine bessere Betreuung möglich ist.
An den Hochschulen gibt es häufig ein zu großes Bildungsgefälle zwischen den einzelnen Studenten.
Des öfteren fragt man sich, wie einige an Ihr Abitur Abschluss gekommen sind.
Auf Hochschulen, wo der Bildungsanspruch, trotz Bachelor Einführung, den Erwartungen gerecht werden, tut man den Abiturienten kein Gefallen.
Quasi zum Scheitern verurteilt.
Im Gegensatz zu Heute gab es Früher sehr viele Hauptschulen.
Man könnte als Grund behaupten, dass die Kinder von Heute besser gebildet sind.
Der Gegenteil ist aber sehr wahrscheinlich der Fall.
Im Grunde genommen verstehe ich Ihre Stellungnahme. Bin da soweit eigentlich auch bei ihnen.
Auf der anderen Seite sollte unser Bildungssystem ja für Chancengleichheit für alle sorgen. Daraus ergibt sich aber wiederrum, dass alle, die Abitur machen werden, wahrscheinlich studieren werden und in den Ausbildungsberufen immer mehr Auszubildendendenstellen frei bleiben. Elitenbildung bedeutet immer, dass ein großer Teil der Jugendlichen Nachteile dadurch haben wird. Damit wird eine kleine elitäre Oberschicht geschaffen, was sich sicher negativ auf die Gesamtbevölkerung auswirken würde, wenn immer nur ein kleiner Teil des Ganzen das größte Stück vom Kuchen bekommt.
Wie man es dreht und wendet: es wird wohl ein Dilemma der Bildungspolitik bleiben.
Die Anforderungen an die Abiturienten heute sind sogar deutlich gestiegen - allerdings verstehen das die Leute, die vor zwanzig, dreißig Jahren oder mehr ihr Abi machten, nicht. Denn heute werden andere Dinge anders gelernt.
Und zu den Eliten: Wozu? Was sollen wir in einer durch und durch technisierten Welt mit wenigen Spezialisten, die ja eine Elite darstellen würden? Wir brauchen eine intelligent, sehr gut ausgebildete Bevölkerung.
Aber auch das ist nicht einfach zu verstehen für Leute, die den Fortschritt verpassten.
Seit über 40 Jahren wird an der gymnasialen Oberstufe herumgebastelt - eine Reform jagt die andere, ist eine Reform beschlossen, kommt die nächste Regierung, um sie wieder zurück zu nehmen. Schließlich hat man ja ein Wahlversprechen gegeben.
In den vergangenen 10, 15 Jahren gab es durchaus Tendenzen, das Bildungssystem zu privatisieren. Der Staat sollte nur eine Grundversorgung sicher stellen, die Bildung von "Eliten" sollte dagegen an kostenpflichtigen Privatschulen statt finden - wie es etwa in einigen Ländern Südamerikas der Fall ist. Die Argumentation war damals, das staatliche Bildungsmonopol würde Privat-Unternehmen die Chance nehmen, am neu zu schafffenden Bildungsmarkt Gewinne zu erwirtschaften. Gleichzeitig könne der Staat gewaltig Kosten einsparen. Solche Konzepte sind allerdings anderswo katastophal gescheitert: bei einem solchen liberalisierten Bildungssystem bilden sich sogenannte "Old-Boy-Netzwerke" heraus, die dann wiederum die Grundlage für Korruption und Vetterliswirtschaft sind. Wohin solche "Netzwerke" führen, zeigt uns im Moment das Beispiel Griechenland äußerst eindringlich.
Elitenbildung durch Aussieben ist genau der falsche Weg.
Hier wird gerne Bildung mit Intelligenz verwechselt. Während letzteres (mehr oder weniger) angeboren ist, ist ersteres erlernbar. Sicher ist es für intelligente Menschen leichter zu lernen, aber auch weniger Intelligente können lernen.
Das Abiturniveau ist außerdem nicht gesunken, sondern unser Kenntnisstand hat sich seither verbessert, so dass man relativ zum "Weltwissen" weniger können muss um das Abitur zu erreichen. Auch wir alte Säcke lernen täglich dazu, somit kommen uns die Anforderungen an die Jugend täglich geringer vor.
Und genau das ist auch der springende Punkt. Unser Wissen wächst täglich weiter. Die Intelligenz bleibt über die Bevölkerung gleichverteilt. Also wäre Ihre Forderung, dass wir einfach mehr und mehr aussieben weil weniger und weniger Leute mit dem Wissen Schritt halten können?
Ich halte das für falsch und sogar für gefährlich, da es Wissen auf wenige Köpfer verteilt. Es ist notwendig, dass wir das Wissen auch den breiten Bevölkerungsschichten zugänglich machen, sprich dass wir allen mehr beibringen. Das funktioniert zum Teil mit Effizienzsteigerungen (also Forschritte in der Lernwissenschaft) - z.B. durch die Ablösung des vor ein paar Jahrzehnten ausschließlich gebräuchlichen Frontalunterrichts hin zur aktiven Beteiligung - und teilweise mit mehr Mühe und Sorgfalt, die wir erbringen müssen, z.B. mehr Geld für Lehrer damit eine bessere Betreuung möglich ist.
An den Hochschulen gibt es häufig ein zu großes Bildungsgefälle zwischen den einzelnen Studenten.
Des öfteren fragt man sich, wie einige an Ihr Abitur Abschluss gekommen sind.
Auf Hochschulen, wo der Bildungsanspruch, trotz Bachelor Einführung, den Erwartungen gerecht werden, tut man den Abiturienten kein Gefallen.
Quasi zum Scheitern verurteilt.
Im Gegensatz zu Heute gab es Früher sehr viele Hauptschulen.
Man könnte als Grund behaupten, dass die Kinder von Heute besser gebildet sind.
Der Gegenteil ist aber sehr wahrscheinlich der Fall.
Im Grunde genommen verstehe ich Ihre Stellungnahme. Bin da soweit eigentlich auch bei ihnen.
Auf der anderen Seite sollte unser Bildungssystem ja für Chancengleichheit für alle sorgen. Daraus ergibt sich aber wiederrum, dass alle, die Abitur machen werden, wahrscheinlich studieren werden und in den Ausbildungsberufen immer mehr Auszubildendendenstellen frei bleiben. Elitenbildung bedeutet immer, dass ein großer Teil der Jugendlichen Nachteile dadurch haben wird. Damit wird eine kleine elitäre Oberschicht geschaffen, was sich sicher negativ auf die Gesamtbevölkerung auswirken würde, wenn immer nur ein kleiner Teil des Ganzen das größte Stück vom Kuchen bekommt.
Wie man es dreht und wendet: es wird wohl ein Dilemma der Bildungspolitik bleiben.
Die Anforderungen an die Abiturienten heute sind sogar deutlich gestiegen - allerdings verstehen das die Leute, die vor zwanzig, dreißig Jahren oder mehr ihr Abi machten, nicht. Denn heute werden andere Dinge anders gelernt.
Und zu den Eliten: Wozu? Was sollen wir in einer durch und durch technisierten Welt mit wenigen Spezialisten, die ja eine Elite darstellen würden? Wir brauchen eine intelligent, sehr gut ausgebildete Bevölkerung.
Aber auch das ist nicht einfach zu verstehen für Leute, die den Fortschritt verpassten.
Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen, was bringt es un, dass immer mehr Schüler das Abitur machen, oder einen anderen Schulabschluss, wenn die Anforderungen immer weiter herunter geschraubt werden? Das ist Bildungsinflation was heute an allen Schulen betrieben wird. Diese Entwicklung wird irgendwann auf Kosten der Glaubwürdigkeit unserer Abschlüsse gehen.
...geschraubt?
Die Schulkinder müssen jetzt schon viel früher Englisch lernen. Der Stoff wird nichtmehr in neun, sondern in acht Jahren gelehrt. Also, wo sinken die Anforderungen? Können Sie das konkretisieren?
Als ich die Realschule beendet hatte und mich für Abi auf dem zweiten Bildungsweg entschieden habe, da konnte man mit dem Realschulabschluss gerade noch ne Mechanikerlehre machen. Bankkaufmann, Bürokauffrau, etc. wurde überall schon Abitur verlangt.
„Die Schüler der Klassen fünf bis zehn in Sachsen-Anhalt sollen künftig leichter bessere Noten erreichen können. Das Kultusministerium plant eine Absenkung der Anforderungen für die Notenbildung, ...“
http://www.superillu.de/a...
...geschraubt?
Die Schulkinder müssen jetzt schon viel früher Englisch lernen. Der Stoff wird nichtmehr in neun, sondern in acht Jahren gelehrt. Also, wo sinken die Anforderungen? Können Sie das konkretisieren?
Als ich die Realschule beendet hatte und mich für Abi auf dem zweiten Bildungsweg entschieden habe, da konnte man mit dem Realschulabschluss gerade noch ne Mechanikerlehre machen. Bankkaufmann, Bürokauffrau, etc. wurde überall schon Abitur verlangt.
„Die Schüler der Klassen fünf bis zehn in Sachsen-Anhalt sollen künftig leichter bessere Noten erreichen können. Das Kultusministerium plant eine Absenkung der Anforderungen für die Notenbildung, ...“
http://www.superillu.de/a...
...geschraubt?
Die Schulkinder müssen jetzt schon viel früher Englisch lernen. Der Stoff wird nichtmehr in neun, sondern in acht Jahren gelehrt. Also, wo sinken die Anforderungen? Können Sie das konkretisieren?
Als ich die Realschule beendet hatte und mich für Abi auf dem zweiten Bildungsweg entschieden habe, da konnte man mit dem Realschulabschluss gerade noch ne Mechanikerlehre machen. Bankkaufmann, Bürokauffrau, etc. wurde überall schon Abitur verlangt.
"In wie fern werden die Anforderungen nach unten geschraubt?"
schreiben Sie.
Stellt man diese Frage mehreren Lehrern, so lautet die gleichermaßen verdutzte wie ernüchterte Antwort meist: In jeder Hinsicht...
Das lässt sich übrigens recht gut am Lehrplan ablesen, was die oft zu lesende Aussage "Der Stoff wird nichtmehr in neun, sondern in acht Jahren gelehrt" als fragwürdig, um nicht zu sagen falsch erweist. Ein konkretes Beispiel:
In den 70er Jahren lernten Gymnasiasten laut Lehrplan 3400 lateinische Vokabeln, ich selbst - ich habe Latein größtenteils nach der Jahrtausendwende gelernt - musste einschließlich Oberstufe nicht viel weniger lernen. Die nächste Generation lernte noch über 2500 Vokabeln. Die aktuellen Lehrpläne für das G8 (Bayern) setzen die Obergrenze bei 1750 Vokabeln für L1, für L2 bei 1450. Die heute gängigen Lehrbücher jedoch fußen üblicherweise auf dem "Bamberger Wortschatz", der nurmehr 1248 Lemmata umfasst - also lediglich rund halb so viele wie noch vor wenigen Jahren.
Suchen Sie das Gespräch mit verschiedensten Fachlehrern, "Experten" sozusagen, und Sie werden derartige Beispiele in Hülle und Fülle erhalten - oder werfen Sie einfach einen Blick in die Lehrpläne. Sie sind im Internet öffentlich einsehbar.
Beste Grüße,
Gil-Galad
"In wie fern werden die Anforderungen nach unten geschraubt?"
schreiben Sie.
Stellt man diese Frage mehreren Lehrern, so lautet die gleichermaßen verdutzte wie ernüchterte Antwort meist: In jeder Hinsicht...
Das lässt sich übrigens recht gut am Lehrplan ablesen, was die oft zu lesende Aussage "Der Stoff wird nichtmehr in neun, sondern in acht Jahren gelehrt" als fragwürdig, um nicht zu sagen falsch erweist. Ein konkretes Beispiel:
In den 70er Jahren lernten Gymnasiasten laut Lehrplan 3400 lateinische Vokabeln, ich selbst - ich habe Latein größtenteils nach der Jahrtausendwende gelernt - musste einschließlich Oberstufe nicht viel weniger lernen. Die nächste Generation lernte noch über 2500 Vokabeln. Die aktuellen Lehrpläne für das G8 (Bayern) setzen die Obergrenze bei 1750 Vokabeln für L1, für L2 bei 1450. Die heute gängigen Lehrbücher jedoch fußen üblicherweise auf dem "Bamberger Wortschatz", der nurmehr 1248 Lemmata umfasst - also lediglich rund halb so viele wie noch vor wenigen Jahren.
Suchen Sie das Gespräch mit verschiedensten Fachlehrern, "Experten" sozusagen, und Sie werden derartige Beispiele in Hülle und Fülle erhalten - oder werfen Sie einfach einen Blick in die Lehrpläne. Sie sind im Internet öffentlich einsehbar.
Beste Grüße,
Gil-Galad
Nur weil die Zahl der Abiturienten nach unten gehen MUSS (laut TardisHQ), heißt es nicht automatisch, dass es qualitativer wird.
Das Abitur bereitet die jungen Leute selten auf das, was danach kommt.
"Du möchtest Physik/Mathematik studieren? Tja wir haben leider nur vier Schüler, die sich dafür interessieren, also zu wenig. Pech gehabt, musst halt Hauswirtschaft machen!"
"Du möchtest im Bankenwesen nach dem Abitur arbeiten? Tja wir haben leider niemanden der dir soziale Kompetenzen vermitteln kann und überhaupt wissen wir nicht so recht was auf dich zukommt, also mach am besten ein wenig Biologie, das ist total spannend mit Zellen und so"
Steigende Abiturientenzahlen errinern mich an sinkende Arbeitslosenzahlen der ARGE, wo das Matching zwischen ihren Qualifikationen und den vorgeschlagenen (erzwungenen) Tätigkeiten überhaupt nicht stimmt. Hauptsache die Zahlen gehen runter, ob die Menschen damit glücklich werden interessiert niemanden.
Es geht doch vorrangig um die Qualität.
Wenn die Bundesregierung nichts an der Qualität der Lehre ändern wird, werden Privatschulen dominieren und staatliche Einrichtungen einer Erfolgsquote von 100% melden.
Also bitte, in NRW ist es schwerer durch das Abitur zu fallen, als es zu bestehen.
Ich habe mit Leuten Abitur gemacht, die konnten nach 9 (oder mehr) Jahren keinen graden Satz Englisch, anderen rauchte der Kopf bei simpler Prozentrechnung und wieder andere hatten keine Ahnung, wie das politische System der BRD funktioniert oder wann der 1. Weltkrieg stattfand.
Und die Leute, die ich dann an der Uni traf, haben sich größtenteils kaum davon unterschieden. Die Mehrheit hat Bildung auf dem Papier, aber mehr auch nicht.
Und das schiebe ich nicht einmal auf die Schüler oder gar Dummheit, Himmel nein, sondern auf das ganze verkorkste Bildungssystem. 16 Bundesländer mit 16 Systemen und dutzenden Schulformen, Lehrer, die damals nicht wussten, was sie studieren sollen und die nicht einen Funken Empathie besaßen und Kinder eigentlich nicht leiden können.
Ich kann die guten Lehrer, die einen dazu animierten wirklich zu lernen, an einer Hand abzählen.
Wenn mein Deutschlehrer mal wieder keine Ahnung hatte worum es in Effi Briest geht und das erst einmal in seinen 3 Lektüreschlüsseln nachlesen musste oder der Informatiklehrer betrunken zum Unterricht erschien und sich der Mathelehrer damit begnügte Sätze zu zitieren und sie nicht erklärte, dann schaltete die Klasse eben ab.
Und nach dem Austausch mit Freunden und Bekannten aus verschiedenen Bundesländern kamen meine Erfahrungen in ähnlichen Formen eigentlich überall vor.
Da hilft auch dann strenge Benotung nix, ohne Motivation.
Was nicht heißt, dass das Abitur "schwerer" sein muss und die Quote sinken sollte.
Vielmehr müsste man das ganze System entrümpeln und bei der Lehrerausbildung die empathielosen Kandidaten aussortieren, bei denen Frustration und Desinteresse vorprogrammiert ist.
auf welcher Schule Sie Abitur gemacht haben; musste schon was Besonderes sein. Ich selber habe 1974 in NRW Abitur gemacht (jaja, damals gab's noch Bonus-Punkte bei der ZVS für die Abiturienten aus NRW), meine (4) Kinder zwischen 2001 und 2010 ebenfalls in NRW. Und deshalb ödet es mich an, von den "runtergeschraubten Anforderungen" zu lesen: ich bin mir sicher, ich hätte mit meinen Leistungen 1974 weder im Jahre 2001 noch im Jahre 2010 das Abi geschafft! Und in den Jahren dazwischen auch nicht.
Was nicht heißt, dass das Abitur "schwerer" sein muss und die Quote sinken sollte.
Vielmehr müsste man das ganze System entrümpeln und bei der Lehrerausbildung die empathielosen Kandidaten aussortieren, bei denen Frustration und Desinteresse vorprogrammiert ist.
auf welcher Schule Sie Abitur gemacht haben; musste schon was Besonderes sein. Ich selber habe 1974 in NRW Abitur gemacht (jaja, damals gab's noch Bonus-Punkte bei der ZVS für die Abiturienten aus NRW), meine (4) Kinder zwischen 2001 und 2010 ebenfalls in NRW. Und deshalb ödet es mich an, von den "runtergeschraubten Anforderungen" zu lesen: ich bin mir sicher, ich hätte mit meinen Leistungen 1974 weder im Jahre 2001 noch im Jahre 2010 das Abi geschafft! Und in den Jahren dazwischen auch nicht.
der Bevölkerung ist gestiegen!
Viele Menschen machen mittlerweile das Abitur!
Das heisst dann wohl konsequenterweise, dass der Bildungsstand der Menschen im Bremen höher ist als in bspw. in Bayern. Oder habe ich das misinterpretiert?
Was nicht heißt, dass das Abitur "schwerer" sein muss und die Quote sinken sollte.
Vielmehr müsste man das ganze System entrümpeln und bei der Lehrerausbildung die empathielosen Kandidaten aussortieren, bei denen Frustration und Desinteresse vorprogrammiert ist.
...wissen Sie, wie schwer es heute ist einen Lehrer für Mathematik und Physik zu finden? An Fachoberschulen in Bayern werden schon Ingenieure dafür eingestellt, die nach einem kurzen Crashkurs anfangen, zu lehren. Ich selbst habe dieses Angebot schon bekommen.
Also, in manchen Fächer muss man im Moment einfach nehmen, was man bekommt...
... unsere Stufe bekam in der Oberstufe einen Haufen Quereinsteiger als Lehrer, darunter waren Menschen mit einem Doktor in Chemie, Informatiker, alle definitiv kompetent. Aber als Lehrer nur für die Oberstufe nutzbar.
Ausserdem wurden bei uns Physikstunden reduziert und insgesamt haben bei einem 500 Schüler starken Gymnasium nur noch 3 Lehrer Physik unterrichtet....
...wissen Sie, wie schwer es heute ist einen Lehrer für Mathematik und Physik zu finden? An Fachoberschulen in Bayern werden schon Ingenieure dafür eingestellt, die nach einem kurzen Crashkurs anfangen, zu lehren. Ich selbst habe dieses Angebot schon bekommen.
Also, in manchen Fächer muss man im Moment einfach nehmen, was man bekommt...
... unsere Stufe bekam in der Oberstufe einen Haufen Quereinsteiger als Lehrer, darunter waren Menschen mit einem Doktor in Chemie, Informatiker, alle definitiv kompetent. Aber als Lehrer nur für die Oberstufe nutzbar.
Ausserdem wurden bei uns Physikstunden reduziert und insgesamt haben bei einem 500 Schüler starken Gymnasium nur noch 3 Lehrer Physik unterrichtet....
nach einem mittleren Schulabschluß ist das Rückgrat des deutschen Bildungswesens und um die beneiden uns zu Recht die meisten Nachbarländer (s. Jugendarbeitslosenquote von akademisch Qualifizierten in Südeuropa!). Nimmt man noch die zum Glück unterdessen überall gegebene Durchlässigkeit zwischen den Bildungswegen hinzu, könnte man sich eigentlich von der Fixierung auf die "Tonnenideologie" der Abiturientenquote ohne Krokodilstränen lösen. Und wenn nun nach jahrzehntelangem Abwehrk(r)ampf sich ein zweigliedriges Schulwesen bundesweit sich durchzusetzen scheint, dann bleiben auch die - aus welchen Gründen auch immer - Schwächeren nicht länger in ihrem Verliererghetto unter sich. Bedenklich scheinen mir eher die Profilneurosen des wuchernden Privatschulbereichs, der ja für allerlei Sonderwünsche im wesentlichen öffentliche Mittel verbraucht.
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