ZEIT ONLINE: Herr Professor Baumert , Sie gelten als führender Bildungsforscher des Landes. Vor einiger Zeit haben Sie Vorschläge zur Neugestaltung der Lehrerbildung in NRW vorgelegt, nun für Berlin . Weshalb ist Ihnen das Thema so wichtig?

Jürgen Baumert : Weil vom Können der Lehrkräfte alles abhängt. Wenn es um die Verbesserung der Schulen geht, dann wird viel zu viel über Strukturen geredet. Dabei ist es für den Erfolg der Schüler weit wichtiger, ob die Lehrkraft etwas vom Fach versteht und weiß, wie er es am besten vermittelt. Und keine Vereinfachung der Schulstruktur wird Erfolg haben ohne eine Neuordnung der Lehrerbildung. Nicht die Struktur macht den Unterschied, sondern die Lehrkraft.

ZEIT ONLINE:   Was ist das Besondere Ihres Vorschlags für Berlin?

Baumert : Wir richten die Lehrerbildung auf die Zukunft ein, richten uns nach der neuen Schulstruktur. Eine große Aufgabe für die Schulen wird die sogenannte Inklusion sein, der gemeinsame Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung. Ein anderer Trend – nicht nur in Berlin – ist, dass es neben dem Gymnasium nur eine weitere Schulform gibt, an der begabte Schüler auch das Abitur ablegen können.

ZEIT ONLINE:   Was schlagen Sie konkret vor?

Baumert : Für die Sekundarstufe, also für die Gymnasien und die Integrierten Sekundarschulen, wird ein Lehrertyp ausgebildet: der Lehrer für Sekundarschulen und Gymnasien.

ZEIT ONLINE:   Sie wollen also den Gymnasiallehrer abschaffen?

Baumert : Im Gegenteil. Vorbild für diesen Lehrertyp ist der Gymnasiallehrer. Alle sollen auf dieses Niveau gehoben werden.

ZEIT ONLINE:   Es müssen also zwei Fächer studiert werden?

Baumert : Ja, mehrere Studien zeigen, dass Lehrkräfte mit solidem Fachwissen besseren Unterricht geben.

ZEIT ONLINE:   Welche Antwort haben Sie auf die Inklusion?

Baumert : Jeder Lehrer muss Grundlagen der Sonderpädagogik studieren. Es wird dann an den Schulen zusätzlich spezialisierte Sonderpädagogen geben, die in das Kollegium integriert sind – also selbst unterrichten und beratend und unterstützend tätig werden.

ZEIT ONLINE:   Was schlagen Sie für die Grundschullehrer vor?

Baumert : Auch die müssen in Zukunft ein solides Fachwissen bekommen, alle in Deutsch und Mathematik; dazu kommt ein drittes Fach. In Berlin ist das besonders wichtig, weil die Grundschule ja bis zur sechsten Klasse geht. Und die Grundschullehrer müssen ebenfalls alle in Sonderpädagogik qualifiziert werden.