Bildungspolitik : Abitur-Standards werden spätestens 2017 vereinheitlicht

Die Kultusminister sind sich einig: Die Abiturprüfungen werden bundesweit angeglichen. Dies mache Leistungen vergleichbarer und erleichtere Wohnungswechsel.
Vorbereitung zum Abi 2012 © Joerg Koch/dapd

In Deutschland sollen alle Abiturienten von 2017 an gleich schwere Prüfungen schreiben. Die Kultusminister der Länder haben sich auf ihrer Sitzung in Hamburg auf einheitliche Leistungsanforderungen in den vier Kernfächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch geeinigt. Die Naturwissenschaften sollen in einem nächsten Schritt folgen.

Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann sagte, die künftige Regelung sei nicht mit einem Zentralabitur gleichzusetzen, biete aber die Möglichkeit, die Hochschulreife vergleichbarer zu machen und die Diskussion über die unterschiedlichen Abiturprüfungen zu einem Ende zu führen. Zudem könnten Schüler durch gleiche Anforderungen in der Oberstufe leichter von einem Bundesland ins andere wechseln.

Mit der Entscheidung geht eine jahrelange Diskussion zu Ende . Der Beschluss sei nun in großer Einigkeit zustande gekommen. Sechs Länder wollen allerdings nicht bis 2017 warten. Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein , Bayern , Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern wollen schon 2014 die Abiturprüfungen in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch angleichen.

Die Schüler Union Deutschland hat die Einigung der Kultusminister begrüßt. "Gemeinsame Bildungsstandards sichern die Qualität des deutschen Abiturs, allerdings dürfen dabei weder der Anspruch gesenkt noch wichtige Lerninhalte wegfallen", sagte der Bundesvorsitzende Leopold Born. Gleichzeitig bestand er darauf, dass auch in Zukunft die Länder über die Schulpolitik entscheiden sollten und nicht der Bund. "Die Zuständigkeiten müssen so nah es geht an den Betroffenen sein", sagte Born.

Leistungsvergleich ist auch eine Reaktion auf Pisa-Test

Bundesweit gültige Bildungsstandards beschreiben, was ein Schüler in bestimmten Fächern zum Ende seiner Jahrgangsstufe können soll. Sie werden auch eingeführt als Reaktion auf das schlechte Abschneiden des deutschen Schulsystems im internationalen Pisa-Vergleichstest vor zehn Jahren.

Das Erreichen der Bildungsstandards wird durch Länderstichproben, Tests und Vergleichsarbeiten zentral überprüft.

Bislang gibt es Bildungsstandards in den Grund-, Haupt- und Realschulen. Dies gilt für die Fächer Deutsch und Mathematik in der 4. Jahrgangsstufe. Für Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) beim Abschluss in der 9. Klasse in allen Hauptschulen. In der Realschule gelten die Standards für die Fächer Deutsch, Mathematik, für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch), für Biologie, Chemie und Physik beim Mittleren Schulabschluss (Jahrgangsstufe 10).

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Kommentare

35 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Wo sind die Naturwissenschaften?

Als Kernfächer für den Vergleich wurden Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch ausgewählt. Also drei Sprachen, ein absolut humanistischer Schwerpunkt. Und ausgerechnet Französisch, was in den Schulen seit Jahren immer weniger gewählt wird, weil die international denkenden Schüler lieber Spanisch machen wollen.
Da Mathe keine Naturwissenschaft ist, muss man sich wirklich fragen: was ist das denn für ein Fächerkanon? Wie sollen die Schüler fit gemacht werden für die breite Palette der Berufe, die unsere Arbeitswelt bietet? Das Ergebnis ist jetzt schon in Bayern zu sehen, wo man seit der G8-Reform das Abi ganz ohne Naturwissenschaften machen kann. Die Unis müssen immer mehr entsprechende Einführungskurse anbieten.

Was soll diese falsche Aussage?

Sie sind nicht aus Bayern, das merkt man überdeutlich. Selbstverständlich ist in Bayern Mathe Abi-Pflichtfach, darüber hinaus muss aus dem naturwissenschaftlichen Fächerkanon noch mindestens ein Fach gewählt werden. Eigentlich gar nicht so viel anders als früher - nur dass jetzt Mathe eben Pflichtfach bis ins Abi ist. Das war es beim G9 nicht (Ich konnte z.B. Mathe nach der 12. Klasse ablegen).

Erst informieren, dann lospoltern.

Stimmt nicht.

Man muss aus den letzten 2 Schuljahrenahren mindestens 3 Halbjahre NAturwissenschaften aus den Halbjahresleistungen (mit Klausuren etc.) einbringen (ist für Germanistikfixierte eine entsprechend heftige Aufgabe), zudem ist Mathe (ist das Werkzeug vieler Naturwissenschaften, daher als genauso wichtig anzusehen) für alle Schüler im Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern und dem G9 Pflicht.

Und praktisch sieht es des weiteren so aus, dass man kaum Chancen hat dem Abitur in Physik, Chemie, Biologie oder Informatik etc. zu entgehen. Diese wenigen Chancen hat man aber auch nur, weil sonst einfach die Durchfallquote so hoch gewesen wäre, dass das G8 politisch noch schlechter dastehen würde.

Und das Gymnasium kann man eigentlich nicht als VOrbereitung auf den späteren BEruf sehen. Es werden einige nützliche Kenntnisse (z.B. in Mathe) vermittelt, aber was in den letzten 2-3 Jahren gemacht wird ist eigentlich aussortieren. Die, die nicht den nötigen Ehrgeiz bzw. die Voraussetzungen im Bezug auf Begabung etc. (ich weiß, der Ausdruck "fehlende Begabung" ist inzwischen nicht mehr politisch korrekt) haben, werden aussortiert.
Fachliche Vorbereitung findet nicht statt, daher ist es auch nicht schlimm, wenn das Abitur irgendwo anders geschrieben wird.
Und da man eh 2 Naturwissenschaften haben muss, ist es auch nicht so schlimm. irgendetwas wird man daraus schon mitgenommen haben, wenn man einen entsprechenden Schnitt hat.

Jein und falsche Wortwahl.

Ich weiß nur, dass in vielen Bundesländern nicht Pflicht war, mir sind nur einige Beispiele aus den Abi-Jahrgängen 2003-2010 bekannt. Genauso wie in Bayern vor 2 Jahren. Und es würde mich verwunder, wenn sich das geändert hätte.

Vielleicht war es nicht ganz richtig, es "germanistikfixiert" zu nennen. Eigentlich meine ich nur die Schüler, die eben Probleme in Mathe haben, dafür aber vielleicht die besten Gedichtsinterpretationen schreiben und später im Studium einen großen Bogen um Mathe etc. machen und dadurch dann häufig bei Germanistik etc. oder sozialwissenschaftlichen Fächern landen.
Irgendwo müssen ja auch die, die in Mathe schlecht sind ihre Stärken haben. Und die liegen dann eben meist außerhalb der Naturwissenschaften, also eben Deutsch, Englisch, Geschichte usw. Es kommen ja auch viele mit einer 5 in Mathe durchs Abi.

Kurz gesagt: Endtweder "1" oder "gerade so bestanden" macht den Großteil der Mathenoten aus. Es ist eigentlich unbestreitbar, dass es das Fach ist, an dem gefühlt die meisten scheitern, wenn wenn man es nicht abwählen kann.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen meine Formulierung klar machen, auch, wenn sie auf Stereotypen basiert, die aber eben aus meiner Erfahrung häufig zutreffen.

Ja und?

Was sagt denn eine Schulnote ueberhaupt aus? Nichts rein garnichts, ich hatte das schlechteste Abitur meines Jahrganges, uebrigens mit einer 5+ in Mathe, 5- in English (war aber nur Ersatzfach fuer Sport), und 4+ in Deutsch, nach ihrer Theorie muesste ich also an der Uni klaeglich gescheitert sein, da ich sowohl zwei Pruefungen in Mathe und Statistik durchlaufen musste. Dem war jedoch nicht so, ich habe alle 4 Pruefungen mit eins abgelegt, meine Doktorarbeit und Diplomarbeit strotz nur so von mathematischen Beweisen und ich rede jeden Tag berufsbedingt nur English und man akzeptiert auch in referierten Zeitschriften meine englischsprachigen Erguesse. An der Uni gehoerte ich zu den 3 besten meines Jahrganges und bin heute Prof.. Nur Schiller, Goethe, Shakespeare usw. sind mir bis heute ein Graus.

Es hängt davon ab...

Ob die Mathematik eine Naturwissenschaft ist, hängt davon ab, wie man Naturwissenschaft definiert. Eine Geisteswissenschaft ist sie aber auch nicht.

Grundsätzlich gebe ich ihnen bei Ihrer Kritik an der Fächerwahl allerdings recht.

Gerade die für einen Vergleich unwichtigsten Fächer wurden ausgewählt. Z.B. hängt der verwendete Wortschatz in Englisch doch sehr stark davon ab, wofür man es später braucht. Fehlende Vokabeln können auch autonom nachgepauckt werden.

In den naturwissenschaftlichen Fächern sieht die Welt da schon ganz anders aus. Wenn die Grundlagen in der Schule nicht drangekommen sind, dann kann es für den Studenten schon mal haarig werden. Nicht jeder Dozent fängt bei Adam und Eva an.

Meine Meinung

"Und das Gymnasium kann man eigentlich nicht als VOrbereitung auf den späteren BEruf sehen. Es werden einige nützliche Kenntnisse (z.B. in Mathe) vermittelt, aber was in den letzten 2-3 Jahren gemacht wird ist eigentlich aussortieren. Die, die nicht den nötigen Ehrgeiz bzw. die Voraussetzungen im Bezug auf Begabung etc. (ich weiß, der Ausdruck "fehlende Begabung" ist inzwischen nicht mehr politisch korrekt) haben, werden aussortiert.
Fachliche Vorbereitung findet nicht statt, daher ist es auch nicht schlimm, wenn das Abitur irgendwo anders geschrieben wird." - mein 1. Kommentar

UNd den letzten Satz können Sie gerne umformulieren in "..., wenn man ein schlechtes Abitur geschrieben hat."

Ich kann aus eigener Erfahrung nur bestätigen, dass schulische Vorkenntnisse kaum einen Einfluss auf Uni oder Beruf haben (siehe oben). Man will in der Schule einfach eine bestimmte Anzahl an SChülern pro Jahrgang haben (Lehrermangel, finanzielle Gründe). Und dann muss eben der Teil, der angeblich nicht fürs Studium geeignet ist (nach dem Schulsystem fallen Sie darunter, was natürlich ein Witz ist), weg. Wie gut man in der SChule war, sagt aber nichts über das Studium aus. Auch, weil die Herangehensweise an z.B. Mathe nichts mit der aus der Schule zu tun hat.

Und so, wie es Ihnen mit Goethe und SChiller geht, so geht es einigen eben mit Mathe oder Physik, und für die war eben das Matheabitur und drei Halbjahre Naturwissenschaft eine harte Aufgabe.

Mathematikleistungen

"Ich weiß nur, dass in vielen Bundesländern nicht Pflicht war, mir sind nur einige Beispiele aus den Abi-Jahrgängen 2003-2010 bekannt."

Dann hat das für mich nichts mit "Allgemeiner Hochschulreife" zu tun.

"Kurz gesagt: Endtweder "1" oder "gerade so bestanden" macht den Großteil der Mathenoten aus. Es ist eigentlich unbestreitbar, dass es das Fach ist, an dem gefühlt die meisten scheitern, wenn wenn man es nicht abwählen kann."

Vielleicht sehen Sie das ein bisschen schwarz-weiß. So, wie ich das erlebt hatte, liegen die meisten Schüler eher zwischen beiden Extremen.
Dass es aber dennoch (bspw. im Vergleich zu den ostasiatischen Ländern) relativ viele Schüler gibt, die regelmäßig Fünfen in Mathematik haben, liegt wohl nicht nur an der Begabung, sondern auch an der schlechten Mathematik-Didaktik. Ein anderer Grund dürfte darin liegen, dass eine Mathe-Schwäche oft zu einfach hingenommen wird, nach dem Motto: "Mathe ist nun einmal nicht deine Stärke." Das kann schnell mal zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Zumindest steigert das nicht gerade die Motivation.
In anderen Ländern wird dann einfach so lange Mathematik geübt, bis die Noten zumindest akzeptabel sind.
Außerdem hat man hierzulande schon teilweise das Gefühl, dass schlechte Leistungen in Mathe sozial akzeptierter sind als gute Leistungen.