Schulnoten : Bessere Zensuren für alle!

Sachsen-Anhalt will Sekundarschülern das Leben erleichtern und Leistungen besser benoten. Eine gute Idee, um zu zeigen, wie wenig Zensuren sagen, kommentiert Parvin Sadigh.

Schulnoten sind ein schönes Thema zum Streiten. Immer wieder diskutiert Deutschland über ihren Sinn und Zweck . Aber die Debatte bleibt jedes Mal im Für und Wider stecken. Bisher jedenfalls muss spätestens in der weiterführenden Schule jedes Kind mit Zensuren klarkommen.

Sachsen-Anhalt geht jetzt einen charmanten Weg. Das Land plant, die Noten einfach ein bisschen aufzuhübschen. Vor allem  Schüler mit schlechteren Noten werden einen echten Unterschied spüren. Früher mussten sie 51 Prozent der Anforderungen erreichen, um eine 4 zu bekommen, jetzt reichen 40 Prozent, um an der 5 vorbeizurutschen. Aber nein, es geht nicht darum, die Quote der Sitzenbleiber und Schulabbrecher zu senken, verspricht das Kultusministerium . Vielmehr soll die Bewertung in Sachsen-Anhalt an die anderen mitteldeutschen Länder angeglichen werden.

Aber warum eigentlich nicht? Warum will die Schule den Kindern nicht etwas Angst nehmen, indem sie weniger Schulversager produziert, die durch dieses Etikett ja doch nicht zum Lernen angespornt werden? Dazu müsste allerdings das Zeichen gesendet werden, dass die Noten nur ein Wert unter vielen sein können, um den Erfolg eines Schülers zu messen. Nicht das Signal: Jetzt müsst ihr euch weniger anstrengen.

Kompetenz lässt sich mit Noten allein nicht messen

Im Zuge der Schulreformen wird immer wieder betont, wie wichtig es sei, dass Kinder nach ihrem individuellen Tempo lernen. Außerdem legen auch in Sachsen-Anhalt die neuen Lehrpläne den Schwerpunkt auf Kompetenzen statt aufs Fakten-Aufsagen. Doch wer Kompetenzen und die individuellen Fortschritte des einzelnen Kindes bewerten will, dem nutzt ein starres Zensurenraster wenig. Natürlich bemühen sich die Lehrer, ihre Aufgaben so zu gestalten, dass sie ihre Noten so fair und nachvollziehbar vergeben können, wie möglich. Die Länder stellen für die Schulen unterschiedliche Leistungstabellen zur Verfügung, um sie dabei zu unterstützen.

Aber Zensuren sind nie wirklich fair. Sie sagen nur aus, wie ein Kind in einem bestimmten Moment bei einem Lehrer in einer speziellen Klasse da steht. Dass die Bundesländer auch noch unterschiedliche Tabellen haben, macht es nicht besser. Ob reine Berichtszeugnisse und Leistungskurven fairer sein können, ist umstritten.

Im Mittelpunkt sollte die Frage stehen, was ein Kind Neues kann, Neues weiß, und wovon es noch lange profitieren wird. Hat es sich das Wissen schnell angepaukt und wieder ausgespuckt, oder hat es sich aus echtem Interesse und durch hartnäckiges Üben zu einem Schatz im Kopf verdichtet? Die Antwort darauf können Noten nicht geben.

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Kommentare

78 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Der Lehrer hatte recht

Wenn man unbedingt Noten als Steuerungsinstrument haben will, dann müssen diese auch aussagekräftig sein. Früher waren die Noten 3 und 4 die Bezeichnungen für gute und schlechte durchschnittliche Leistungen. Hierbei waren die Eltern bei einer 4 alarmiert sich die Leistungen ihres Kindes mal genauer anzuschauen. Die Note Gut stand für eine stark überduchschnittliche Leistung und die Note sehr gut wurde nur bei außergewöhnlichen Leistungen, also eigentlich nie, vergeben. Ein Mangelhaft war die Bezeichnung für eine Fehlleistung, die mit lernen und etwas guten Willen durch den Schüler noch zu einer 4 gehoben werden konnte. Die Note ungenügend wurde nur bei extremen Fehlleistungen vergeben und war ein deutliches Warnsignal für die Eltern. Eine 6 reichte völlig aus, um die Klasse wiederholen zu müssen.

Bessere Zensuren, ohne eine bessere Leistung, führen nur zu wischi-waschi und nehmen den Eltern die Möglichkeit angemessen zu reagieren. Sollen jetzt die Balgen schon zur Nachhilfe geschickt werden, wenn die "nur" ein gut oder befriedigend haben?

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In manchen Fächern ist das "Befriedigend" schon "das Höchste der Gefühle", weil Lehrkräfte meinen, dass man faktisch auf dem selben Level sein muss wie sie , um ein "Gut" oder "Sehr Gut" zu erhalten.

Was natürlich nicht sein kann.

Schulnoten sollen nach "objektiven" Kriterien vergeben werden.

Nicht nach dem "gusto" der jeweiligen Lehrkraft.

Richtig.
Einige Parallelklässler an meiner Schule hatten das Pech, an einen Lehrer zu geraten, für den eine 1 gleichbedeutend damit war, dass sie eine Leistung gleich der seinen abzuliefern hatten - und wir reden hier nicht von einem Fach mit objektiv nachprüf- und nachvollziehbaren Aufgaben wie Mathematik, sondern von dem wohl flexibelstmöglichen Fach, nämlich Deutsch. Sein "Nachweis" der Machbarkeit bestand darin, dass er bei Arbeiten immer selber mitschrieb und nach der Hälfte der Zeit fertig war (Kunststück, wenn man den Schülern ein vollendetes Studium und 20+ Jahre im Schuldienst voraus hat, was die Materie angeht). Spätestens dann, wenn eine Kursarbeit aber in Gedankenlesen ausartet, stimmt irgendwas nicht...

Wie wäre das schön...

... wenn kompetent sein ausreichen würde um in der Schule gute Noten zu kriegen. Alleine die Aufteilung das die mündliche Note soviel zählt wie die schriftliche in einem Fach in dem 27 Kinder sitzen und der Lehrer am besten noch ne Fehlquote von 25% hat ist doch lächerlich. Da braucht sich keiner wundern, wenn Mädchen besser bewertet werden als Jungs und sonstige Abstruse Bewertungskriterien herangezogen werden, weil man die vorhandenen nicht ausnutzen kann.

Auch post #1 kann ich nicht nachvollziehen. Bei unserer Abistufe (ca. 50 Leute), hatten am Ende zwei Leute (Mädchen) eine 1 vor dem Komma stehen. Alle anderen waren schlechter. Es ist viel leichter in der Uni gute Noten zu kriegen als in der Schule. Das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein.

NKG und NKB :-)

Es mutet schon einigermaßen seltsam an, dass man einen komplexen, individuellen Vorgang wie das Lernen, welches sich im Gehirn als Neuronales Korrelat des Gelernten (NKG) niederschlägt mit einer einfachen Zahl von 1 bis 6 abzubilden versucht.
Allerdings gibt es neben dem NKG auch ein NKB, welches ich mal für Nuronales Korrelat des Benotens bezeichnen möchte. So weiß z.B. ein erfahrener Mathelehrer in der Oberstufe ziemlich genau welche Aufgaben ein entsprechend begabter und benoteter Schüler lösen können müsste. Er weiß genau, an welcher Hürde ein "Zweierschüler" gegenüber einem "Einserschüler" scheitert. Wenn man so will haben sich das NKG und das NKB ko-evolutionär entwickelt. Diese Entwicklung nimmt dann der scheinbaren Willkür der Notengebeung doch einiges an ihrer Schärfe.

Im Übrigen ist die Begründung Sachsen-Anhalts natürlich eine Stilblüte des Föderalismus, welche konsequent weiter gedacht überall zu Einsen führen müsste, schließlich waren die anderen Bundesländer bisher ein bisschen "besser" als Sachsen-Anhalt, und wollen diesen Vorsprung nur ungern verlieren! :-)