Lange Zeit glaubten die Deutschen, ihr Bildungssystem sei genauso erfolgreich wie ihre Wirtschaft. Sie erwarteten, dass deutsche Schüler sich ohne Probleme mit anderen OECD-Schülern messen könnten. Dann kam PISA – und aus war der Traum.

Nach dem ersten PISA-Schock vor gut zehn Jahren, erwachte das Land in einer harschen Realität: deutsche Schüler konnten nicht mit denen der Testsieger-Länder mithalten. Das Bildungssystem bedurfte grundlegenden Verbesserungen – und das schnellstmöglich, denn die Menschen wissen, dass Lernen die Grundlage für die persönliche Entwicklung, den sozialen Zusammenhalt und die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung ist.

Der Economist Intelligence Unit hat  am Dienstag eine neue internationale Bildungsstudie veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die deutschen Leistungen nach wie vor mittelmäßig sind. Die Studie vergleicht vierzig Länder, von denen dreißig zur OECD gehören. Die Platzierung der untersuchten Länder basiert auf ihren Leistungen (Output der Bildungssysteme). Bildungsinvestitionen (Input) werden zwar für die Analyse genutzt, fließen aber nicht in das Ranking ein.

Die Leistungen werden in zwei Kategorien zusammengefasst: Die Kategorie "Bildungsleistungen" setzt sich aus den Schulabgängerquoten und Bildungsabschlüssen sowie aus der Lese- und Schreibfähigkeit der Bevölkerung zusammen. In der Kategorie "Kognitive Fertigkeiten" werden die Ergebnisse internationaler Studien wie PISA, die Internationale Mathematik- und Naturwissenschaftsstudie (TIMSS) und die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA) verglichen.

In der Kategorie "Bildungsleistungen" belegt Deutschland den 23. der vierzig Plätze und liegt damit im Studiendurchschnitt. Hierbei muss man jedoch beachten, dass es sich nicht um den OECD-Durchschnitt handelt, da auch Ergebnisse leistungsschwächerer Nicht-OECD-Länder wie Indonesien oder der Türkei in die Wertung einfließen. In der Kategorie "Kognitive Fertigkeiten" schneiden die deutschen Schüler besser ab. Hier belegt Deutschland immerhin den zehnten der vierzig Plätze.

Kognitive Fertigkeiten

Beim Lesen liegen deutsche Viertklässler 0,6 Punkte über dem internationalen Durchschnitt; Achtklässler 0,4 Punkte. Auch in Mathematik erzielen deutsche Viert- und Achtklässler mit jeweils 0,5 Punkten leicht überdurchschnittliche Leistungen. In den Naturwissenschaften übertreffen die Viertklässler den Durchschnitt ebenfalls um 0,5 Punkte, die Achtklässler um 0,7 Punkte. Insgesamt liegen deutsche Schüler mit ihren "kognitiven Fertigkeiten" damit 0,56 Punkte über dem internationalen Durchschnitt. Zum Vergleich: Finnland befindet sich 1,5 Punkte über – Indonesiens 2,01 Punkte unter dem Schnitt.

Bildungsleistungen

Die Schreib- und Lesefähigkeit deutscher Erwachsenen liegt 0,6 Punkte über dem Durchschnitt. Die Quote der erfolgreichen Schulabgänger beschert Deutschland 0,4 Punkte über dem Schnitt. Im Vergleich der Hochschulabsolventen hinkt Deutschland dem internationalen Standard dagegen mit -0,7 Punkten deutlich hinterher. Insgesamt liegt Deutschland in der Kategorie "Bildungsleistungen" mit nur 0,12 Punkten sehr knapp über dem Durchschnitt der untersuchten Länder.

Finnland und Südkorea sind die Spitzenreiter des Gesamtrankings. Deutschland liegt mit 0,41 Punkten knapp über dem Durchschnitt und landet auf Platz 15.