SchulbildungMusterschüler China, Sitzenbleiber Indien
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 In beiden Ländern gibt es ein Stadt-Land-Bildungsgefälle

Repräsentativ waren die Ergebnisse am Ende weder für China noch für Indien, landesweit wären die Ergebnisse jeweils schlechter ausgefallen, sie spiegelten höchstens den Idealfall der staatlichen Schulen wieder. Aber die Ergebnisse sprachen trotzdem eine deutliche Sprache: Chinas Schüler belegten weltweit Platz eins, Indien erreichte den vorletzten Rang unter allen Teilnehmerländern. Nur die Schüler aus Kirgisistan schnitten noch schlechter ab als Indiens "Elite".

Eine schnelle Lösung gibt es für das indische Dilemma nicht. Nach offiziellen Angaben gelten 75 Prozent der Inder als alphabetisiert. Sie können in ihrer Muttersprache lesen und schreiben, angeblich ausreichend, um am täglichen Leben teilzunehmen. Doch PISA lässt hier große Zweifel aufkommen. Denn nur 28 Prozent der handverlesenen indischen Schüler die an PISA teilnahmen, konnten als ausreichend alphabetisiert gelten. Die Mehrheit der Getesteten konnte kaum genug lesen, um einfachste Fragen zum Textverständnis zu beantworten.

Chinas Alphabetisierungsrate liegt bei 90,1 Prozent

Ein Grund zum Umdenken scheint das jedoch nicht zu sein. "Ich habe grundsätzliche Zweifel an solchen Studien und der Relevanz von PISA im mehrsprachigen Indien", sagt Vinod Raina, Mitverfasser des indischen Grundrechtes auf Bildung (Right to Education Act). Ausreden fürs Sitzenbleiben beim PISA-Test hört man in Indien viele. Bis Indien mit dem großen Konkurrenten China bildungsmäßig mithalten kann, wird sich also noch vieles ändern müssen.

Zum Vergleich: Chinas Alphabetisierungsrate liegt laut dem Human Development Index der Vereinten Nationen bei 90,1 Prozent. Das setzt in China das Beherrschen von immerhin mindestens 1.500 chinesischen Schriftzeichen voraus. Was ein Recht auf Grundbildung betrifft, so hat das chinesische Einparteiensystem vorgelegt – Indiens Demokratie muss gewaltig aufholen. Besonders Mädchen werden in Indien traditionell benachteiligt. Für sie wird gerade im ländlichen Raum selten in die Ausbildung investiert. Dabei schnitten die indischen Mädchen bei PISA weitaus erfolgreicher ab als die Jungen.

Ein Bildungsgefälle gibt es in beiden Ländern noch immer zwischen Stadt und Land. Auch deshalb hat Indien jetzt das Recht auf Bildung in der Verfassung verankert. Doch bis heute gibt es keinen Plan , wie bildungsferne Schichten zu ihrem Recht auf Bildung kommen und wie die Kinder auf dem Land ihrer Schulpflicht nachkommen sollen, während allerorts Lehrer fehlen, schlecht ausgebildet sind und unterbezahlt werden.

China dagegen ist möglicherweise schon über das Ziel hinausgeschossen. Dass es hier eine gute staatliche Schulausbildung gibt, dass sich in der Tendenz die Schulen auch auf dem Land verbessern, dass sich das totalitäre Regime um Chancengleichheit bemüht, daran braucht heute niemand mehr zu zweifeln. Die Herausforderung für China mag nun eine viel größere sein: die Minderung des Leistungsdrucks, der auf den Schulkindern lastet. Wenn man wählen könnte, wo man seine Kindheit verbringt, wäre man dann nicht lieber Kind in Indien? Von Cricket im Park können Chinas Jugendliche höchstens träumen. So wie der gut bezahlte Job für die meisten Inder vorerst ein Traum bleiben muss. Wegen mangelnder Grundbildung.

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Leserkommentare
    • nfb
    • 22. November 2012 20:53 Uhr

    Viele geben Englisch – die Elitesprache – schnell auf

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    Englisch ist für die Kinder vom Dorf hoch im Norden kaum relevant, da sie sich in ihrem ganzen Leben nicht weiter als 150 km von zu Hause entfernen, sie würden es einfach verlernen! Auch wenn uns die Wirtschaftsinstitute glauben lassen wollen, daß in Indien nur noch Progammierer auf die Welt kommen, besteht der größte Teil Indiens nur aus Bauern und/oder Selbstversorgern, die nebenbei noch Gelegenheitsarbeiten machen.Das Gleiche dürfte auch für Gesamtchina gelten, Shanghai ist nun wirklich nicht repräsentativ für ganz China. Ausserhalb der Industriestandorte wird wohl kaum Englisch unterrichtet !

  1. Nun ja... nun möge sich jeder Leser selbst fragen, ob er lieber ein Kind in Indien oder in China wäre. Ich schätze, die Antworten werden unterschiedlich ausfallen, die einen lieben das schäbige Chaos Indiens, die anderen zieht es zur technokratischen Durchorganisiertheit Chinas.
    Und doch, da ich eher mit der Seite Indiens sympathisiere, frage ich mich, was Schulbildung und Alphabetisierung bringen, wenn das Aussprechen der eigenen Meinung nicht erlaubt ist. (Gab es da eventuell irgendwann in einer fernen Vergangenheit noch mehr als "die guten Jobs", weshalb Schulen und Universitäten gegründet wurden?)

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    • 可为
    • 22. November 2012 22:00 Uhr

    dass ein durchschnittlicher chinesischer Schüler jemals eine derart große öffentliche Plattform findet, auf der ihn seine Meinung in Schwierigkeiten bringen könnte...und selbst wenn, gerade in diesem Vergleich mit Indien muss ich eines sagen: Meine freie Meinung kann ich nicht essen!

    haben, die totale freie Meinungsäußerung ist nirgendwo auf der Welt möglich, auch nicht in Deutschland

    Liebe Kommentatoren meines Kommentars, "das Leben ist der Güter Höchstes nicht", wie Schiller so schön formulierte. Die Vorteile des Ausbleibens des Hungertodes in allen Ehren, doch was ich an diesem Artikel vermisste, war so ein wenig die humanistische Note des Bildungsgedankens. Hungern macht nicht schön, doch Bildung, die letztlich nur auf Steigerung des Bruttosozialproduktes abzielt, ist keine Bildung, sondern Konditionierung.

    • 可为
    • 22. November 2012 22:00 Uhr

    dass ein durchschnittlicher chinesischer Schüler jemals eine derart große öffentliche Plattform findet, auf der ihn seine Meinung in Schwierigkeiten bringen könnte...und selbst wenn, gerade in diesem Vergleich mit Indien muss ich eines sagen: Meine freie Meinung kann ich nicht essen!

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    Antwort auf "Bildung"
  2. Allen, die im Vergleich Indien - China wie gewohnt die Menschenrechtsfahne schwenken, sei mal ins humanitäre Gewissen geredet: Das elementarste Menschenrecht ist es, zu leben, d.h. nicht vor Hunger zu krepieren.
    In dieser Frage gibt es aber den eklatanten Unterschied: China hat seit nunmehr (als Historische Leistung ohnegleichen) seit einigen Jahrzehnten geschafft, Hungersnöte abzuschaffen, während in Indien die meisten Kinder (selbst mehr als in ganz Afrika)hungern und verhungern. An diesem Fakt kann sich niemand vorbei mogeln.
    Aus diesem Blickwinkel ist dieser Vergleich, der nur sporadisch ab und zu mal in den Medien auftaucht von höchster Scheinheiligkeit geprägt.

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    • ST_T
    • 23. November 2012 8:12 Uhr

    Es ist aber der vor allem deutsche Mainstream, alles in China und Asien generell schlechtreden zu wollen. Deswegen auch der verbale Fauxpass auf das "totalitäre Regime".

    Selbes Verhalten kennt man ja auch bei Japan: Man spricht von vermeintlich "obrigkeitshörigen Japanern", ohne zu vergessen dass ein Premier der scheiße baut schneller weg ist als er seinen Rücktritt einreichen kann.

    Hierzulande werden korrupte Politiker sogar mit Ehrenschüssen verabschiedet und die Anzahl an Protestlern ist verschwindend gering, da sollte man sich fragen wer genau obrigkeitshörig ist.

    Es ist aber wohl das uralte Grundproblem indischer Bildung, dass nur ein geringer Teil des Volkes wirklich davon profitieren kann.
    Und bis dahin wird es wohl noch ein sehr langer und steiniger Weg sein...

  3. 5. Seicht

    1) Von "Cricket im Park" koennen auch die krasse Mehrheit der indischen Kinder nur traeumen.

    Wer mehr als nur flotte Phrasen zu Indiens Bildungssystem und Bildungsproblemen lesen will (und Englisch nicht schnell zugunsten von Deutsch aufgegeben hat), kann das hier: http://www.undp.org/content/dam/india/docs/public_report_basic_education...

    2) Obgleich der Leistungsdruck zweifelsohne problematisch ist, sollte man nicht unterschaetzen, dass unzaehlige Asiaten Fleiss im Allgemeinen und eine gruendliche Schulbildung im Einzelnen als Garant fuer eine bessere persoenliche Zukunft sehen. Wenn ich mir im Vergleich hierzu europaeische Schulen und Universitaeten anschaue, wo Schueler und Studenten nicht einmal im Ansatz begriffen haben, was fuer ein Glueck sie haben, dass es nicht zur Disposition steht, ob sie zur Schule gehen koennen und gehen sollen, sehe ich fuer die Zukunft Europas schwarz (oder zumindest dunkelgrau).

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    "..., sehe ich fuer die Zukunft Europas schwarz (oder zumindest dunkelgrau)."

    Was soll uns denn schon passieren in Europa?

    Krieg sehe ich keinen kommen in der EU und die einzige wirklich schwer zu lösende Frage ist die Energiefrage. Ansonsten sehe ich nicht, wodurch unser Lebensstandard nennenswert bedroht werden könnte.

    Worauf Sie anspielen entscheidet in einem vernünftig organisierten Staat, wie es Deutschland und auch andere europäische Länder sind, höchstens darüber, ob man nun gerade das neueste Telefon hat oder nicht. Ist im Großen und Ganzen eigentlich irrelevant.

    Meine Sorge ist, dass es Ihnen keine Sorge bereitet. Es sit Fakt, dass Deutschland im Einzelnen und Europa im Allgemeinen in den kommenden Jahrzehnten sehr wahrscheinlich kontinuierlich an Attraktivität als wirtschaftlicher Standort im Vergleich zu Ost-, Südost- und Südasien einbüßen wird. Das braucht kein Problem sein, wenn man auf diesen Wandel reagiert und ausreichend in Innovation, Forschung, Bildung und Infrastruktur investiert, und wenn man in Europa kleingeistige Nationalismen aufgibt und als politische Einheit gegenüber den USA, China, Indien oder ASEAN (?) auftritt. Da ich davon jedoch wenig sehe, weder beim Ersten noch beim Zweiten, bin ich besorgt.

    Übrigens, wenn ich es mir anmaßen dürfte, Ihr Standpunkt leidet m.E. daran, dass er implizit von einer Isolation Europas bzw. der europäischen Volkswirtschaft ausgeht, die nicht gegeben ist.

  4. das in den Medien erörtert gehört. Allerdings verharmlost die Überschrift den Ernst der Lage für die Menschen der kommenden Jahrzehnte und des kommenden Jahrhunderts, denn wie ein so großer Teil der Menschheit *tickt*, kann an demokratisch eingestellten Menschen nicht vorbeigehen.
    Die Zahlen zur Alphabetisierung sind zum einen veraltet & zum anderen schlecht ausgewält. Die UNICEF gibt andere Zahlen zur Alphabetisierung in China, 2010 bei Erwachsenen 94,3 %, bei Kindern & Jugendlichen von 99,4 % (http://stats.uis.unesco.org/unesco/TableViewer/document.aspx?ReportId=12...). Das entspricht 96,9 % der Gesamtbevölkerung können lesen und schreiben bzw. 3,1 % Analphabetenrate 2010. Das entspricht den Zahlen der Weltbank, denn die gibt für 2010 eine Alphabetisierungsrate von 94 % für die Bevölkerungsgruppe ab 15 Jahren an (http://devdata.worldbank.org/AAG/chn_aag.pdf) - Kinder unter 15 Jahren lernen zu nahezu 100 % lesen und schreiben, denn das besagt allein die Einschulungsquote von nahezu 100 %. Der nächste Schritt wäre dann die Ausbildung im Sekundarbereich zu betrachten, hier liegt die Rate in China bei 81 %. Eine höhere Bildung (tertiäre Bildung) erreichten 2010 immerhin 26 % eines Jahrgangs.

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  5. Einen Satz wie "Wenn man wählen könnte, wo man seine Kindheit verbringt, wäre man dann nicht lieber Kind in Indien?", kann ich nur der Unkenntnismus entsprungen oder aber reinen Zynismus ausdrückend empfinden, ob der Tatsache, daß in Indien jährlich über 1,4 Mio. an den Folgen von Hunger sterben (http://www.zeit.de/2011/16/Indien-Arme).
    Und ja, das elementare Menschenrecht ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

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    • Tai De
    • 23. November 2012 11:06 Uhr

    Es gibt Grundrechte. Von einem "elementaren" Menschenrecht kann man nur sprechen, wenn man einer Ideologie auf den Leim geht die behauptet, man müsse am Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Arbeitslager z. B. ist nach wie vor sehr ungesund) Abstriche machen, um einem anderen Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit genügen zu können.

    Insofern schließe ich mich justrecently an (Kommentar 24): die ideologischen Traditionen bei "Demokratie-Diktatur-Effizienz-Vergleichen" außer Acht zu lassen, mag zwar zu mehr Klicks führen. Sie führt aber außerdem leicht zu einer sachlichen und zu einer ethischen Orientierungslosigkeit.

    Wie war das noch mit dem Qualitätsjournalismus?

  6. "Doch für die Kinder ist das kein Spaß, der Leistungsdruck ist hoch, Berichte von Selbstmord aus Angst vor schlechten Noten sind nicht selten."

    "Ganz anders die Lage im benachbarten Indien. Auch hier müsste man etwas vom Leistungsdruck wissen. Auch die Inder sind ein Milliardenvolk. Doch von Schulstress keine Spur."

    Schauen Sie sich mal an indischen Universitäten um. Leistungsdruck und Selbstmorde gibt es da auch.

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  • Schlagworte Indien | China | Bildung | Cricket | Eltern | Pisa-Studie
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