Die Ergebnisse der neuen Grundschulstudien Iglu und TIMMS beunruhigen die deutsche Wirtschaft. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags ( DIHK ), Hans-Heinrich Driftmann , sagte dem Handelsblatt : "Es bereitet mir Sorge, dass bereits am Ende der Grundschule jeder sechste Schüler nicht ausreichend lesen und jeder fünfte nicht ausreichend rechnen kann." Solche Defizite würden selten aufgeholt. Die Unternehmen wollten junge Leute zu qualifizierten Fachkräften ausbilden, aber "sie müssen darauf vertrauen können, dass dafür in der Schule die notwendigen Grundlagen gelegt werden".

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt lobte die insgesamt gute Leistung der Grundschulen, kritisierte aber die fehlenden Fortschritte bei der Entkoppelung von sozialer Herkunft und Schulleistung. Er forderte den schnelleren Ausbau der frühkindlichen Bildung und der Sprachförderung. Zudem sei "leider ausgerechnet in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern der Anteil an schwachen Leistungen mit 22 Prozent am höchsten", sagte Hundt im Handelsblatt .

Die am gestrigen Dienstag vorgestellten Studien ergaben, dass Deutschlands Grundschüler im weltweiten Vergleich von rund 50 Staaten ihren Platz im oberen Leistungsdrittel knapp verteidigt haben. Nach wie vor ist aber der Bildungserfolg extrem abhängig von der sozialen Herkunft. Beim Lesen, Rechnen und auch in den Naturwissenschaften gibt es zu wenig Spitzenschüler in Deutschland. Und bis zu jedes fünfte Kind gilt als "Risikoschüler", das mit seinen Leistungen hinterher hinkt.

Gleichwohl sprach Bundesbildungsministerin Annette Schavan ( CDU ) in der Passauer Neuen Presse von einer "ermutigenden Entwicklung". Die Analyse zeige, dass die Grundschulen gut arbeiten. "Wir sind auf dem richtigen Weg. Besonders positiv ist, dass Integration über Bildung immer besser gelingt. So kann es weitergehen." Dass Kinder mit Migrationshintergrund aufholten, sei das "erfreulichste Ergebnis". Es müssten vor allem diejenigen noch stärker gefördert werden, die im unteren Kompetenzbereich seien und schlechtere Leistungen brächten.

Caritas-Präsident Peter Neher kritisierte, dass in Deutschland nach wie vor die soziale Herkunft sehr starken Einfluss auf die Schulleistungen habe. Nur in 5 von 45 untersuchten Staaten der EU und der OECD sei das noch gravierender. Kinder mit Migrationshintergrund zeigten zudem weiter deutlich schlechtere Leistungen als Kinder ohne Migrationshintergrund, auch wenn hier der Trend zum Besseren weise. "Wenn es gelingen soll, den Einfluss sozialer Benachteiligung wirklich abzubauen, brauchen wir dringend einen Ausbau präventiver Bildungs- und Unterstützungsangebote", sagte Neher.