Schabana und Junior sind eloquent, selbstbewusst und engagiert. Die Eltern der 21-jährigen Schabana stammen aus Afghanistan, sind aber schon lange in Deutschland. Schabana sagt: "Sie hätten schon gern gesehen, wenn ich gläubiger wäre. Aber sie akzeptieren, dass ich nicht bete."

Der heute 18-jährige Junior kam mit eineinhalb Jahren mit seinem Vater aus Togo, wuchs aber bei seiner deutschen Pflegemutter auf und hat deren Werte mehr verinnerlicht als die des Vaters. Sie erzählen, viele ihrer Mitschüler hätten ein deutsches und ein ausländisches Elternteil, die meisten kennen sich einfach mit zwei Kulturen aus. Tödliche Messerstechereien gehören sowieso nicht zu ihrem Alltag. Den Begriff "Ehrenmord" mögen sie nicht, denn "wenn das Gleiche in deutschen Familien passiert, nennt man es Familiengewalt", sagt Schabana.

Schabana erzählt, der Exfreund einer Freundin lasse diese nicht in Ruhe, verfolge sie, werde gewalttätig, wenn er sie allein erwische. Und eine andere Freundin musste sie im Krankenhaus besuchen, weil sie zu Hause misshandelt worden war. Schabana sagt auch, sie kenne viele Mädchen, die sich auf die Macho-Typen einlassen. Sie interpretierten es manchmal sogar als Liebe und Achtung, wenn ihr Freund ihnen verbiete, allein auszugehen. "Man kriegt ständig Dinge mit, aber man macht nichts", gesteht sie.

Theaterspielen gegen das Machotum

Seit sie sich durch das Theaterspielen mit dem Thema auseinandersetzt, ist das anders. Schabana und Junior sind sicher, dass das Projekt gegen Gewalt gegen Frauen in ihrem Stadtteil wirkt: "Überall hängen die Plakate, stehen Stände, wo man sich informieren kann. Die Vertrauenslehrer machen es zum Thema." Sie haben das Gefühl, ihr Stadtteil sei sicherer geworden.

Ihr Lehrer Olaf Bublay hat das Stück mit ihnen einstudiert. Er sagt, er stelle auch einen Unterschied im Unterricht fest. Normalerweise engagierten sich Schüler nicht gegen Gewalt, denn sie machten sich damit angreifbar, es gelte nicht als cool. "Wer dann aber beim Theaterspielen so einen typischen Verhaltenscodex infrage stellt, kann am nächsten Tag in der Klasse nicht mehr den großen Macho geben."

Am 18.12. führt dieTheatergruppe der Beruflichen Schule H20im Rahmen eines Aktionstages gegen Partnergewalt ihr Stück auf. Kampnagel Hamburg: "Die war nicht so" um 12.00 – 13.30 und 17.00 – 18.30