Rumänien : Ohne Spickzettel ist das Abi kaum zu schaffen

Leser Teodor Chiaburu macht bald in Rumänien Abitur. Dort fällt mehr als die Hälfte der Schüler durch die Prüfungen, seit Videokameras gegen Betrug eingesetzt werden.

Als Zwölftklässer in Rumänien, kurz vor dem Abitur, habe ich eine dramatische Entwicklung vor Augen: Der Anteil der Abiturienten, die die Abschlussprüfung bestehen, ist hier in den vergangenen zwei Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Die durchgefallenen Schüler beschweren sich nicht nur über zu schwierige Aufgaben, sondern vor allem über den Einsatz von Videokameras während der Prüfungen.

Das Abitur war früher keine Herausforderung für rumänische Gymnasiasten, sofern die Eltern Geld hatten. Bestechung für bessere Noten und Zeugnisse war üblich. Da rumänische Lehrer sehr wenig verdienen, war die Versuchung für viele groß. Diese Korruption prägt die Schulkultur bis heute. Dass zahlreiche Schüler sich auf Spickzettel und Abschreiben verlassen, galt bislang als normal. Der Anteil erfolgreicher Absolventen erreichte knapp 90 Prozent. Das blieb über viele Jahre fast unverändert.

Vor zwei Jahren wurden erstmals alle Prüfungsräume mit Videokameras ausgerüstet, um Betrug zu vereiteln. Doch die meisten nahmen diese Ankündigung nicht ernst. Die Folge: Nur ungefähr ein Drittel der Abiturienten schloss die Prüfungen erfolgreich ab. Wer beim Pfuschen erwischt wurde, wurde für für die aktuellen Abiturprüfungen sowie die ein Jahr darauf folgenden ausgeschlossen.

Daraufhin kamen viele Klagen, aber wenig Einsicht: Die Durchgefallenen beteuerten, sie hätten sich wegen der Kameras nicht mehr auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Auf der anderen Seite gibt es aber auch auch Zufriedene: fleißige Schüler, die sich angestrengt haben und sich nun über die gerechte Bewertung freuen.

Der gleiche Vorfall wiederholte sich im letzten Jahr. Auch dieses Jahr wird es wohl wieder so. Die traurige Realität: Rumäniens Jugend scheint nichts zu lernen – weder den Stoff für die Schule, noch über Werte, die unser Land voranbringen könnten.

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Kommentare

19 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Weniger Spickzettel - und auch weniger Bestechung?

Definitiv ungut gewählt. Suggerierte mir erst Mitleid mit den rumänischen Schülern, am Ende aber eher, dass der Autor ebenfalls die von ihm verlangten Werte selber nicht vertritt. Traurig, dass man erst Überwachungskameras installieren muss - die Spickerquote ist gesunken, und die Bestechungsrate?
Trotzdem viel Erfolg beim Abi! Spickzettel kann man ja trotzdem schreiben, so als Form der Wiederholung... auch wenn man die im Endeffekt nicht benutzen kann ;) anders haben wir deutschen Schüler (außer in den Abiklausuren) das auch nicht gemacht!

@michael

Ja gut. Einverstanden. Ihre Perspektive könnte ebenso gut zutreffen. Zwei Seiten der selben Medallie. Kein Problem damit. Nur bitte, was mein Posting betrifft, so möchte ich noch darauf hinweisen, daß ich mit meiner Kritik am Intellekt der rumänischen Gymnasiasten sicher nicht DIE rumänischen Schüler im Allgemeinen meinte, sondern nur diejeningen unter ihnen, die ihre 9 Jahre auf dem Gymnasium bis zu den Abitursprüfungen quasi "ausgesessen" hatten. Und so wie es ausschaut, scheinen viele von denen nicht wegen ihrer überragenden intelektuellen Fähigkeiten, sondern vielmehr wegen Kungelei, Vetternwirtschaft, Geld und Beziehungen auf diese privelegierte weiterführenden Schule gehen zu können. Da zählt offenbar nicht die knallharte Leistung, sondern vielmehr der bündeldicke Backschisch. Steht ja auch alles in dem aufschlussreichen Artikel. Zitat: "Das Abitur war früher keine Herausforderung für rumänische Gymnasiasten, SOFERN DIE ELTERN GELD HATTEN. Bestechung für bessere Noten und Zeugnisse war üblich. Da rumänische Lehrer sehr wenig verdienen, war die Versuchung für viele groß. DIESE KORRUPTION prägt die Schulkultur bis heute."

Aha!