Als Zwölftklässer in Rumänien, kurz vor dem Abitur, habe ich eine dramatische Entwicklung vor Augen: Der Anteil der Abiturienten, die die Abschlussprüfung bestehen, ist hier in den vergangenen zwei Jahren um die Hälfte zurückgegangen. Die durchgefallenen Schüler beschweren sich nicht nur über zu schwierige Aufgaben, sondern vor allem über den Einsatz von Videokameras während der Prüfungen.

Das Abitur war früher keine Herausforderung für rumänische Gymnasiasten, sofern die Eltern Geld hatten. Bestechung für bessere Noten und Zeugnisse war üblich. Da rumänische Lehrer sehr wenig verdienen, war die Versuchung für viele groß. Diese Korruption prägt die Schulkultur bis heute. Dass zahlreiche Schüler sich auf Spickzettel und Abschreiben verlassen, galt bislang als normal. Der Anteil erfolgreicher Absolventen erreichte knapp 90 Prozent. Das blieb über viele Jahre fast unverändert.

Vor zwei Jahren wurden erstmals alle Prüfungsräume mit Videokameras ausgerüstet, um Betrug zu vereiteln. Doch die meisten nahmen diese Ankündigung nicht ernst. Die Folge: Nur ungefähr ein Drittel der Abiturienten schloss die Prüfungen erfolgreich ab. Wer beim Pfuschen erwischt wurde, wurde für für die aktuellen Abiturprüfungen sowie die ein Jahr darauf folgenden ausgeschlossen.

Daraufhin kamen viele Klagen, aber wenig Einsicht: Die Durchgefallenen beteuerten, sie hätten sich wegen der Kameras nicht mehr auf ihre Aufgaben konzentrieren können. Auf der anderen Seite gibt es aber auch auch Zufriedene: fleißige Schüler, die sich angestrengt haben und sich nun über die gerechte Bewertung freuen.

Der gleiche Vorfall wiederholte sich im letzten Jahr. Auch dieses Jahr wird es wohl wieder so. Die traurige Realität: Rumäniens Jugend scheint nichts zu lernen – weder den Stoff für die Schule, noch über Werte, die unser Land voranbringen könnten.