SchulgründungVerwaltungsgericht erlaubt Opus-Dei-Gymnasium in Potsdam

Sympathisanten der streng katholischen Laienorganisation wollen seit Jahren ein reines Jungengymnasium in Potsdam eröffnen. Die rechtliche Grundlage ist dafür nun gelegt.

Anhänger der katholischen Organisation Opus Dei dürfen in Potsdam ein Privatgymnasium nur für Jungen bauen. Dies entschied das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig und verwies zur Begründung auf die Freiheiten privater Schulträger.

Damit blieb die Klage einer Elterninitiative gegen die Ablehnung ihres Bauantrags durch das brandenburgische Bildungsministerium auch in letzter Instanz erfolgreich. Die Eltern bekennen sich offen zu dem erzkatholischen Laienbund Opus Dei, weshalb in Potsdam vom Opus-Dei-Gymnasium gesprochen wird.

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Das Bildungsministerium hatte die Genehmigung der Schule mit dem Hinweis abgelehnt, dass eine reine Jungenschule eine öffentliche Schule nicht ersetzen könne und das brandenburgische Schulgesetz einen koedukativen Unterricht – also von Mädchen und Jungen zusammen – vorsehe.

Gleichberechtigung lernen nur unter Jungen

Dagegen verwies das Bundesverwaltungsgericht auf die von der Verfassung garantierte Privatschulfreiheit. Private Schulträger dürften demnach den Unterricht "grundsätzlich nach Maßgabe ihrer eigenen pädagogischen Einschätzungen frei gestalten".

Die Einschätzung der Elterninitiative, Schüler könnten Gleichberechtigung der Geschlechter auch in einem monoedukativen Unterricht – also nur für Jungen – lernen, muss das Bildungsministerium laut Urteil hinnehmen.

Treibende Kraft hinter den Schulplänen und Antragsteller ist die in Köln ansässige Fördergemeinschaft für Schulen in freier Trägerschaft e.V., die Opus Dei nahe steht. Vor allem diese Verbindung löste in Potsdam, aber auch darüber hinaus, Diskussionen aus. Brandenburgs Landesregierung und die Stadt Potsdam lehnen das Projekt weiterhin ab.

An der Jungenschule soll ein Opus-Dei-Priester als Seelsorger und Religionslehrer arbeiten. In der Vergangenheit wurde die konservative Organisation wegen angeblich sektenähnlicher Strukturen und obskurer Bußpraktiken kritisiert – Vorwürfe, die sie zurückweist. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit 90.000, in Deutschland 600 Mitglieder, davon 26 Priester.

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Leserkommentare
  1. ich meine das, was der Herr oben schreibt.
    Im Grunde ist es eine glasklare Aufhetzung die
    durchaus justitiabel wäre.
    Aber mich wundert in diesem Lande nix mehr,
    Der Kölner Stadt Anzeiger fährt nunmehr seit 3 Wochen eine
    knallharte Kampagne gegen die RKK und es hört nicht auf.

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    Bei allen wirklich guten Erfahrungen auf dem Mädchengymnasium unter der Trägerschaft des Opus (die zumindest damals völlig normalen, aufgeklärten Unterricht mit einer Entwicklung zum kritischen Denken!), muss ich sagen, dass das, was in Kölner katholischen Kliniken lief und wahrscheinlich läuft - alles andere als aufgeklärt und verantwortungsvoll ist.
    Ich schrieb ja bereits, dass ich keine intoleranten, indoktrinierende Schule gleich welches Konfession dulde (egal ob zu 100% privat oder zu 90% staatlich finanziert!) und ebenso dulde ich keine KH, die gegen die Menschenwürde verstoßen, sogar polizeiliche Ermittlungen / Beweissicherung verhindern!
    Da kann ich keine Hetze entdecken.

    • flyyy
    • 30. Januar 2013 17:42 Uhr

    Meinen Sohn würde ich niemals an dieses Gymnasium schicken, denn dafür haben einige Priester der katholischen Kirche einfach zu viel Mißbrauch an Jungen vollzogen. Was auch an der Geschichte liegen mag, denn im römischen Reich war die "Knabenliebe" erlaubt. Weiß nicht ganau, was die Bibel dazu sagt, aber vielleicht kann mich da noch jemand genauer aufklären.

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  2. OK, Warum nicht.

    Ab sofort bin ich auch für islamische Schulen, die von Moslems mit extremen Ansichten verantwortet werden.

    Wenn Freiheit zum Fundamentalismus, dann für alle Religionen.

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    • zamek
    • 30. Januar 2013 19:50 Uhr

    Wahrscheinlich werden dann die Kinder aus lesbischen oder schwulen Partnerschaften erst gar nicht aufgenommen. Die Kinder aus geschiedenen Ehen auch nicht.
    Und auch arbeitsrechtlich dürfen da wieder deutsche Gesetzte munter gebrochen werden...
    Haben nicht die Ergeignisse in Köln gezeigt, dass so wenig wie möglich öffentliche Einrichtungen unter kirchlicher Trägerschaft stehen sollten? Und wenn, dann sollen sie sich bitteschön komplett selber finanzieren!

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  3. Brandenburg sieht im Schulgesetz eine gemeinsame Unterrichtung von Jungen und Mädchen vor. Dieses Gesetz kann man anfechten und auf demokratischem Wege ggf. ändern. Solange es gilt, sollte es für alle gelten - für Interessengemeinschaften, Verwaltungen und auch für deren Gerichte. Andernfalls stünde es jeder Interessengemeinschaft frei, z.B. eine Nudistenschule "in freier Trägerschaft" zu gründen, die endlich von den textilen Zwängen befreite.
    Übrigens: Gerade tobt eine Medienschlacht um einen "Herrenwitz", der als Diskriminierung des weiblichen Geschlechts aufs schärfste verurteilt wird. Nun darf man auf die Reaktion gespannt sein, wenn man in einem Gymnasium per Schulordnung das weibliche Geschlecht (ohne Not!) nicht nur verbal sondern real gleich gänzlich aus der geschlossenen Männergesellschaft aussperrt (die Geschlechtertrennung zu überwinden galt mal als außerordentlicher Fortschritt).
    Aber vielleicht befinden wir uns gerade in einem allgemeinen revolutionären Wertewandel, der zurück zu unseren Wurzeln, also in den Dschungel führt. Ein Indiz dafür: Die Kakerlakenshow "Dschungelcamp" ist für den Grimmepreis nominiert! Und nicht der geringste mediale Aufschrei ist zu hören. Richten wir uns ein in dieser neuen Kultur und verinnerlichen wir die neuen, uralten bewährten Werte. Es lebt sich so unbeschwerter.

    2 Leserempfehlungen
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    "Die Kakerlakenshow "Dschungelcamp" ist für den Grimmepreis nominiert! Und nicht der geringste mediale Aufschrei ist zu hören."

    Oh und wie!
    Ale haben "aufgeschrien" nachdem Frau Sass sich bei Lanz empört hat, dass diese Ekelschau jetzt preiswürdig ist.
    Ach so: sie haben wegen Frau Sass aufgeschrien, nicht wegendes Preises.
    Schöne neue Welt.
    Und wenn ein Schulgesetz erstmal unterwandert ist, dann sind doch solchen sehr tunnelblickigen Schulen, die ein Mitforist schon angedeutet hat sehr bald mit staatlicher Beteiligung zu erwarten.
    Gibt es sie vielleicht schon? Weiß jemand davon?
    Möglicherweise mußten die ja gar nicht vor Gericht. Deshalb gabs dann auch kein Tamtam.
    Wäre für jede Info dankbar.

    Und wenn

  4. leben viele reiche Zuzügler aus dem Westen- der Speckgürtel von Berlin. Ansonsten wäre ja auch Potsdam recht protestantisch.

    Antwort auf "Warum Potsdam"
  5. Bei allen wirklich guten Erfahrungen auf dem Mädchengymnasium unter der Trägerschaft des Opus (die zumindest damals völlig normalen, aufgeklärten Unterricht mit einer Entwicklung zum kritischen Denken!), muss ich sagen, dass das, was in Kölner katholischen Kliniken lief und wahrscheinlich läuft - alles andere als aufgeklärt und verantwortungsvoll ist.
    Ich schrieb ja bereits, dass ich keine intoleranten, indoktrinierende Schule gleich welches Konfession dulde (egal ob zu 100% privat oder zu 90% staatlich finanziert!) und ebenso dulde ich keine KH, die gegen die Menschenwürde verstoßen, sogar polizeiliche Ermittlungen / Beweissicherung verhindern!
    Da kann ich keine Hetze entdecken.

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  6. Ich hatte damals sogar muslimische Mitschülerinnen....und jetzt? Skandal?

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