UnionsländerStaatsvertrag soll Unterrichtsniveau angleichen

Der Unterricht in Deutschland soll vergleichbar werden – und Lehrer flexibel einsetzbar. Drei Länder haben einen Vorschlag gemacht, wie sich das verbindlich regeln lässt.

Drei Bundesländer wollen das Unterrichtsniveau in Deutschland mit einem Staatsvertrag vergleichbarer machen. Dafür haben die unionsgeführten Länder Bayern, Sachsen und Niedersachsen nun Eckpunkte vorgestellt. Der Vertrag soll Schülern und Lehrern auch den Umzug in ein anderes Bundesland erleichtern.

Unter anderem sieht der Staatsvertrag gemeinsame Bildungsstandards für die Mittlere Reife und das Abitur sowie die Teilnahme an länderübergreifenden Vergleichstests vor. Zudem sollen die Länder ihre jeweiligen Lehrerprüfungen gegenseitig als "hinreichende Zugangsvoraussetzung für den staatlichen Schuldienst" anerkennen. Auch der Lehreraustausch über Ländergrenzen hinweg soll einfacher werden.

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Um vergleichbare Bildungsstandards sind alle 16 Bundesländer bemüht. Erst im vergangenen Herbst hatten die Kultusminister bundesweite Standards für zentrale Schulfächer vereinbart. Auch die gegenseitige Anerkennung der verschiedenen Lehramtsabschlüsse wurde beschlossen.

Verbindlichkeit gefordert

Beschlüsse der Kultusministerkonferenz haben jedoch nicht die Rechtswirkung eines Verfassungsorgans. Daher fordert Bayerns Ressortchef Ludwig Spaenle (CSU) einen von den einzelnen Landesparlamenten getragenen Staatsvertrag, der eine größere Verbindlichkeit habe.

Die parteilose sächsische Kultusministerin Brunhild Kurth versicherte, der Weg zu gemeinsamen Standards könne flexibel beschritten werden. Eine Uniformität wie früher in den DDR-Schulen wolle sie nicht.

Mit der gegenseitigen Anerkennung der Lehrerexamen tun sich die Bundesländer seit Jahrzehnten schwer. Während viele Länder etwa bei der Lehrerausbildung auf das 1. Staatsexamen verzichten, ist es in Bayern noch immer der Regelfall. Deswegen drängt auch Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) seit Längerem auf einen Staatsvertrag.

Dass sich alle anderen Bundesländer dieser Initiative anschließen, scheint ausgeschlossen. Mehrere SPD-regierte Länder sprachen von einem überflüssigen Wahlkampf-Manöver und verwiesen auf die bereits bestehenden Beschlüsse.
 

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Leserkommentare
  1. wie es funktionieren soll, dass drei Bundesländer, von denen zwei die ersten beiden Plätze bei Ländertests belegen, das dritte aber den vorletzten Platz, sich auf einheitliche Standards einigen können, ohne dass ein massiver Niveauverlust bei den beiden ersten einsetzt? Muss das sein?
    Die Alternative nämlich, dass das Land auf dem vorletzten Platz sich dem Niveau der anderen beiden angleicht, ist nicht realistisch: Zum einen kann man das nicht von heute auf morgen, sondern muss die Unterricht von der Grundschule an neu aufbauen, zum anderen sind viele Eltern bei Erhöhung der Anforderungen regelmäßig nicht begeistert, sprechen schnell von Überforderungen und Schulstress und können in aller Regel die politische und mediale Öffentlichkeit für sich mobilisieren, sodass so etwas meines Wissens in den letzten Jahrzehnten noch nicht gewagt worden ist.
    Obwohl die Hamburger Eltern sich erfolgreich gegen einen (weiteren) Niveauverlust ihrer Bildungslandschaft gewehrt haben, muss man befürchten, dass sie sich genauso erfolgreich gegen massive Erhöhungen der Anforderungen - und die wären wohl nötig - zu Felde ziehen würden.

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  2. Schon die bloße Existenz der Kultusministerkonferenz ist Beweis genug, daß es sich um eine genuine Aufgabe des Bundes handelt. Die Sachzwänge müssen schon gewaltig sein, um diese Bande eifersüchtiger Provinzler an einen Tisch zu bringen.
    Es ist Irrsinn, daß wir im real existierenden Föderalismus einerseits von den Menschen Mobilität fordern, andererseits aber jeden Umzug mit Schulkindern zur Tortur machen. Einheitliche Standards sind eine Frage der Gerechtigkeit. Das Abitur von Bremen und Bayern für äquivalent zu erklären, war schon in der alten Bundesrepublik ein schlechter Witz.

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    Und deshalb soll sich Bayern jetzt Bremen angleichen? Anders herum geht es niemals - sonst wäre es schon längst passiert. Immerhin ist es für Bremer nicht sonderlich ehrenhaft, immer auf dem letzten Platz zu landen.
    Dasselbe ist doch auch bei der angeblichen Vereinheitlichung der Universitätsausbildung geschehen, die so wunderbar geklappt hat und nun Bologna-Reform heißt: Man wollte erleichtern, dass Studenten im europäischen Ausland ein Studium weiterführen können. Das Gegenteil ist eingetreten: Die heutigen Studenten können nur unter erschwerten Bedingungen innerhalb Deutschlands (!) die Uni wechseln. Die Abschlüsse sind weniger wert (heißen aber in ganz Europa Bachelor und entsprechen im Niveau ungefähr dem früheren Vordiplom), das deutsche Diplom ist abgeschafft, die intellektuellen Anforderungen sind nach unten nivelliert worden, dafür ist das Arbeitspensum gestiegen und das System ist total durchstrukturiert und verschult.
    Wunderbar! So was wünsche ich mir auch für die deutschen Schulen: Alles reglementiert, wenig Niveau, die jungen Leute sind den ganzen Tag verräumt, werden von ungemein flexiblen Lehrern mit Projekten beschäftigt und bekommen automatisch am Ende alle das Abitur. Dann kann's - nach dem Bologna-System - an der Uni so weitergehen!

  3. Und deshalb soll sich Bayern jetzt Bremen angleichen? Anders herum geht es niemals - sonst wäre es schon längst passiert. Immerhin ist es für Bremer nicht sonderlich ehrenhaft, immer auf dem letzten Platz zu landen.
    Dasselbe ist doch auch bei der angeblichen Vereinheitlichung der Universitätsausbildung geschehen, die so wunderbar geklappt hat und nun Bologna-Reform heißt: Man wollte erleichtern, dass Studenten im europäischen Ausland ein Studium weiterführen können. Das Gegenteil ist eingetreten: Die heutigen Studenten können nur unter erschwerten Bedingungen innerhalb Deutschlands (!) die Uni wechseln. Die Abschlüsse sind weniger wert (heißen aber in ganz Europa Bachelor und entsprechen im Niveau ungefähr dem früheren Vordiplom), das deutsche Diplom ist abgeschafft, die intellektuellen Anforderungen sind nach unten nivelliert worden, dafür ist das Arbeitspensum gestiegen und das System ist total durchstrukturiert und verschult.
    Wunderbar! So was wünsche ich mir auch für die deutschen Schulen: Alles reglementiert, wenig Niveau, die jungen Leute sind den ganzen Tag verräumt, werden von ungemein flexiblen Lehrern mit Projekten beschäftigt und bekommen automatisch am Ende alle das Abitur. Dann kann's - nach dem Bologna-System - an der Uni so weitergehen!

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    • Petro69
    • 09. Januar 2013 21:02 Uhr

    Wie schön, wenn Familien von der Pfalz mit ihren Kindern nach
    Hessen ziehen, oder von Sachsen nach NRW z.B. Bochum.
    Andere Lehrpläne, andere Schulbücher, gewisse Zeugnisse und
    Ausbildungen werden nicht anerkannt usw. das klingt nach Mittelalter.
    Überall wird von der Idee der Globalisierung gesprochen
    und teilweise versucht so zu handeln, aber unser Schulsystem
    dümpelt daher ohne einheitliche Regelungen, man findet nicht mal
    das beste System heraus, wie in einem Versuchslabor.
    Was für Leute sind denn da verantwortlich ??
    Wen wundert es, wenn man hier auch nicht fähig ist grössere
    Bauwerke ordentlich zu planen und entsprechend zu errichten.
    Einfach schrecklich - die Eltern lassen sich das gefallen,
    arme Kinder !!

    2 Leserempfehlungen
  4. Ich wünschte, ich hätte ein bundeseinheitliches Zentralabi schreiben müssen. Dann stünde ich nihct unter dem GEneralverdacht, nur weil meine Eltern zufällig in Niedersachsen leben, sei mir das Abi geschenkt worden. Kein Kind kann doch was für seinen Schulort.
    Schule muss endlich Bundessache sein. Schließlich kann kein Kind entwas dafür, wenn seinen Eltern nicht in Bayern leben. Und nur weil man nicht in Bayern zur Schule ging, ist man nicht automatisch dümmer.

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    Die Frage ist, mit welcher Vehemenz Schulqualität, das heiß: eine anspruchsvolle Bildung, eingefordert wird! Und da können Schüler, können Eltern, kann die Öffentlichkeit durchaus etwas tun!
    Die Politik geht offenbar davon aus, dass es die meisten Wünsche erfüllt und somit die meisten Wählerstimmen bekommt, wenn sie garantiert, dass Schule für die "Kleinen" so leicht wie möglich ist. Dann haben die Eltern zu Hause nicht den so genannten Schulstress, die meisten bekommen das Abitur und alles ist in Ordnung?
    Man sollte erst einmal beweisen, dass diese Einschätzung der Politiker falsch ist. Mein bisheriger Eindruck, der durch Äußerungen entsteht, die ich von Privatpersonen, aber auch in den Medien mitbekomme, ist, dass diese Macher mit der Einschätzung leider richtig liegen.

  5. Die schon bestehende Tendenz, die Fachkompetenz in der Lehrerausbildung immer mehr zu verwässern und herunterzuschrauben, wird verstärkt. Lehrer ohne jede Fachkompetenz können dann überall, das heißt: in jeder Schulart, in jedem Fach, in jedem Bundesland eingesetzt werden.
    Da aufgrund unterschiedlicher Maßnahmen der KMK, des Bildungsministeriums und der Kultusministerien der Länder der Wert des Abiturs sowieso gegen Null tendieren wird, ist ein von Fachkompetenz völlig unbeleckter Lehrer die beste Ansprechperson für diese Schüler, die dann bundesweit endlich dasselbe Niveau haben. Diese Abiturienten geben dann nachher noch bessere Lehrer und Erzieher, oder?

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  6. Die Frage ist, mit welcher Vehemenz Schulqualität, das heiß: eine anspruchsvolle Bildung, eingefordert wird! Und da können Schüler, können Eltern, kann die Öffentlichkeit durchaus etwas tun!
    Die Politik geht offenbar davon aus, dass es die meisten Wünsche erfüllt und somit die meisten Wählerstimmen bekommt, wenn sie garantiert, dass Schule für die "Kleinen" so leicht wie möglich ist. Dann haben die Eltern zu Hause nicht den so genannten Schulstress, die meisten bekommen das Abitur und alles ist in Ordnung?
    Man sollte erst einmal beweisen, dass diese Einschätzung der Politiker falsch ist. Mein bisheriger Eindruck, der durch Äußerungen entsteht, die ich von Privatpersonen, aber auch in den Medien mitbekomme, ist, dass diese Macher mit der Einschätzung leider richtig liegen.

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    Antwort auf "Auch ich bin es leid"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte CDU | CSU | Annette Schavan | Abitur | Herbst | Lehrer
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