Jugendliche: Gegen das Versagen der Eltern ist die Schule machtlos
Religion oder Migrationshintergrund machen Schüler nicht zu Problemfällen, schreibt Leser Markus Thulin. Als Lehrer hat er erlebt, dass Gewalt zu Hause entscheidend ist.
Nach meinem Studium habe ich als Vertretungslehrer das Fach Geschichte/Politik unterrichtet. In der 8. Klasse einer Hauptschule war ich für 30 Schülerinnen und Schüler zuständig. Einer der Jungs war 15 Jahre alt, groß und muskulös. Er hatte die Gesichtszüge eines Zehnjährigen. In diesem Artikel nenne ich ihn Justin.
Die ersten Wochen waren hart. Zahlreiche neue Eindrücke und Informationen überforderten mich. Ich kämpfte damit, konsequent zu sein. Manchmal merkte ich nicht, wenn ich mir widersprach und so Stück für Stück die Kontrolle verlor. Das hat sich mit der Zeit gebessert. Dennoch wurde Justins Art mit mir zu reden im zweiten Schulhalbjahr immer respektloser. Er untergrub meine Autorität, die ich in der Zwischenzeit gewonnen hatte.
Im März 2012 kam es zum Eklat: Zwei Wochen arbeitete Justin im Unterricht nicht mehr mit, verhielt sich jedoch ruhig. An einem Tag unterhielt er sich plötzlich lautstark mit anderen Schülern, hielt sie vom Arbeiten ab und verbreitete große Unruhe. Er stand von seinem Platz auf, ging durch die Klasse und weigerte sich, trotz meiner Aufforderung, den Raum zu verlassen. Ich musste den Unterricht unterbrechen. Ein Kollege kam mir zur Hilfe und holte Justin aus dem Klassenraum.
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Im anschließenden Gespräch mit der Schulleitung erzählte Justin, seine Mutter habe den alkoholabhängigen Vater aus der gemeinsamen Wohnung geworfen. Der Vater sei jedoch bei der Konfirmation seines jüngeren Bruders völlig betrunken aufgetaucht, habe seine Frau beschimpft und versucht, ihr zwischen die Beine zu fassen. Justin ging dazwischen. Er musste seine Mutter vor seinem eigenen Vater beschützen.
Das Unvermögen der Eltern
Kinder und Jugendliche werden nicht zu Problemfällen, weil sie einen Migrationshintergrund haben. Es spielt auch keine Rolle, welcher Religion sie angehören. Die Probleme der Jugendlichen erwachsen aus dem Unvermögen ihrer Eltern, ihnen Liebe und Zuneigung zu geben, sich um sie zu kümmern.
Die Schule kann nur wenig dazu beitragen, die Kinder auf ein eigenverantwortliches Leben vorzubereiten. Dreißig Stunden pro Woche reichen nicht aus, um einem Kind zu helfen, die Zurückweisung seiner Eltern zu verkraften, der Abhängigkeit oder der Gewalt zu entfliehen. Dabei spielt keine Rolle, ob es sich um eine Haupt- , eine Sekundar- oder eine Gesamtschule handelt.
Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Eltern muss verstärkt werden. Es wäre falsch, Justins Mutter oder sogar seinen Vater dazu zu verpflichten. Aber sie sollten Anreize bekommen, sich gemeinsam mit den Lehrern für ihre Kinder zu engagieren. Der beste Pädagoge ist machtlos, wenn seine Schüler zu Hause Opfer familiärer Gewalt werden.





Erst einmal danke an M.Weber, für die treffende Zusammenfassung der von mir genannten Argumente.Es hilft einem selbst den Überblick in einer langen Diskussion zu behalten :-)
@xila: Zum Thema Entwürdigung: Viele konstruieren sich hier das Bild eines Lehrers, der die Kinder über das häusliche Umfeld ausfragt, der Schüler auf Grund ihres Vornamens voreilig in eine Schublade steckt (Stichwort Chantalismus oder wie sie es nennen Kevinismus). Glauben Sie bitte nicht, dass ein Lehrer genügend Zeit und Kraft hat, um sich diesen unsinnigen Phantasien einiger Eltern hinzugeben. Wir arbeiten mit den Schülern, die wir vor uns haben und freuen uns über jeden , mit dem die Zusammenarbeit gelingt.
Die einzige Ungereimtheit im Artikel des Autors ergibt sich für mich aus seiner Sicht, die Eltern NICHT zur Zusammenarbeit verpflichten zu wollen.Leider vermitteln mir unzählige schlecht besuchte Elternabende, abgesagte Elterngespräche das Gefühl, dass genau diese Verpflichtung stattfinden MUSS. Als Klassenlehrer manche Eltern zwei oder drei Jahre nach Klassenübernahme auf Grund mangelnden Interesses überhaupt nicht kennengelernt zu haben ist einfach ein Unding.
wie jemand so völlig unbeeindruckt von der täglichen Realität in den Schulen (Plural, weil meine Erfahrungen aus mehreren Schulen stammen und nicht nur aus einer Klasse)solche Phrasen absondert.
Mit dieser Aussage: " Viele konstruieren sich hier das Bild eines Lehrers, der die Kinder über das häusliche Umfeld ausfragt, der Schüler auf Grund ihres Vornamens voreilig in eine Schublade steckt ... Glauben Sie bitte
nicht, dass ein Lehrer genügend Zeit und Kraft hat, um sich diesen unsinnigen Phantasien einiger Eltern unsinnigen Phantasien einiger Eltern hinzugeben. Wir arbeiten mit den Schülern, die wir vor uns haben und freuen uns über jeden , mit dem die Zusammenarbeit gelingt." disqualifizieren Sie sich als ernstzunehmender Diskutant.
Offensichtlich hat die Foristin Xila recht, dass ihr Bestreben vor allem in der Abwehr von Kritik am ach so unfehlbaren und vollkommenen "Lehrkörper" besteht.
wie jemand so völlig unbeeindruckt von der täglichen Realität in den Schulen (Plural, weil meine Erfahrungen aus mehreren Schulen stammen und nicht nur aus einer Klasse)solche Phrasen absondert.
Mit dieser Aussage: " Viele konstruieren sich hier das Bild eines Lehrers, der die Kinder über das häusliche Umfeld ausfragt, der Schüler auf Grund ihres Vornamens voreilig in eine Schublade steckt ... Glauben Sie bitte
nicht, dass ein Lehrer genügend Zeit und Kraft hat, um sich diesen unsinnigen Phantasien einiger Eltern unsinnigen Phantasien einiger Eltern hinzugeben. Wir arbeiten mit den Schülern, die wir vor uns haben und freuen uns über jeden , mit dem die Zusammenarbeit gelingt." disqualifizieren Sie sich als ernstzunehmender Diskutant.
Offensichtlich hat die Foristin Xila recht, dass ihr Bestreben vor allem in der Abwehr von Kritik am ach so unfehlbaren und vollkommenen "Lehrkörper" besteht.
Sicher gibt es das, aber häufiger werden Kinder zu vollkommen lebensunfähigen Wesen verwöhnt und verzogen. Essen, TV gucken Playstation - alle Arbeit und Anstrengung übernimmt Mutti.
Und auch wenn es nicht korrekt ist: Leider sind viele Kinder schon von Geburt zurückgeblieben - das hat häufig was mit Alkohol und bei Migranten gelegentlich mit Verwandtenehen zu tun. Alkohol und Drogenmissbrauch der Eltern sind besonders schlimm. Die ältesten Kinder sind noch einigermaßen beieinander, bei den jüngeren wirkt sich der längere Suff der Eltern dann noch fataler aus.
Woher das kommt, weiß ich nicht, aber der Augenschein spricht für sich - Traurig
müssten die probleme ja rückläufig sein
wie der alkoholkonsum im algemeinen
und zu den prinzen und prinzesschen:
da mitlerweile normalerweise beide elternteile arbeiten gehen bleibt da eigentlich keine zeit zum verziehen
nur die innere migration der kinder die nicht lärmen und toben sollen sondern vor tv und playstation ruhig sitzen
müssten die probleme ja rückläufig sein
wie der alkoholkonsum im algemeinen
und zu den prinzen und prinzesschen:
da mitlerweile normalerweise beide elternteile arbeiten gehen bleibt da eigentlich keine zeit zum verziehen
nur die innere migration der kinder die nicht lärmen und toben sollen sondern vor tv und playstation ruhig sitzen
müssten die probleme ja rückläufig sein
wie der alkoholkonsum im algemeinen
und zu den prinzen und prinzesschen:
da mitlerweile normalerweise beide elternteile arbeiten gehen bleibt da eigentlich keine zeit zum verziehen
nur die innere migration der kinder die nicht lärmen und toben sollen sondern vor tv und playstation ruhig sitzen
"Damit bin ich voll einverstanden, halte es in diesem Fall aber nicht für ganz zutreffend, da der Autor ja gerade seine Betroffenheit artikuliert."
Die Würde eines Menschen kann auch mit gutgemeinten Fehleinschätzungen verletzt werden, die aus einer aufrichtigen Betroffenheit heraus geschehen sind. Das Maß kann da einfach nicht der Sender sein, sondern immer nur der Empfänger.
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind ist es, das zum Objekt der Betroffenheit des Autors geworden ist (stellen Sie sich meinetwegen eine andere Problematik als die hier geschilderte vor, die Ihnen passender erscheint). Dann würde Ihnen das sofort bewußt werden, und Sie wären, egal, wie gut gemeint es ist, nicht damit einverstanden, wenn der Autor Reales mit Projektionen und bloßen Unterstellungen mischt.
Da ich in diesem Thread so kritisch war - mehr als sonst, aber mir wurde ja auch dauernd widersprochen ;-) -, möchte ich am Ende jetzt aber doch auch noch erwähnen, daß ich immerhin mit dem Ziel des Autors, nämlich dem Jungen zu helfen, völlig einverstanden bin und beiden wünsche, daß er es erreichen kann.
Leider werden solche Sinnsprüche durch die Realität ständig widerlegt.
Wir haben aus beruflichen Gründen Kontakt auch mit vielen muslimischen Familien. Dort sind genausoviel oder wenig Alkoholiker wie bei den Einheimischen zu finden. Mit all den schönen Begleiterscheinungen, wie regelmäßiges Verprügeln von Frau und Kindern und Unfallfahrten unter Alkoholeinfluss.
Bitte machen Sie doch die Augen auf, bevor Sie Dinge postulieren, die nun mal nicht stimmen.
Meine Frau und ich haben hier im eher ländlichen Raum mit vielen Schülern aus Haupt-, Realschule und Gymnasium zu tun. Wenn auch die Gegebenheiten in den Klassen nicht ganz so extrem ist, wie die von ihnen geschilderten, so sind doch vergleichbare Situationen auch hier die Regel.
Alleinerziehende Mütter, trinkende Väter, Mädchen die von ihren älteren Brüdern terrorisiert werden, weil sie diese genau so respektlos behandeln, wie ihre Mütter, Mütter, die kein Wort Deutsch verstehen und sich zuhause regelmäßig vom trinkenden Ehemann verprügeln lassen, Eltern, die aus finanziellen Gründen sich keine Nachhilfe für die Kinder leisten können usw. usw.
Dass diese Kinder schwierig sein können, wer hätte das gedacht.
Aber es ist eben nicht nur die häusliche Situtation, die hier Probleme bereitet. LehrerInnen mit offen geäußerter Abneigung gegen ausländische Schüler (machen sie mal was dagegen als Kind oder als Eltern aus einer Migrantenfamilie), LehrerInnen, die Zeitung lesen statt Unterricht zu halten, LehrerInnen die bestimmte Kinder "links liegen" lassen, Unterricht der regelmäßig ersatzlos ausfällt, Ganztagesschulen, in denen nachmittags Hausaufgabenbetreuung angeboten wird, die von "ahnungslosen" Eltern oder fachfremden Lehrkräften betreut wird mit entsprechendem Ergebnis, um nur einiges aus unserer tägliche Praxis anzuführen.
Herr Thulin beschreibt nur "eine" Situation, die zu Schulproblemen führt. Dafür einen Titel zu wählen, der verallgemeinernd die Eltern zu Schuldigen erklärt und der Schule keine Handlungsmöglichkeit und damit keine
Verantwortung zubilligt, halte ich nicht für gerechtfertigt. Problemfälle entstehen eben nicht nur durch häusliche Gewalt.
Aus dieser Sicht der Dinge ist der Artikel wenig hilfreich. Gerade von einem Lehrer hätte ich eine umfassenderer Betrachtungsweise für das "Fehlverhalten" von SchülerInnen erwartet.
Herr Thulin beschreibt nur "eine" Situation, die zu Schulproblemen führt. Dafür einen Titel zu wählen, der verallgemeinernd die Eltern zu Schuldigen erklärt und der Schule keine Handlungsmöglichkeit und damit keine
Verantwortung zubilligt, halte ich nicht für gerechtfertigt. Problemfälle entstehen eben nicht nur durch häusliche Gewalt.
Aus dieser Sicht der Dinge ist der Artikel wenig hilfreich. Gerade von einem Lehrer hätte ich eine umfassenderer Betrachtungsweise für das "Fehlverhalten" von SchülerInnen erwartet.
Herr Thulin beschreibt nur "eine" Situation, die zu Schulproblemen führt. Dafür einen Titel zu wählen, der verallgemeinernd die Eltern zu Schuldigen erklärt und der Schule keine Handlungsmöglichkeit und damit keine
Verantwortung zubilligt, halte ich nicht für gerechtfertigt. Problemfälle entstehen eben nicht nur durch häusliche Gewalt.
Aus dieser Sicht der Dinge ist der Artikel wenig hilfreich. Gerade von einem Lehrer hätte ich eine umfassenderer Betrachtungsweise für das "Fehlverhalten" von SchülerInnen erwartet.
"Vielleicht wäre es der beste Weg, solche positiven Beispiele gelungener pädagogischer Arbeit bewußt zu suchen und aus ihnen das mitzunehmen, was im eigenen Fall erfolgversprechend sein könnte?"
Ihre Idee ist sicher sinnvoller, als nur die Missstände zu dokumentieren und dann hilflos die Köpfe zu schütteln. Aus (positiven) Beispielen lernen, kann nicht der schlechtetst Weg sein.
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