Allerdings ist es unredlich, die Kosten als Argument für die Abschaffung des Sitzenbleibens heranzuziehen. Der Ansatz muss vielmehr ein pädagogischer sein: Das Ende des Sitzenbleibens ist ein Bekenntnis zu mehr Vertrauen – dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich lernen wollen. Damit einhergehen muss das Versprechen auf interessanten Unterricht, engagierte Lehrer – und darauf, schlechte Schüler zu motivieren und zu fördern.

Denn wenn Kinder mit sehr unterschiedlichen Niveaus in einer Klasse bleiben, ist die Gefahr groß, dass die starken sich langweilen und die schwachen abgehängt werden. Lehrer, die jeden fördern wollen, schaffen das nicht allein mit der richtigen Einstellung, sie brauchen Zeit. Mehr Lehrer kosten aber Geld.

Die Erfahrung in Hamburg zeigt das. Hier ist die Zahl der Kinder, die im Gymnasium nach der Beobachtungsstufe, also nach der sechsten Klasse, von der Schule fliegen, stark angestiegen. Denn danach können die Lehrer die Schüler, die nicht mitkommen, bis nach der zehnten Klasse nicht mehr loswerden. Zwar gibt es seit dem Wegfall der Ehrenrunde neue Mittel für Förderunterricht. Jede Klasse erhält zwei Förderstunden pro Woche. Die werden allerdings nicht besonders gut bezahlt und deshalb nur von Honorarkräften bestritten, die die Kinder nicht aus dem regulären Unterricht kennen. Für manche Schulen, zum Beispiel mit vielen Kindern, die schlecht Deutsch sprechen, ist das viel zu wenig.

Wenn Niedersachsen das Sitzenbleiben also abschafft, gibt es keinen Grund zum Jammern. Aber auch keinen Anlass zu Sparen.