ZEIT ONLINE: Frau Basby, Sie sind Lehrerin in einer Kleinstadt in Jütland – aber derzeit vom Schulbetrieb ausgesperrt. Die kommunalen Arbeitgeber fordern, dass Lehrer länger unterrichten. Darauf will sich die Gewerkschaft aber nicht einlassen. Wie geht es Ihnen dabei?

Malene Basby: Meine Kollegen und ich demonstrieren, so oft wir können. Wir Lehrer sind frustriert. Wir haben das Gefühl, die Regierung misstraut uns. Sie hält uns für faul, als würden wir nicht jetzt schon viel arbeiten. Und jeder glaubt zu wissen, wie die Arbeit eines Lehrers zu organisieren ist, nur weil er selbst einmal Schüler war.

ZEIT ONLINE: Halten auch die Menschen in Jütland die Lehrer für privilegiert und faul? Oder sind sie wütend, dass ihre Kinder nicht zur Schule gehen können?

Basby: Wütend sind nur sehr wenige. Ich habe den Eindruck, dass etwa die Hälfte uns misstraut und die andere Hälfte uns versteht. Diese Menschen unterstützen unseren Protest.

ZEIT ONLINE: Was machen die Familien, wenn die Kinder tagelang nicht zur Schule gehen?

Basby: Ich kenne viele, die sich sich ganz gut untereinander organisieren. Einen Tag nimmt eine Mutter oder ein Vater fünf Kinder zu sich, den nächsten Tag springt eine andere Familie ein. So muss jeder nur einen Tag statt fünf freinehmen. Andere haben Großeltern, die in der Nähe wohnen oder angereist kommen und die Betreuung übernehmen.

ZEIT ONLINE: Die dänischen Gesamtschulen sollen Ganztagsschulen werden. Wie wäre es für Sie persönlich, mehr Zeit in der Schule anwesend zu sein?