Die Elternfrage: Eigentlich bin der Meinung, dass meine Kinder mehr lernen, wenn sie die Hausaufgaben selbstständig bewältigen. Andere Eltern sind aber anderer Ansicht. Jetzt befürchte ich, dass meine Kinder schlechtere Noten haben, weil sie alles alleine machen. Sollen Eltern den Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder sie zumindest kontrollieren? Oder sich heraushalten?

Wer seinem Kind dauernd bei den Hausaufgaben hilft, kann eine ganze Menge falsch machen. Er erklärt den Stoff vielleicht anders als der Lehrer – und stiftet so Verwirrung. Oder er wird ärgerlich, wenn der Sprössling nicht spätestens beim zweiten Anlauf durchblickt. Das vergiftet aber nicht nur die Beziehung zum Kind, sondern fördert auch dessen Versagensangst. Vor allem aber gewöhnt er es an das Gefühl "Ohne Hilfe komme ich nicht voran!" – und erschwert ihm das Erlebnis "Das hab’ ich ganz alleine geschafft!". Beides untergräbt Selbstvertrauen und Experimentierfreude junger Menschen.

Schule ist ja nicht unser Beruf, sondern der unserer Kinder – also sind Hausaufgaben zunächst einmal deren Sache. Haben Eltern nicht alle Hände voll zu tun, das tägliche Brot, die je topaktuellen Klamotten, den gelegentlichen Urlaub zu verdienen oder den Haushalt zu aller Wohlbefinden zu managen?

Nun haben Hausaufgaben zwei Seiten: Die Schüler finden sie zwar einerseits lästig, andererseits sind sie etwas Kostbares: Wo sonst kann man das eigene Verständnis in Ruhe überprüfen oder neuen Lernstoff selbständig trainieren? Im Unterricht wendet man sich doch im Zweifelsfall immer sofort an den Nachbarn: "Du, wie geht das?"

Aber wie gesagt: Wichtigkeit bedeutet noch lange nicht Wohlgefühl. Wenn die Mathe-Aufgabe allzu lange klemmt, wenn einem zum Aufsatzthema kaum etwas einfällt, dann locken jede Menge kleine Fluchten: Hobby, Internet, Freunde oder einfach nur abhängen. Und jetzt kommen die Eltern doch ins Spiel.

Sie müssen nämlich einen Rahmen setzen: dafür sorgen, dass die Ablenkungen eine Zeit lang außen vor bleiben; sich darum kümmern, dass der Schularbeit eine bestimmte Zeit gewidmet wird. Noch besser wäre, wenn ein Erwachsener in der Nähe wäre, der auch etwas zu arbeiten hat und der bei Unklarheiten weiterhelfen kann: einen Recherche-Tipp geben, zu einem Erkundigungsanruf beim Klassenkameraden anregen. Die Ergebnisse zu kontrollieren ist Sache der Schule. Mutter oder Vater könnten sich jedoch für das neu Gelernte interessieren.