Schulfrage : Soll ich meinem Kind bei den Hausaufgaben helfen?

Sollen Eltern die Schulaufgaben kontrollieren? Oder schadet das eher? Der Lehrer Michael Felten rät in seiner Kolumne "Schulfrage": kümmern ja, helfen nur selten.
Hausaufgaben können ganz schön knifflig sein - Eltern sollten ihren Kindern dennoch nicht zu viel Arbeit abnehmen. © Jim Watson/AFP/Getty Images

Die Elternfrage: Eigentlich bin der Meinung, dass meine Kinder mehr lernen, wenn sie die Hausaufgaben selbstständig bewältigen. Andere Eltern sind aber anderer Ansicht. Jetzt befürchte ich, dass meine Kinder schlechtere Noten haben, weil sie alles alleine machen. Sollen Eltern den Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder sie zumindest kontrollieren? Oder sich heraushalten?

Wer seinem Kind dauernd bei den Hausaufgaben hilft, kann eine ganze Menge falsch machen. Er erklärt den Stoff vielleicht anders als der Lehrer – und stiftet so Verwirrung. Oder er wird ärgerlich, wenn der Sprössling nicht spätestens beim zweiten Anlauf durchblickt. Das vergiftet aber nicht nur die Beziehung zum Kind, sondern fördert auch dessen Versagensangst. Vor allem aber gewöhnt er es an das Gefühl "Ohne Hilfe komme ich nicht voran!" – und erschwert ihm das Erlebnis "Das hab’ ich ganz alleine geschafft!". Beides untergräbt Selbstvertrauen und Experimentierfreude junger Menschen.

Schule ist ja nicht unser Beruf, sondern der unserer Kinder – also sind Hausaufgaben zunächst einmal deren Sache. Haben Eltern nicht alle Hände voll zu tun, das tägliche Brot, die je topaktuellen Klamotten, den gelegentlichen Urlaub zu verdienen oder den Haushalt zu aller Wohlbefinden zu managen?

Nun haben Hausaufgaben zwei Seiten: Die Schüler finden sie zwar einerseits lästig, andererseits sind sie etwas Kostbares: Wo sonst kann man das eigene Verständnis in Ruhe überprüfen oder neuen Lernstoff selbständig trainieren? Im Unterricht wendet man sich doch im Zweifelsfall immer sofort an den Nachbarn: "Du, wie geht das?"

Michael Felten

(61) beantwortet auf ZEIT ONLINE Ihre Fragen zur Schule. Er hat eine Tochter und arbeitet seit über 30 Jahren als Gymnasiallehrer. Neben Erziehungsratgebern veröffentlichte er zahlreiche Beiträge zu Bildungsfragen. www.eltern-lehrer-fragen.de

Aber wie gesagt: Wichtigkeit bedeutet noch lange nicht Wohlgefühl. Wenn die Mathe-Aufgabe allzu lange klemmt, wenn einem zum Aufsatzthema kaum etwas einfällt, dann locken jede Menge kleine Fluchten: Hobby, Internet, Freunde oder einfach nur abhängen. Und jetzt kommen die Eltern doch ins Spiel.

Sie müssen nämlich einen Rahmen setzen: dafür sorgen, dass die Ablenkungen eine Zeit lang außen vor bleiben; sich darum kümmern, dass der Schularbeit eine bestimmte Zeit gewidmet wird. Noch besser wäre, wenn ein Erwachsener in der Nähe wäre, der auch etwas zu arbeiten hat und der bei Unklarheiten weiterhelfen kann: einen Recherche-Tipp geben, zu einem Erkundigungsanruf beim Klassenkameraden anregen. Die Ergebnisse zu kontrollieren ist Sache der Schule. Mutter oder Vater könnten sich jedoch für das neu Gelernte interessieren.

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

meine vietnamesischen Freunde

sagen immer, wenn ihre Kinder mal einen Motivationshänger haben, wollt ihr so faul werden wie die Deutschen?
Die beiden Kinder gehen beide aufs Gymnasium und stehen 1,0 in jedem Fach. Sie arbeiten täglich bis in den späten abend. Auch samstags und sonntags. Immer wieder motiviert, wie im Leistungssport, den anderen, vor allem den Deutschen haushoch überlegen sein, das spornt an.
In Zukunft will man dann auch die Spitzenjobs bekommen. Das ist schon so in den Köpfen und Herzen meiner Freunde ganz fest verwurzelt.
Ich selber habe meine Zweifel. Die Kinder brauchen doch auch mal Freizeit. An der Familie erkennt man auch den Erfolg, zwei Mietshäuser und sechs kleinere Handelsfirmen.
Angefangen haben meine vietnamesischen Freunde als Vertragsarbeiter vor über 27 Jahren, dann Zigarettenhändler, dann Import-Export usw.. Jetzt sind sie Millionäre. Diese Motivationskraft übertragen sie auf die Kinder.

..und Verhätscheln sollte verboten werden

Kinder sind leistungsfähiger als man denkt - insbesondere dann, wenn es gar nicht in Frage steht, ob etwas gemacht wird und die Familie dieses Leistungsdenken auch vorlebt. Hausaufgaben dienen der Verfestigung des Stoffes - egal welchen Weichspül-BlaBla man darum herum redet. Stoffwiederholungen in den Ferien tun das übrigens auch und mit nur einer Stunde an Tagen, an denen nichts besonderes ist, kann das auch in schöne Ferien problemlos integriert werden - oder?
BTW: Die allermeisten Selbständigen und Führungskräfte arbeiten mehr als 8-10 Stunden und nehmen sich selbstverständlich Arbeit noch für nachts/WoE mit heim. Wenn wir von unseren Kindern nichts verlangen, erziehen wir sie alle zu einer tollen Angestelltenmentalität, daß man selber nie für Ergebnisse verantwortlich ist und eh die anderen einem das nicht richtig erklärt haben etc...- wohin soll unser Land sich entwickeln?