Die Elternfrage: Manche Kinder und Jugendliche bekommen Geld für Einsen und Zweien. Finden Sie das eine gute Art der Belohnung? Wenn ja, wie viel wäre angemessen? Wenn nicht, wie kann man die Kinder am besten belohnen?

Ich würde die Frage anders stellen: Sind "Einsen und Zweien" nicht schon Belohnung genug? Bräuchte ein junger Mensch nicht eher bei schlechten Noten Aufmunterung, zur Not auch finanzielle? Aber dann würden Sie wohl einwenden, das wäre das falsche Signal, an die Faulen und Bequemen.

Erwachsene unterschätzen vielfach zweierlei: Dass Kinder erstens grundsätzlich gerne lernen – dabei aber häufig ermutigt sein wollen. Und dass sie zweitens für Ihre Mühen eigentlich keine Belohnung erwarten – aber unbedingt Anerkennung. Und zwar nicht nur bei Erfolg (eine Eins oder Zwei belohnt doch von selbst), sondern vor allem bei mäßiger Bilanz oder wenn sie mal scheitern. Denn: Wie viel ehrlichen Aufwand mag doch der eine Schüler für eine Vier betrieben haben, wo dem anderen die Zwei nur so in den Schoß fiel. Wäre da nicht jeder Tarif höchst ungerecht?

Aber eine Münze oder ein Geldschein kosten Eltern eben oft weniger als die ruhige Viertelstunde, in der sie gemeinsam mit dem Kind seine Arbeit würdigen: den Deutschaufsatz durchlesen, die Mathearbeit studieren, sich diese Stelle erklären lassen, jene Formulierung bestaunen, die ganze Vorbereitung anerkennen; eine Idee eventuell noch weiterspinnen, ein Thema vielleicht auch am Familientisch aufgreifen. Und genau das fehlt heute vielen Kindern: Dass ihre Eltern genug ruhige Zeit für sie haben, und dass ihr Beruf (das Lernen) unsere Aufmerksamkeit hat – und nicht nur ihre Erfolge.

Geld und Freundschaft vertragen sich schlecht, Geld und Lernen auch nicht. Wer gute Noten mit Geld honoriert, korrumpiert das Lernmotiv: den Wunsch weiterzukommen, das Glück des Könnens. Eltern heizen damit die Fokussierung auf Noten unnötig an. Außerdem bestrafen sie die weniger erfolgreichen doppelt: Die müssen jetzt nicht nur die enttäuschende Note verkraften, sie können sich noch nicht mal ein Frusteis oder eine Trost-CD extra gönnen.

Wenn Erwachsene im Berufsleben befördert werden, schenkt man ihnen auch nichts Zusätzliches – vielmehr geben sie den Kollegen einen aus. Nun, bei Kindern ist das anders, sie haben kein Taschengeld in Gehaltshöhe. Deshalb könnten Mutter oder Vater doch ab und zu sagen: "Toll, diese Arbeit, wir freuen uns alle mit dir. Wollen wir nicht mal zusammen essen, in den Zoo, ins Kino, ins Konzert gehen?" Oder: "Mensch, das war ja jetzt ein Schlag für dich. Wie wär's als Trost mit einem gemeinsamen Ausflug?" Natürlich nicht für jede Eins oder Fünf. Sonst müssten die Eltern ja noch mehr Überstunden machen – und hätten noch weniger Zeit für ihren Nachwuchs.

Bleibt vielleicht die Frage, wie denn junge Menschen ihr Taschengeld aufstocken können, wenn es kein Notengeld gibt. Nun, sie könnten es sich erarbeiten. Natürlich nicht durch das hoffentlich selbstverständliche "Ämtchen" im Haushalt. Aber es gibt besondere Formen der Mithilfe in Familie oder Nachbarschaft, irgendwo zwischen Autowäsche und Altenlesestunde. Dann müssten Jugendliche auch nicht länger das Gefühl haben, nur Wissen für später zu pauken und ansonsten nicht gebraucht zu werden. Sie könnten sich schon jetzt als wichtigen Teil der Gemeinschaft fühlen.