SchulfrageEuros für die Mathe-Eins?

Was sollten Eltern ihren Kindern für gute Noten geben? Der Lehrer Michael Felten rät in seiner Kolumne "Schulfrage" zu mehr Anerkennung statt zu einer Belohnung. von Michael Felten

Die Elternfrage: Manche Kinder und Jugendliche bekommen Geld für Einsen und Zweien. Finden Sie das eine gute Art der Belohnung? Wenn ja, wie viel wäre angemessen? Wenn nicht, wie kann man die Kinder am besten belohnen?

Ich würde die Frage anders stellen: Sind "Einsen und Zweien" nicht schon Belohnung genug? Bräuchte ein junger Mensch nicht eher bei schlechten Noten Aufmunterung, zur Not auch finanzielle? Aber dann würden Sie wohl einwenden, das wäre das falsche Signal, an die Faulen und Bequemen.

Erwachsene unterschätzen vielfach zweierlei: Dass Kinder erstens grundsätzlich gerne lernen – dabei aber häufig ermutigt sein wollen. Und dass sie zweitens für Ihre Mühen eigentlich keine Belohnung erwarten – aber unbedingt Anerkennung. Und zwar nicht nur bei Erfolg (eine Eins oder Zwei belohnt doch von selbst), sondern vor allem bei mäßiger Bilanz oder wenn sie mal scheitern. Denn: Wie viel ehrlichen Aufwand mag doch der eine Schüler für eine Vier betrieben haben, wo dem anderen die Zwei nur so in den Schoß fiel. Wäre da nicht jeder Tarif höchst ungerecht?

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Aber eine Münze oder ein Geldschein kosten Eltern eben oft weniger als die ruhige Viertelstunde, in der sie gemeinsam mit dem Kind seine Arbeit würdigen: den Deutschaufsatz durchlesen, die Mathearbeit studieren, sich diese Stelle erklären lassen, jene Formulierung bestaunen, die ganze Vorbereitung anerkennen; eine Idee eventuell noch weiterspinnen, ein Thema vielleicht auch am Familientisch aufgreifen. Und genau das fehlt heute vielen Kindern: Dass ihre Eltern genug ruhige Zeit für sie haben, und dass ihr Beruf (das Lernen) unsere Aufmerksamkeit hat – und nicht nur ihre Erfolge.

Michael Felten
Michael Felten

(61) beantwortet auf ZEIT ONLINE Ihre Fragen zur Schule. Er hat eine Tochter und arbeitet seit über 30 Jahren als Gymnasiallehrer. Neben Erziehungsratgebern veröffentlichte er zahlreiche Beiträge zu Bildungsfragen. www.eltern-lehrer-fragen.de

Geld und Freundschaft vertragen sich schlecht, Geld und Lernen auch nicht. Wer gute Noten mit Geld honoriert, korrumpiert das Lernmotiv: den Wunsch weiterzukommen, das Glück des Könnens. Eltern heizen damit die Fokussierung auf Noten unnötig an. Außerdem bestrafen sie die weniger erfolgreichen doppelt: Die müssen jetzt nicht nur die enttäuschende Note verkraften, sie können sich noch nicht mal ein Frusteis oder eine Trost-CD extra gönnen.

Wenn Erwachsene im Berufsleben befördert werden, schenkt man ihnen auch nichts Zusätzliches – vielmehr geben sie den Kollegen einen aus. Nun, bei Kindern ist das anders, sie haben kein Taschengeld in Gehaltshöhe. Deshalb könnten Mutter oder Vater doch ab und zu sagen: "Toll, diese Arbeit, wir freuen uns alle mit dir. Wollen wir nicht mal zusammen essen, in den Zoo, ins Kino, ins Konzert gehen?" Oder: "Mensch, das war ja jetzt ein Schlag für dich. Wie wär's als Trost mit einem gemeinsamen Ausflug?" Natürlich nicht für jede Eins oder Fünf. Sonst müssten die Eltern ja noch mehr Überstunden machen – und hätten noch weniger Zeit für ihren Nachwuchs.

Die Schulfrage

Welche Schule ist die richtige? Wie rede ich mit dem Lehrer? Schlechte Noten? Keine Motivation? Wir sammeln Fragen von Eltern und Schülern zur Schule! Der Gymnasiallehrer Michael Felten antwortet. Wenn Sie selbst eine Frage stellen möchten, schreiben Sie sie bitte unten in den Kommentarbereich des Artikels oder schicken Sie eine Mail an schulfrage@zeit.de

Bleibt vielleicht die Frage, wie denn junge Menschen ihr Taschengeld aufstocken können, wenn es kein Notengeld gibt. Nun, sie könnten es sich erarbeiten. Natürlich nicht durch das hoffentlich selbstverständliche "Ämtchen" im Haushalt. Aber es gibt besondere Formen der Mithilfe in Familie oder Nachbarschaft, irgendwo zwischen Autowäsche und Altenlesestunde. Dann müssten Jugendliche auch nicht länger das Gefühl haben, nur Wissen für später zu pauken und ansonsten nicht gebraucht zu werden. Sie könnten sich schon jetzt als wichtigen Teil der Gemeinschaft fühlen.

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Leserkommentare
  1. in seinem Buch "Freakonomics" hat der recht angesehene Ökonom Steven Levitt (vom MIT) u.a. genau diese Frage überprüft - mit dem Ergebnis, daß finanzielle Anreize bei Schülern erstaunlich gut funktionieren (die Höhe des Betrages war übrigens relativ egal).

    Ob dies auf hiesige Schulen übertragbar ist (und ob die Studie überhaupt hieb- und stichfest war), weiß ich aber nicht zu sagen.

    2 Leserempfehlungen
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    Bei der in "Freakonomics" beschriebenen Studie, gab (wenn ich mich recht erinnere), die Schule Kindern aus sozial schwachen Familien (deren Eltern sich wahrscheinlich nicht immer allzu sehr für Noten interessierten) Geld für gute Ergebnisse.

    Ich denke, dies etwas ganz anderes, als wenn hoch bildungsmotivierte Eltern versuchen, ihre Kinder mit Geld zu besseren Noten anzuspornen.

    Das Geld bewirkt wahrscheinlich dann am ehesten etwas, wenn es dazu führt, dass es in der Schule "cool" (und nicht "streberhaft") wird, sich für die Noten anzustrengen. Dafür kann es aber nicht individuel von einzelnen Eltern nur für ihre Kinder kommen.

  2. Bei der in "Freakonomics" beschriebenen Studie, gab (wenn ich mich recht erinnere), die Schule Kindern aus sozial schwachen Familien (deren Eltern sich wahrscheinlich nicht immer allzu sehr für Noten interessierten) Geld für gute Ergebnisse.

    Ich denke, dies etwas ganz anderes, als wenn hoch bildungsmotivierte Eltern versuchen, ihre Kinder mit Geld zu besseren Noten anzuspornen.

    Das Geld bewirkt wahrscheinlich dann am ehesten etwas, wenn es dazu führt, dass es in der Schule "cool" (und nicht "streberhaft") wird, sich für die Noten anzustrengen. Dafür kann es aber nicht individuel von einzelnen Eltern nur für ihre Kinder kommen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Keiner Literaturtip:"
  3. erstaunliche positive Auswirkungen. Der Haken an der Sache: Wenn die Belohnung wegfällt ist die Begeisterung und Motivation für z.B. Mathematik noch niedriger als vor dem Einsetzen von Belohnungen. Das liegt daran, dass interne Motivationen durch externe ersetzt werden können. Ein gut bekanntes Phänomen aus der Sozialpsychologie. Daher nicht nur unsinnig sonder auch gefährlich.

    7 Leserempfehlungen
  4. Aufmerksamkeit und ehrliches Lob sind tausendmal mehr Wert als Geld.

    Was man aber noch berücksichtigen sollte ist schlicht die Leistungsfähigkeit des Kindes.
    Wenn mein Kind eher im 3er bis 4er Bereich unterwegs ist, dann wäre eine 1 für mich schon ein Anlass, etwas springen lassen.

  5. ...am Ende muss jeder doch sehen, wie er seine Kinder zum Lernen motiviert.
    Die Einen haben Ehrgeiz, weil sie glänzen wollen, die Nächsten aus reinem Interesse und wiederum Anderen ist alles herzlich egal, da sie sowieso nicht ahnen, wozu das alles gut sein soll. Hier setzt der Gedanke der finanziellen Belohnung doch an... als eine Möglichkeit von vielen, wenigstens einigermassen erfolgreich durch die Schulzeit zu kommen und damit später auch bessere Berufschancen zu haben (die in unserer Gesellschaft am GEHALT festgemacht ist.)
    Wer Geldbelohnung als Dogma und absolute Grundlage seiner Erziehung ansetzt kann einem nur leidtun aber als Ergänzung finde ich es gut.

    Hand aufs Herz, jede Beförderung im Berufsleben hat doch auch einen finanziellen Hintergrung.

  6. ... interessiert sich kein Mensch mehr für die Noten aus der Schulzeit (sowie aus dem Studium). Den Traumjob bekommt man ohne Beziehungen ohnehin nicht und eine Klitsche, die durchschnittliche Absolventen nimmt, findet man immer. Von daher sollte man Noten nicht zu ernst nehmen und seinen Kindern lieber eine angenehmere Schulzeit gönnen.

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    • wd
    • 27. Mai 2013 21:18 Uhr

    Beispiel 1: Der Zoll fragt nach Zeugnissen ab der 1. Klasse bei der Einstellung. (Beschwören kann ich es nicht, die Mutter frug nur ob Grundschulen noch nach 20 Jahren die Daten bereit hätten. Zeugnisse gingen verloren.)
    Beispiel 2 (alt): Die Flugsicherung wollte die Zeugnisse der letzten beiden Schuljahre der allgemein bildenden Schule und alle Semesterzeugnisse der damaligen Ingenieurakademie sehen. (Nicht eingeschickt. Die Bezahlung dort war damals zu schlecht.)
    Beispiel 3: Der Bewerber wurde abgelehnt, weil die Firma prinzipiell auch nach erfolgreicher anderer Berufsausbildung Leute einstellt, die einen Notendurchschnitt von mindestens 3 im letzten Zeugnis der allgemein bildenden Schule haben. 3,1 reichte nicht. (Der „Schüler“ besuchte mit 27 Jahren noch einmal einen zweijährigen Kurs zum Erreichen des so genannten „erweiterten“ Abschlusses.)
    Ob Bezahlung die richtige Methode ist bezweifele ich.

    • wd
    • 27. Mai 2013 21:18 Uhr

    Beispiel 1: Der Zoll fragt nach Zeugnissen ab der 1. Klasse bei der Einstellung. (Beschwören kann ich es nicht, die Mutter frug nur ob Grundschulen noch nach 20 Jahren die Daten bereit hätten. Zeugnisse gingen verloren.)
    Beispiel 2 (alt): Die Flugsicherung wollte die Zeugnisse der letzten beiden Schuljahre der allgemein bildenden Schule und alle Semesterzeugnisse der damaligen Ingenieurakademie sehen. (Nicht eingeschickt. Die Bezahlung dort war damals zu schlecht.)
    Beispiel 3: Der Bewerber wurde abgelehnt, weil die Firma prinzipiell auch nach erfolgreicher anderer Berufsausbildung Leute einstellt, die einen Notendurchschnitt von mindestens 3 im letzten Zeugnis der allgemein bildenden Schule haben. 3,1 reichte nicht. (Der „Schüler“ besuchte mit 27 Jahren noch einmal einen zweijährigen Kurs zum Erreichen des so genannten „erweiterten“ Abschlusses.)
    Ob Bezahlung die richtige Methode ist bezweifele ich.

    Antwort auf "Später..."
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    Ein Zeugnis schlechter als 3,0 ist schon ein wahres Kunststück! Mit ein wenig Aufwand sollten bessere Noten möglich sein. Was wollen Sie mir mit dem Zoll und der Flugsicherung sagen? Dass man seine Zeugnisse lange aufbewahren soll?
    Ich bleibe bei meiner Aussage: Gute Noten führen in der Regel nicht zum Traumjob! Ich kenne genügend, die mit Ach und Krach durch die Uniklausuren durchkamen und es sich heute bei den begehrten Firmen eingerichtet haben. Im Berufsleben zählen nur Beziehungen und die Fähigkeit zur Selbstdarstellung, aber garantiert keine Noten. Diejenigen, die gute Noten hatten, promovieren nach 3 Jahren immer noch und können froh sein, einen vernünftigen Job zu erhalten und nicht die üblichen Ausreden (überqualifiziert, Theoretiker, zu teuer, blablabla) anhören zu müssen.

  7. Moin,

    da MUSS ich doch meinen Senf dazugeben. Ich habe damals, in grauer, oder eher schwarz-weisser, Vorzeit für Einser immer etwas bekommen. Waren so 50 Pfennig, mit großer Geste (die war mir wichtig!), Prüfung des Ergebnisses und Nachkontrolle ob der Lehrer auch keine Fehler übersehen hatte.
    Das Lob war mir wichtig, und auch das Erfolgs-Gefühl.
    Die Belohnung war aber schon ins knappe Taschengeld einkalkuliert (meistens zum Schnucken :-).
    Daher beides, Grosses Lob und kleines Extra! (Wenn verdient!)
    Aber bitte nicht den ganzen Tag noch den Schultag durchkauen ("eine Idee eventuell noch weiterspinnen, ein Thema vielleicht auch am Familientisch aufgreifen").
    Erwachsene mögen es spannend finden, den ganzen Tag mit Arbeit zuzubringen, und dann noch Abends darüber zu reden, Kinder nicht.

    CU

    (Hamburg einen ganzen Tag ohne Regen, wow!)

    2 Leserempfehlungen
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    ... für ihren Beitrag. Ist es doch mal einer aus dem echten, gelebten und nicht nur theoretischen Leben.

    Für mich spricht daraus, dass sich Ihre Eltern nicht von irgendwelchen schlauen Erziehungsbüchern/- tips haben verrückt machen lassen, sondern vielerlei Möglichkeiten der Motivation mit einfliessen lassen haben... und Sie wirken recht entspannt und zufrieden.

    MfG

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  • Serie Schulfrage
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeit | Eltern | Erwachsene | Freundschaft | Geld | Haushalt
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