Arbeitslosigkeit : Tausende Lehrer vor Sommerferien ohne Job

Mit einem Trick sparen viele Länder Schulkosten: Jedes Jahr erhalten angestellte Lehrer nur befristete Verträge und müssen für den Sommer Arbeitslosengeld beantragen.

Die Sommerferien bedeuten für Tausende befristet angestellte Lehrer nicht nur banges Warten auf einen neuen Vertrag, sondern auch ein Leben mit Unterstützung des Arbeitsamts. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, beantragen viele von ihnen in den Sommermonaten Arbeitslosengeld I oder – wegen nicht ausreichender Ansprüche aus der Arbeitslosenversicherung – kurzzeitig Hartz IV.

Die Zeitung beruft sich auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA), wonach sich in den Sommerferienmonaten 2012 bundesweit 5.400 Lehrer zusätzlich arbeitslos gemeldet haben. 

Spitzenreiter 2012 war demnach Baden-Württemberg, wo im vergangenen August enorm viele zusätzliche arbeitslose Lehrer gemeldet waren. Die entsprechende Zahl stieg laut der BA-Statistik um 1.400 Prozent. Auch in Rheinland-Pfalz, Bayern oder Hessen war das Phänomen verbreitet.

GEW: "Dies ist ein Skandal"

In einer Analyse der Behörde heiße es: Hauptursache für diesen "sprunghaften Anstieg der Arbeitslosigkeit" sind befristet geschlossene Verträge mit nicht verbeamteten Lehrkräften, bei denen die Sommerferien ausgespart bleiben. Nach Ende der Ferien würden sich die Zahlen wieder normalisieren. 

Dieser Trend ist laut SZ seit Jahren auffällig. Bereits 2001 hatte der Bundesrechnungshof kritisiert, Länder würden sich "eines Teils ihrer Arbeitgeberverpflichtungen zulasten des BA-Haushalts entledigen".

Ilse Schaad, Vorstandsmitglied in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hält dies "für einen Skandal". "Die Arbeitslosenversicherung ist nicht dafür da, Lehrer im Juli oder August zu bezahlen", wird sie in dem Bericht zitiert. Demnach gebe es in vielen Schulen am Anfang des Schuljahres "Notstundenpläne", weil noch nicht alle Lehrer mit neuen befristeten Verträgen wieder eingestellt wurden.

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