Schulsponsoring : Das Schulbuch als Werbeplattform

Infohefte von der Sparkasse, Genlabore vom Saatguthersteller: Schulen kooperieren gerne mit Sponsoren. Doch manchmal überwiegt die Werbung – und nicht die Förderung.

Fitte Kinder essen Zwieback. Das zumindest vermitteln die Unterrichtshefte Bewegte Pause – Aktiv und fit in Schule und Freizeit der Firma Brandt. Fachlichen Inhalt aber enthalten die Materialien zur Bewegungsförderung von Grundschulkindern kaum. Und auch in den Spieleanleitungen kommt man nicht um das Gebäck herum. "Mangelhaft" lautet darum die Gesamtbewertung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv).

350 von Unternehmen gesponserte Lehrmaterialien hat der vzbv bisher auf ihre inhaltliche, didaktische und gestalterische Qualität geprüft und in einem sogenannten Materialkompass gesammelt. Doch angesichts der fast 900.000 kostenlosen Lernmaterialien, die eine wissenschaftliche Studie der Universität Augsburg im Jahr 2012 zählte, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein.

Themen wie Ernährung, Sparen oder Energie – Wirtschaftsverbände und Unternehmen sind inzwischen an Schulen omnipräsent. Schon die Pisa-Studie von 2006 fand heraus, dass sie in Deutschland 87 Prozent der Lehrinhalte beeinflussen. Auch die ZEIT  bietet Lehrern Unterrichtsmaterialien an.

Bildungsförderung schreiben sich die Firmen auf die Fahnen. Die Idee: Als externer Sponsor fördern sie die Schule und erhalten im Gegenzug Raum für Imagewerbung. Im Idealfall profitieren beide Seiten von dem Geschäft.

Doch können Lehrer – und vor allem Schüler – immer einschätzen, ob externe Materialien  einseitig sind? Den Lehrern fehlt es zudem häufig an Zeit und Ressourcen, um im Zweifelsfall eigene Unterrichtsmaterialien zusammenzustellen. Und eine Schule, die etwa ein hochmodernes Biotechnologie-Labor kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, wird selten ablehnen.

Wann die Förderung aufhört und die Lobbyarbeit überwiegt, sollten eigentlich die Kultusministerien der Länder oder die Schulen selbst entscheiden und bedenkliche Unterstützung aussieben. Doch die Definition darüber, welche Materialien eher schaden, ist oft schwammig. In einem Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums etwa heißt es: "Zuwendungen, die mit einem Werbeeffekt verbunden sind (Werbung, Sponsoring) können entgegengenommen werden, wenn der Werbeeffekt hinter dem pädagogischen Nutzen deutlich zurückbleibt."

Schüler sind eine große Käuferschicht

Fakt ist, dass Deutschlands Schulen ohne Sponsoring kaum noch über die Runden kommen. Das Geld ist knapp, Lehrmaterialien sind darum oft veraltet.

Richtig ist aber auch: Kinder und Jugendliche sind meist unerfahren im Umgang mit der Meinungsmache und bilden gleichzeitig eine wichtige Käuferschicht. Auf 20 Milliarden Euro beläuft sich die jährliche Kaufkraft von Schülern zwischen sechs bis 19 Jahren nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Eine wichtige Zielgruppe. So sind 16 der 20 umsatzstärksten deutschen Unternehmen aktuell an der Produktion von Schulmaterialien beteiligt.

"Heute versuchen alle, auf die Schule Einfluss zu nehmen", sagt Felix Kamella vom Verein Lobbycontrol, der das Diskussionspapier "Lobbyismus an Schulen" verfasst hat. Über Lernhefte, Informationsveranstaltungen oder Vorträge bekomme die freie Wirtschaft ihren Fuß in die Tür der Schulen und habe die Garantie auf 45 Minuten ungeteilte Aufmerksamkeit.

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