Das Berliner Verwaltungsgericht hat entschieden, dass Schüler keinen Anspruch auf Unterricht mit wenig Einwandererkindern haben: Die Eltern von drei Schülern in Berlin-Neukölln scheiterten mit ihrer Klage, in der sie die schlechten Noten ihrer Kinder mit der Zusammensetzung der Klasse begründet hatten. Der Anteil der Schüler, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sei zu hoch gewesen. Deshalb seien die Leistungen der drei Kläger-Kinder so schlecht gewesen, deshalb seien sie im ersten Probejahr vom Gymnasium geflogen.

Heinz Buschkowski, der bekannte und umstrittene Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, griff den Fall in seiner Kolumne in der Bild-Zeitung auf. Natürlich war für ihn vor allem ein Thema, dass die Kläger-Eltern ebenfalls einen Migrationshintergrund haben "Migrant wird durch die Anwesenheit eines anderen Migranten diskriminiert?", frotzelte er. Haha.

Dabei geht es darum gar nicht. Es geht darum, nach welchen Kriterien Schulen ihre Klassen zusammenstellen. In Stadteilen wie Neukölln gibt es Schulen, die fast nur von Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden. Dort haben Schulleiter wenig Spielraum.

Am  Leonardo-da-Vinci-Gymnasium aber, der Schule der drei besagen Schüler, ist der Migrantenanteil mit 36 Prozent eher gering. Trotzdem landeten die drei Schüler in einer Klasse, in der zwei Drittel einen sogenannten Migrationshintergrund hatten. In einer der Parallelklassen betrug der Anteil dagegen nur 13 Prozent.

Die Schulleitung des Leonardo-da-Vinci-Gymnasiums erklärt die unausgewogene Zusammensetzung ihrer Schulklassen einerseits mit der Organisation einiger Schulfächer, was natürlich legitim ist. Andererseits aber mit den "sozialen Beziehungen der Schüler". Sprich: Migranten werden zu Migranten gesetzt. Verstehen sich ja sowieso besser. Eine solche Klassifizierung nach Ethnie ist unerträglich.

Doch die verordnete Segregation findet nicht nur auf dem Da-Vinci-Schulhof statt. Neukölln, als neuer Berliner Szenebezirk, wird für mehr und mehr Eltern ohne Migrationshintergrund zur Wahlheimat. Bei der Schulwahl für ihre Kinder aber suchen sie gern das Weite. Und so signalisieren Schulverwatungen und Politiker, Herr Buschkowski und Hipster-Eltern ganz deutlich: Wir wollen nichts mit den vermeintlich leistungsschwachen Migrantenkindern zu tun haben.

Diese Attitüde hat mit dem deutschen Bildungssystem, das bekanntlich früh in gute Schüler und schlechte Schüler aussortiert, erst einmal wenig zu tun. Die Frage, ob in Deutschland Schüler wegen ihrer Herkunft im Vorhinein schon abgestempelt werden, ist durchaus berechtigt.

Die Bundesländer müssen dafür sorgen, dass – bei allen organisatorischen Zwängen – die Schulklassen in der Bildungsrepublik Deutschland ausgewogen zusammengestellt werden. Denn jeder Schüler, unabhängig von Sprachkenntnissen, Leistungsfähigkeit, sozialem Status oder Herkunft, hat einen Anspruch auf gemeinsames, gemischtes, gerechtes Lernen.