Schülerinnen und Schüler in Deutschland liegen mit ihren Leistungen im internationalen Schulleistungstest Pisa das erste Mal in allen Bereichen über dem Durchschnitt der teilnehmenden Länder. Das Programme for International Student Assessment der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) überprüfte 2012 zum fünften Mal die Fähigkeiten 15-Jähriger in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Der Schwerpunkt lag auf Mathematik.   

Die besten Ergebnisse erzielte in allen drei Bereichen Shanghai: mit einer mittleren Punktzahl von 613 in Mathematik, 570 im Bereich Lesekompetenz und 580 im Bereich Naturwissenschaften. Das entspricht je nach Bereich einem mehrjährigen Lernvorsprung gegenüber dem Durchschnitt. Auch Singapur, Hongkong, Taipeh, Korea, Macau (China), Japan, Liechtenstein, die Schweiz und die Niederlande sind in der Spitzengruppe.

Mit durchschnittlich 514 Punkten erzielten die deutschen Schüler in Mathematik 20 Punkte mehr als der OECD-Durchschnitt, das entspricht einem Vorsprung von etwa einem halben Schuljahr. Im Vergleich zu 2003 ist das Ergebnis um elf Punkte besser. Vor allem leistungsschwache und sozial benachteiligte Schüler schnitten 2012 besser ab als noch 2003.


18 Prozent der Schüler in Deutschland erreichen in Mathematik weniger als Level 2, können also nur einfache Formeln und Schritte zur Lösung einer Aufgabe anwenden. Vor zehn Jahren waren es beinahe 22 Prozent. Die Jungen erzielten durchschnittlich 14 Punkte mehr als die Mädchen. Seit 2003 hat sich dieser Abstand ausgeweitet, damals betrug er neun Punkte.   

Die Lesekompetenz entwickelt sich stabil

Im Bereich Lesekompetenz erreichten deutsche Schüler durchschnittlich 508 Punkte, zwölf mehr als der Länderdurchschnitt von 496 Punkten. Deutschlands Durchschnittsergebnis beim Lesen hat sich seit dem ersten Pisa-Test stetig verbessert, von 484 im Jahr 2000 auf 496 im Jahr 2009, als der Schwerpunkt jeweils auf der Lesekompetenz lag.

In der Gruppe ohne grundlegende Lesekompetenz (unterhalb Niveau 2) sind 2012 noch 14 Prozent der Schüler, acht Prozentpunkte weniger als im Jahr 2000. Und selbst bei den leistungsschwächsten zehn Prozent der Schüler gibt es Fortschritte: sie erreichten 2012 fast 50 Punkte mehr als die entsprechende Gruppe im Jahr 2000.

In den Naturwissenschaften erzielten die deutschen Schüler im Durchschnitt 524 Punkte, das liegt über dem Mittelwert und entspricht den Ergebnissen von Australien, Kanada, Irland, Liechtenstein, Macau (China), den Niederlanden, Polen, Taipeh und Vietnam.

Noch immer schlechte Chancen für benachteiligte Kinder

Die Unterschiede zwischen den Schülern sind in Deutschland zu 17 Prozent auf den sozio-ökonomischen Status der Schüler zurückzuführen. Das liegt noch immer über dem Länderdurchschnitt von 15 Prozent, ist aber eine deutliche Verbesserung zu 2003, damals waren es 24 Prozent. Sozio-ökonomisch begünstigte Schüler erzielen 2012 noch 43 Punkte mehr als benachteiligte Klassenkameraden. Im Länderdurchschnitt liegt der Unterschied bei 39 Punkten. 

Ein ähnliches Bild bietet sich für Schüler mit Migrationshintergrund: Lagen ihre Matheergebnisse im Jahr 2003 noch 81 Punkte unter denen von Schülern ohne Migrationshintergrund, so verringerte sich der Abstand 2012 auf 54 Punkte (was knapp anderthalb Schuljahren entspricht). Allerdings verfehlt noch immer fast jeder dritte in Deutschland geborene Jugendliche aus Migrantenfamilien in Mathematik das Grundkompetenzniveau zwei. Der Anteil ist damit gut doppelt so hoch wie bei Jugendlichen ohne Migrationshintergrund (14 Prozent).


Eine halbe Million Teilnehmer weltweit

Rund 510.000 15-jährige Schüler aus insgesamt 65 Staaten und Regionen hatten an den Tests teilgenommen. Aus Deutschland nahmen rund 5.000 Schüler teil. An der ersten Pisa-Studie 2000 hatten 40 Staaten und Regionen teilgenommen. Experten warnen davor, allein die Platzierung der Staaten in dem internationalen Leistungsranking zu vergleichen, da sich inzwischen deutlich mehr Staaten an Pisa beteiligen. 

Das nur äußerst mäßige deutsche Abschneiden vor allem im Lesen/Textverständnis beim ersten Test im Jahr 2000 hatte in der Öffentlichkeit den Pisa-Schock ausgelöst. Die Kultusminister hatten daraufhin zahlreiche Schulreformen auf den Weg gebracht, unter anderem einheitliche Bildungsstandards für alle 16 Bundesländer.