Sexualkundeunterricht: Schüler blasen in einer Schule in Hannover Kondome auf. © Julian Stratenschulte/dpa

Die Pläne der grün-roten Landesregierung in Baden-Württemberg, dem Thema Homosexualität einen größeren Stellenwert in den Schulen zu geben, stoßen auf den Widerstand der konservativen Opposition und der Kirchen des Landes. Die zwei evangelischen Landeskirchen und die zwei katholischen Diözesen forderten in einer gemeinsamen Mitteilung, dass in der Bildung jeder Form der Instrumentalisierung, Ideologisierung und Indoktrination gewehrt werden müsse. Dies gelte "nicht zuletzt im sensiblen Bereich der sexuellen Identität und damit verbundener persönlicher und familiärer Lebensentwürfe".

Die Kirchen unterstützen damit indirekt eine Online-Petition gegen die Absicht der Landesregierung, die "Akzeptanz sexueller Vielfalt" als Ziel im Bildungsplan 2015 festzuschreiben. Die Unterstützerzahl dieser Petition wuchs bislang auf mehr als 80.000. Es bleibe jedem Bürger unbenommen, sich in geeigneter Weise zu Wort zu melden, teilten die Kirchen dazu mit. Dies dürfe allerdings nicht durch Hetzportale und diffamierende Blogeinträge im Internet geschehen.

Kinder und Jugendliche dürften bei ihrer Suche nach der sexuellen Identität nicht beeinflusst werden, teilten die katholische und evangelische Kirche mit. "Was in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft kontrovers ist, muss nach Überzeugungen der Kirchen auch in Bildungsprozessen kontrovers dargestellt werden", heißt es in der Erklärung. Diese Position der Kirchen werde gegenüber Kultusministerium und anderen staatlichen Stellen "seit Wochen nachdrücklich vertreten".

Gesetzentwurf bis zum Herbst

Baden-Württemberg plant, seine Bildungsleitlinien von beruflicher Orientierung über Medienbildung bis zu Gesundheitsförderung auf die Akzeptanz sexueller Vielfalt auszurichten. Ein entsprechender Entwurf soll spätestens im September veröffentlicht werden und dann in die öffentliche Anhörung gehen. Im Internet organisieren sich Gegner der Regierungspläne unter dem Twitter-Hashtag #idpet. Inzwischen haben aber auch die Befürworter des Anliegens von Grün-Rot eine eigene Petition gestartet. Innerhalb von drei Tagen wurde sie von fast 9.000 Menschen unterzeichnet.

Auch die konservative Opposition in Baden-Württemberg sieht das grün-rote Anliegen kritisch und wirbt um Verständnis für die Kritiker. "Wenn man diese Diskussion um Toleranz im Bildungsplan führt, muss man auch tolerant gegenüber denjenigen sein, die dort andere Auffassungen vertreten", sagte CDU-Fraktionschef Peter Hauk. Er könne die Ängste dieser Menschen verstehen.

Julis gegen FDP-Fraktionschef

Bei der FDP gibt es parteiinternen Streit über den Umgang mit dem Thema. So wurde FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke vom liberalen Nachwuchs harsch kritisiert. Rülke hatte am Donnerstag gesagt, die FDP betrachte andere Lebensformen als die klassische Familie "als tolerabel, aber nicht als gleichwertig". Juli-Landeschef Sebastian Gratz sagte, er schäme sich für diese Aussagen. "Seine Äußerungen zur Minderwertigkeit gleichgeschlechtlicher Beziehungen sind Sand im Getriebe der neuen FDP."