Wer die Spezialsprache einschlägiger deutscher Schulhöfe beherrscht, kann es ziemlich weit bringen: im Kino zum Beispiel. Das hat der Teenie-Kassenschlager Fack ju Göhte spektakulär bewiesen. Im langweiligen, richtigen Schulleben dagegen ist – "Ey, krasse Scheiße, echt!" – allen Virtuosen des Prollidioms auch weiterhin keine große Zukunft beschieden. Im Gegenteil: Keine andere Fertigkeit erweist sich für den Notenerfolg als so bedeutsam wie die Beherrschung der deutschen Sprache. Wer nicht flüssig lesen, sprechen und seine Lehrer mühelos verstehen lernt, hat in der Schule kaum eine Chance. Danach erst recht nicht.

Seit der ersten Pisa-Studie 2001 ist diese Erkenntnis kein Expertenwissen mehr, sondern quasi pädagogisches Allgemeingut. An unseren Universitäten hat sie sich dennoch nicht überall herumgesprochen. Das beweist eine Studie des Mercator-Instituts an der Universität Köln, die am Freitagmorgen veröffentlicht wird. Die Forscher haben sich die Lehrer-Curricula in den verschiedenen Bundesländern angeschaut und eine überraschende Entdeckung gemacht: Bis heute kann man an Dutzenden Hochschulen als junger Pädagoge sein Studium abschließen, ohne auch nur ein einziges Mal mit dem Thema Sprachförderung in Berührung gekommen zu sein.

Das gilt selbst für jene Pädagogen, deren ureigenes Studienfach die Vermittlung der einheimischen Sprache ist: die Deutschlehrer. Zwar gibt es an vielen Universitäten irgendwelche Angebote, die Worte wie "Heterogenität", "Mehrsprachigkeit" oder "Migrationshintergrund" im Titel tragen. In rund der Hälfte der Ausbildungsgänge sind sie jedoch absolut freiwillig und oft wissen die Studenten vorher nicht, ob es in dem Kurs nun ums Kopftuch geht oder um die Förderung der deutschen Sprache.

Grundschullehrer werden am besten vorbereitet

Am besten werden noch Grundschullehrer auf die vielerorts grassierende Sprachmisere vor­bereitet. Wer dagegen später in Gymnasium, Sekundar- oder Berufsschu­le unterrichten möchte, läuft weiterhin Gefahr, im Studium von der Multikultiwelt im Klassenzimmer nichts mitzubekommen.

Dabei stammen – man muss daran anscheinend immer wieder erinnern – mittlerweile 30 Prozent aller Schüler aus Einwandererfamilien; in vielen Großstädten sind es weit mehr als die Hälfte. Schwäbisch plappern oder berlinern, können sie – je nachdem, wo sie leben – meist fließend. Schließlich sind sie fast alle in Deutschland geboren. Doch sobald sie mit den verschiedenen Fachidiomen der Schulfächer konfrontiert werden, wird das Deutsche für nicht wenige von ihnen zur Fremdsprache. Diese Verständigungsprobleme teilen sie mit zunehmend mehr Jungen und Mäd­chen ohne Migrationsgeschichte. Auch bei ihnen können sich Lehrer keineswegs sicher sein, dass die Deutschkenntnisse über den All­tagsjargon hinausgehen.