Schüler in Deutschland liegen mit ihren Leistungen leicht über dem Durchschnitt aller Mitgliedsländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Dieses Ergebnis gilt nicht nur für Schulleistungen in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften – wie bereits 2013 bekannt wurde –, sondern auch für Kompetenzen im Bereich des kreativen Problemlösens. Das ist das Ergebnis der sogenannten Pisa-Studie. 

Der Report ist Teil des bereits 2012 durchgeführten umfangreichen Schulleistungstests der OECD. Damals wurden neben fachspezifischen auch die kognitiven Fähigkeiten von 15-Jährigen überprüft. Beteiligt waren laut OECD rund 85.000 Schüler aus 44 Ländern. Spitzenreiter beim schlussfolgernden Denken sind Singapur, Korea und Japan.

Im Vordergrund der Testreihe stand die intuitive Herangehensweise an Alltagsprobleme, die mehr als das Abrufen von Schulwissen verlangen. So ging es etwa darum, die Funktionsweise einer Klimaanlage durch das Bedienen von drei nicht beschrifteten Reglern zu erschließen, ein nicht vertrautes elektronisches Gerät zu reparieren oder an einem virtuellen Fahrscheinautomaten bestimmte Tickets zu kaufen. Eine weitere Prüfungs-Aufgabe bestand darin, die Arbeitsweise eines Staubsaugerroboters anhand seiner Bewegungen auf dem Bildschirm korrekt zu beschreiben.

Schüler besser als Schülerinnen

Deutsche Schüler konnten dabei insgesamt überzeugen und landeten in dem Pisa-Ranking im guten Mittelfeld. Allerdings sind ihre Leistungen niedriger als dies ihr Abschneiden in Mathe, Lesen und Naturwissenschaften erwarten ließen. Dies gilt insbesondere für das schwächste Drittel der Schüler. So erreichen in Deutschland beim Lösen von Problemen fast 20 Prozent nicht das Basisniveau. Zum Vergleich: In Japan und Korea sind dies weniger als sieben Prozent.

So wie die Testreihe in den einzelnen Schulfächern bestätigt sich auch im Bereich der Problemlösungsfähigkeiten ein Trend: Schüler schneiden besser ab als Schülerinnen. In der deutschen Spitzengruppe etwa findet man zu 60 Prozent Jungen und nur zu 40 Prozent Mädchen.

Steigerung nach Pisa-Schock

Die OECD hatte im Jahr 2000 die ersten Pisa-Ergebnisse veröffentlicht. Die Organisation will den nationalen Entscheidungsträgern damit Informationen über die Leistungsfähigkeit ihrer Schulsystemen zuliefern und indirekt Lerneffekte und Verbesserungen anregen. Der durch die Studie ausgelöste Veränderungsdruck ist teilweise erheblich. In Deutschland löste das schlechte Ergebnis beim ersten Test den sogenannten Pisa-Schock aus und führte zu tiefgreifenden Reformen im Bildungs- und Schulbereich. Seither hat sich Deutschland im Bildungs-Ranking stetig verbessert.

Bildungsforscher Manfred Prenzel, der die Studie mitbetreut hatte, führte das Ergebnis damals auf bildungspolitische Maßnahmen wie Ganztagsschulen, Schulinspektionen sowie Evaluationen des Unterrichts und die Einführung von Bildungsstandards zurück. Vor allem in der Mathematik habe es Verbesserungen bei Schulbüchern und im didaktischen Bereich gegeben: "Heute sind die Aufgaben eher darauf ausgerichtet, verschiedene Lösungswege zuzulassen. Das fördert bei Schülern das Verstehen und die Freude am Lernen", sagte er damals.

Herkunft hilft beim Problemlösen nicht

Gleichwohl ist Bildungserfolg hierzulande immer noch abhängig von der sozialen Herkunft. Dies belegen eine Reihe von Studien, die allen Bundesländern großen Nachholbedarf in puncto Chancengleichheit attestierten. Insbesondere Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund kämpfen oftmals mit deutlich schwierigeren Startbedingungen für eine erfolgreiche Schul-, Hochschul- und Berufskarriere.

Auffällig ist laut der OECD diesmal aber, dass der soziale und ökonomische Hintergrund beim kreativen Problemlösen eben deutlich weniger prägend ist als bei den sonstigen von Pisa abgefragten Leistungen. "Anders als etwa in Mathematik werden Problemlösungsfähigkeiten offenbar auch in anderen, nicht schulbezogenen Kontexten erworben", schreiben die Bildungsexperten.