Ausländer und Flüchtlinge werden in deutschen Schulbüchern immer noch negativ dargestellt. Zuwanderung werde im Sozialkunde- und Geschichtsunterricht, teilweise auch im Fach Geografie immer noch vor allem als "konfliktträchtig und krisenhaft" beschrieben, heißt es in einer Studie, die von Maria Böhmer (CDU), der Vorgängerin von Aydan Özoguz (SPD) im Amt als Integrationsbeauftragte der Bundesregierung in Auftrag gegeben wurde. Dazu untersuchte das Braunschweiger Georg-Eckert-Institut 65 Schulbücher der Klassen 9 und 10 aus den Bereichen Geschichte, Politik, Sozialkunde und Geografie, die in Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Brandenburg verwendet werden.

Danach erscheinen Migration und Verschiedenheit in den Büchern in erster Linie als Problem und Herausforderung für eine weitgehend homogen vorgestellte Gesellschaft. Integration werde zwar als notwendig dargestellt, aber nicht weiter konkretisiert und unterschieden. Einseitig zeigten die Autoren auf, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine Anpassungsleistung erbringen müssten, umgekehrt würden die Leistungen des deutschen Staates für die Integration stets positiv hervorgehoben.

Auch würden in den untersuchten Schulbüchern Begriffe wie "Ausländer", "Fremde", "Migranten" und "Menschen mit Migrationshintergrund" häufig nicht unterschieden, sondern sinngleich im selben Text verwendet.

Vielfalt muss Normalität werden

Özoguz sagte, die Lebensrealität, dass jeder dritte Schüler unter 15 Jahren einen Migrationshintergrund habe, müsse sich angemessen im Unterricht, in den Lehrplänen und in den Schulbüchern wiederfinden. Schulbücher sollten Migration nicht vorwiegend als Problem darstellen. Vielmehr müsse die Vielfalt des Landes als Normalität beschrieben werden. "Ein ermutigendes Ergebnis der Studie ist, dass in den Sozialkundebüchern Deutschland explizit als Einwanderungsland (...) beschrieben wird."

Die Verfasser der Studie empfahlen, dass bei den Schulbuchautoren Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigt werden sollten und es ein kritisches Lektorat geben müsse. Die Schulbuchautoren sollten etwa die unterschiedlichen Formen von Migration aufzeigen und nicht nur die Süd-Nord-Armutsmigration thematisieren. Zugleich sollten sie stärker auf Rassismus und Diskriminierung hinweisen.