Bloß nicht noch mehr Reformen in den Schulen, stöhnten viele Bildungsexperten in den vergangenen Jahren. Viel zu viele hätte es nach den ersten Pisa-Ergebnissen 2001 gegeben, mit zweifelhaftem Erfolg. Im aktuellen Bildungsbarometer, einer repräsentativen Umfrage des ifo-Instituts unter 4.203 Deutschen, zeigt sich jedoch, dass sich die Deutschen sehr wohl noch Veränderungen wünschen. Würden sie den Schulen eine Note geben, käme im Durchschnitt nur eine drei dabei heraus. Befriedigend, weder gut noch schlecht. Die Befragten wünschen sich bessere Kitas, Schulen und Weiterbildungsmöglichkeiten und sie winken auch nicht müde ab, wenn Politiker über Bildung reden: Bildungsthemen könnten in Wahlen den Ausschlag geben, zeigt die Studie.

Bessere Ausstattung in den Schulen

Mehr Geld für die Schulen, gerne für kleinere Klassen – dafür gab es schon immer eine Mehrheit. Nun sprechen sich die meisten auch für mehr Computer in den Schulen aus – besonders dann, wenn sie darüber informiert wurden, dass deutsche Schulen im internationalen Vergleich sehr schlecht ausgestattet sind und die Schüler nicht besonders gut im Internet recherchieren können.

Mehr Gerechtigkeit durch frühkindliche Bildung

Was sich die Deutschen wünschen, deckt sich in vielen Fällen mit dem, was Experten fordern. Nicht verwunderlich ist, dass 77 Prozent der Befragten für kostenlose Betreuung für Kinder ab 4 Jahren sind. Doch das würde nicht nur den Eltern Geld sparen, die es sich eigentlich leisten könnten. Die viel beschworene frühkindliche Bildung könnte so auch besser den Kindern zugutekommen, deren Eltern ihnen nicht viel bieten können. Denn nur wenn der Besuch nichts kostet, könnte der Staat die letzten Kitajahre für alle verpflichtend machen. Noch deutlicher ist die Mehrheit für bundesweite Qualitätsstandards in den Kitas: Fast 90 Prozent der Befragen wollen solche Standards für kleine Gruppen und eine gute Erzieherausbildung. Fast 80 Prozent gönnen den Erzieherinnen auch ein besseres Gehalt.

Mehr Gerechtigkeit durch Ganztagsschulen

Auch Ganztagsschulen gelten unter Bildungsforschern als Rezept, um benachteiligte Kinder besser fördern zu können. In bisherigen Umfragen hieß es, dass viele Eltern Ganztagsschulen ablehnen, weil sie befürchten, dass der Staat sich zu sehr in die Erziehung einmischt. So gibt es in Deutschland inzwischen zwar viel mehr Ganztagsschulen als etwa vor 10 Jahren – oft aber sind es Mogelpackungen, die nur ein freiwilliges Betreuungsprogramm am Nachmittag anbieten. Die ifo-Studie bestätigt zwar, dass die Deutschen die Verantwortung für die Erziehung hauptsächlich in der Familie sehen und nur in kleinerem Maße in der Schule. Sie zeigt aber auch: Die Mehrheit findet Ganztagsschulen prima, solange sie die Kinder um 15 oder spätestens 16 Uhr entlassen. Fragen die Forscher nach einer Schule, die bis 17 Uhr dauert, kippt die Mehrheit.

Der Bund soll sich einmischen

Einheitliche Tests in allen Bundesländern und einheitliche Abitur-, Realschul-, und Hauptschulabschlüsse – viele Deutsche sind laut Umfrage dafür. Darüber hinaus wollen die meisten, dass der Bund sich mehr einmischt und mehr investiert in Bildungsfragen. Eine knappe Mehrheit ist deshalb auch für die Aufhebung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern, das diese Einmischung bisher beschränkt.