Computer könnten guten Unterricht noch interessanter machen – das sagen die Autoren einer Pisa-Auswertung zur Computernutzung in Schulen. Aber, und das ist das Überraschende: Schüler, die das Internet und den Computer in der Schule besonders häufig nutzen, können deshalb nicht besser damit umgehen. Und Länder, die viel in neue Computer in den Schulen investiert haben, haben nicht erreicht, dass ihre Schüler bessere Leistungen vorweisen. Computer und Schulen – das Thema ist viel komplizierter, als es sowohl Kritiker als auch Befürworter behaupten. Einfache Lösungen gibt es nicht.

Am besten schnitten in der Studie Länder ab, deren Schüler nur durchschnittlich oft im Internet recherchieren und am Computer Aufgaben lösen – vor den Ländern, die Computer gar nicht einsetzen, aber auch deutlich vor den meisten Ländern, in denen die Schüler Computer täglich nutzen. Verglichen wurden die Leistungen im digitalen Lesen und Navigieren – es wurde also getestet, wie gut die Schüler Onlineinhalte finden und verstehen und wie gut sie relevante und glaubwürdige Seiten von anderen unterscheiden konnten.  

Lesen und Mathe ist wichtiger

Die Schüler aus Südkorea und Singapur, die die Rangliste anführen, waren wohl deshalb so gut im Netz unterwegs, weil sie auch sonst im Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften gut abschneiden, folgern die Autoren. Nicht jedenfalls, weil die Schule ihnen die besten Geräte (man nahm an, das seien Tablets) stellt oder weil sie besonders viel Unterricht mit Computern haben.

Deutschland hat an dieser Studie nicht teilgenommen. Aber im November 2014, als die CILS (International Computer and Information Literacy Study) erschien, die weltweit die Computerfähigkeiten von Schülern untersucht hat, schämten sich viele Verantwortliche im deutschen Bildungsbetrieb für das Ergebnis. Zwar lagen die deutschen Schüler immerhin im Mittelfeld, wie so oft in internationalen Schulvergleichen, aber deutsche Schulen waren besonders schlecht mit Computern ausgestattet.

So ein reiches Land – aber es schafft es nicht, den Schülern Zugang zu Computern und zum Internet zu verschaffen, hieß es. Und das werde dazu führen, dass wieder die Kinder aus sozial schwachen Familien benachteiligt würden. Denn wer zu Hause keinen Zugang zum Computer hat, hat auch keinen Zugang zu kostenfreier Bildung aus dem Internet, und später fehlen ihm wichtige digitale Kompetenzen.

Computer bringen auch nicht mehr Chancengleichheit

Aber auch zur Chancengleichheit sagt die aktuelle Pisa-Auswertung etwas anderes aus als erwartet: In den meisten OECD-Ländern haben inzwischen weniger als 2 Prozent der Haushalte mit 15-jährigen Kindern keinen Computer zu Hause. Benachteiligte Kinder sind nicht seltener im Internet als andere. Sie profitieren aber trotzdem weniger von dem, was sich ihnen dort bietet. Denn das wichtigste sei gerade auch im Internet, gut lesen und schreiben zu können. Benachteiligte Kinder können das, was sie im Kindergarten und in der Grundschule nicht gelernt haben, nicht durch Surfen im Internet ausgleichen.

Die Autoren der Pisa-Studie sagen: Onlineangebote können vielleicht wirtschaftliche Nachteile mildern, aber die Nachteile, die durch schlechte Chancen in der frühen Kindheit entstanden sind, können sie sogar noch verstärken. Unbegrenzter Zugang zum Internet kann außerdem dazu führen, dass Schüler beispielsweise Texte einfach kopieren und Urheberrechte nicht beachten, dass sie auf Betrüger reinfallen, gemobbt werden – oder schlicht zu wenig schlafen.

Das Internet macht also doch nur faul, dumm und dick? Das sagt die Studie nicht. Auch nicht, dass die Schule sich darauf beschränken soll, die Kinder auf die Gefahren im Internet vorzubereiten.

Gute Ideen für Computer im Unterricht

Denn nicht alle Länder, in denen die Schüler täglich Computer benutzen, schneiden automatisch schlecht ab. Australien ist ein Gegenbeispiel. Hier setzen Lehrer das Internet so ein, dass ihre Schüler Zeit zum Lernen und Üben gewinnen. Und in fast allen Ländern tauschen sich Lehrer online über neue Unterrichtsideen aus. Andere nutzen für ihre Schüler Onlineplattformen, zum Beispiel für virtuelle Labore, intelligente Spiele oder für konkrete Projekte.

Fazit: Nicht jedes Kind braucht sofort ein eigenes Tablet, aber jedes Kind braucht gute Lehrer, die in der Lage sind, Computer so einzusetzen, dass der Unterricht abwechslungsreicher, effektiver und interessanter wird.