Deutsche Schulen sind vielerorts in keinem guten Zustand: Toiletten sind manchmal unbenutzbar, Unterrichtsmaterial veraltet, die klimatischen Verhältnisse entsprechen nicht modernen Standards. Was Eltern und Schüler seit Langem beklagen, hat nun eine Untersuchung der KfW-Bankengruppe zur Finanzlage deutscher Schulen bestätigt.

Deutsche Kommunen investieren heute deutlich weniger in die Modernisierung ihrer Bildungseinrichtungen als noch vor 20 Jahren, heißt es in dem Report. Waren es 1995 noch 45 Prozent der kommunalen Gesamtausgaben, sind es 2015 nur noch 25 Prozent. Insgesamt gaben die Kommunen im Vorjahr rund 2,9 Milliarden Euro für Baumaßnahmen und Sanierungen aus, etwa 1,3 Milliarden Euro weniger als 1995.

"Der Investitionsrückstand zeigt, wie weit wir von einer idealen Schulinfrastruktur entfernt sind", sagte der KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Deutschland investiere ohnehin schon unterdurchschnittlich in sein Bildungssystem, wie OECD-Studien zeigten.

Gründe dafür findet die Studie in den zahlreichen Herausforderungen, die das deutsche Bildungssystem in den letzten Jahren meistern musste. Dazu gehören die Umsetzung von G8, der Ausbau von Ganztagsschulen, die Inklusion förderbedürftiger Kinder und die Integration von Flüchtlingskindern.

Klima, Licht und Akustik beeinflussen die Lernergebnisse

Der klägliche Zustand, in dem sich manche Schulen befinden, sei vor allem deshalb besorgniserregend, weil die mangelhafte Bausubstanz in direktem Zusammenhang mit der Leistung der Schüler stehe, heißt es in der Studie. Neben einer modernen Ausstattung hätten auch Raumklima, Lichtverhältnisse und Akustik einen nachweisbaren Einfluss auf den Bildungserfolg. So ließen sich beispielsweise ein besseres Abschneiden der Schüler bei Tests und sinkende Fehlzeiten von Schülern und Lehrern beobachten, wenn sich die Qualität der Schulgebäude und Unterrichtsräume verbesserte. Besonders Raumklima, Lichtverhältnisse und Akustik, aber auch der Gesamtzustand des Schulgebäudes könnten demnach den Lernerfolg beeinflussen.

Pädagogik in der Baracke

Pädagogik in der Baracke

Wie gut ist die Schule Ihrer Kinder?, haben wir gefragt. Die prägnantesten Schilderungen in Karten

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Ein Vater aus dem Saarland

"Lapidar gesagt sieht es an der Schule aus wie in Bulgarien in den Sechzigern."

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Ein Vater aus Hessen

"Die Toiletten würde kein normaler Mensch betreten, dagegen sind die öffentlichen Klos am Hauptbahnhof ein Wellnessparadies."

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Ein weiteres Problem, das die KfW-Studie benennt, ist der deutliche Investitionsunterschied zwischen den einzelnen Bundesländern und Kommunen. Die Spanne der niedrigsten zu den höchsten kommunalen Ausgaben für Baumaßnahmen in allgemeinbildenden und beruflichen Schulen reicht von 72 bis 547 Euro pro Schüler im Mehrjahresdurchschnitt 2011 bis 2014.

Dieses Gefälle hat unterschiedliche Gründe, zum Beispiel die unterschiedliche Bausubstanz oder demografische Gegebenheiten. So könnten sich etwa höhere Ausgaben in prosperierenden Kommunen in Süddeutschland erklären.

Förderbedürftige Kinder werden noch weiter abgehängt

Besorgniserregend sei jedoch, dass gerade die Gegenden weniger in ihre Schulen investierten, in denen der Anteil förderbedürftiger Kinder höher ist. So würden gerade Kinder aus sozial schwachen Familien in strukturarmen Gebieten weiter abgehängt. Bestehende regionale Unterschiede zwischen den Ländern drohten sich somit zu verschärfen.

Um diese Entwicklung zu verhindern, stünden alle föderalen Ebenen in der Pflicht, schreibt die KfW. Der Bund müsse bei der Aufgabenverteilung stärker auf die Konnexität der Finanzierung achten, insbesondere im Sozialbereich. Die Länder müssten über ihre Ausgleichssysteme für eine ausreichende Finanzmittelausstattung ihrer Kommunen sorgen. Doch auch die Kommunen selbst müssten effiziente und zukunftsorientierte Investitionen fördern. Ein professionelles Gebäudemanagement sowie die Prüfung alternativer Beschaffungs- und Finanzierungsformen könnten ebenfalls helfen. Kommunen, die nicht über das notwendige Wissen verfügten, sollten Beratungsangebote nutzen.