Rund jeder vierte Lehrer in Deutschland ist schon einmal Opfer psychischer Gewalt von Schülern gewesen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter bundesweit fast 2.000 Lehrerinnen und Lehrern, die der Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) in Düsseldorf vorstellte. Demnach haben 23 Prozent der Befragten bereits Bedrohungen, Beleidigungen, Beschimpfungen oder Mobbing erlitten.

Sechs Prozent der Lehrer sind der Umfrage zufolge sogar schon einmal körperlich von Schülern angegriffen worden. Hochgerechnet seien damit mehr als 45.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen aller Formen bereits Opfer von tätlicher Gewalt geworden. An jeder zweiten Schule dürften damit schon mal Schüler gegen Lehrer Gewalt angewendet haben. Zu den körperlichen Angriffen gehörten etwa Fausthiebe, Tritte, An-den-Haaren-Ziehen oder das Bewerfen mit Gegenständen.

Gewalt gegen Lehrkräfte sei "kein Einzelfall", sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Das Problem werde viel zu oft kleingeredet. "Es ist skandalös, so zu tun, als sei es Bestandteil des Berufs, sich beleidigen, belästigen und körperlich angreifen zu lassen."

Kritik gegen Lehrer habe es schon immer gegeben, sagte Beckmann. Neu sei aber "die immer stärker werdende Aggressivität" von Schülern und Eltern. Der Verbandsvorsitzende beklagte eine Verrohung von Sprache. Zudem sei in vielen Lebensbereichen zu beobachten, dass Autoritäten nicht mehr anerkannt würden und der Respekt vor anderen fehle. 59 Prozent der befragten Lehrer gehen davon aus, dass Gewalt an Schulen zugenommen hat.

Angriffsrisiko hängt von der Schulform ab

Der Umfrage zufolge sehen mehr als 57 Prozent der Lehrer Gewalt gegen Lehrkräfte als "Tabuthema" an – nur in neun Prozent der berichteten körperlichen Angriffe wurde demnach Anzeige erstattet. Beckmann sagte, die meisten Lehrkräfte vermissten eine ausreichende Rückendeckung ihres Dienstherrn und der Justiz. Der VBE verlangte, gewalttätige Vorfälle aller Art müssten künftig "verpflichtend gemeldet und dokumentiert" werden.

Bei der Häufigkeit körperlicher Angriffe gegen Lehrer offenbarten sich regionale Unterschiede. In Nordrhein-Westfalen berichteten 25 Prozent der Lehrer von derartigen Vorfällen an ihren Schulen in den vergangenen fünf Jahren, in Bayern und Baden-Württemberg waren es nur 14 und 13 Prozent. Zudem ist das Risiko, angegriffen zu werden, von Schulform zu Schulform unterschiedlich. Von psychischer Gewalt wurde der Umfrage zufolge am häufigsten an Förder- und Sonderschulen sowie an Hauptschulen berichtet, von körperlichen Übergriffen an Förder- und Sonderschulen sowie an Grundschulen. Die wenigsten Vorfälle gibt es demnach an Gymnasien.

77 Prozent der befragten Lehrer sehen außerdem eine Zunahme von Mobbing im Internet gegen Lehrer, fast jeder Dritte berichtete von Fällen an der Schule. Selbst Ziel von Cybermobbing waren nach eigenen Angaben aber nur zwei Prozent. Der VBE vertritt als Bildungsgewerkschaft die Interessen von etwa 140.000 Pädagogen.