Deutschland bleibt beim weltweiten Vergleichsschultest Pisa 2015 im vorderen Drittel der Rangliste. Ganz vorne liegt Singapur, gefolgt von Japan, Estland, Finnland und Kanada. Die deutschen Ergebnisse sind vergleichbar mit denen in Korea, Neuseeland, Australien, Großbritannien oder der Schweiz, reichen aber an die Spitzengruppe nicht heran. Viele Länder blieben bei ähnlichen Leistungen wie in der Vorgängerstudie, auch der OECD-Schnitt hat sich nicht verändert. Ausnahme ist etwa Portugal, das enorm aufgeholt hat. Nicht nur in den Leistungen, sondern auch indem es sozial schwachen Schülern bessere Chancen bietet. Die deutschen Ergebnisse im Vergleich mit anderen Ländern sind hier in einer interaktiven Grafik zu sehen.

Die gute Nachricht ist: Deutsche Schüler sind gut im Lesen, in Mathe und auch in den Naturwissenschaften. Sie liegen in den drei getesteten Bereichen deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Nicht so gut ist, dass sie seit der letzten Studie nicht besser geworden sind. Seit dem Schock, als die erste Pisa-Studie im Jahr 2000 den deutschen Schülern nur unterdurchschnittliche Leistungen attestierte, ging es bis 2012 nämlich stetig bergauf. Das gilt in der aktuellen Studie nur noch für die Kompetenz im Lesen. Der Pisa-Bericht spricht von einer Konsolidierung.


Schwerpunkt Naturwissenschaften

Schwerpunktfach waren in der neuen Studie die Naturwissenschaften – und hier haben sich die deutschen Schüler im Vergleich zur letzten Studie im Jahr 2012 sogar verschlechtert. Allerdings betont Pisa-Koordinator Andreas Schleicher, dass die aktuellen Werte besser mit denen von 2006 verglichen werden sollten, als die Naturwissenschaften ebenfalls Schwerpunkt der Erhebung waren. Im Vergleich zu 2006 blieben die Leistungen gleich.

Für die neue Pisa-Studie haben die Jugendlichen erstmals alle Aufgaben am Computer gelöst statt auf dem Papier. Ob es einen Einfluss auf das Ergebnis hatte, dass die deutschen Schüler seltener am Computer arbeiten als andere, ist umstritten. Auf jeden Fall ermöglicht diese Methode gerade in den Naturwissenschaften die Aufgaben neu zu stellen, etwa Experimente zu simulieren oder den Schülern durch Software ein Feedback zu geben und ihnen zu ermöglichen, kreative neue Lösungen zu suchen.

Interessanter als der Trend ist diesmal also, wo die deutschen Schüler sich hervortun und wo es hakt. Positiv ist, dass mehr als 10 Prozent der deutschen Schüler besonders leistungsstark in den Naturwissenschaften sind. Besser sind nur die USA, China und Japan. Die deutsche Stärke ist das Fachwissen. Die Schüler können naturwissenschaftliche Fragen bearbeiten und verstehen. Es geht in den Tests aber auch darum, wie ein Wissenschaftler zu denken, etwa ein Experiment zu konzipieren und zu bewerten oder Umfragen wissenschaftlich seriös anzulegen. Es wird untersucht, ob die Schüler wissenschaftliche Konzepte und Methoden verinnerlicht haben und kreativ damit umgehen. Hier sind die deutschen jedoch nicht so stark wie im Fachwissen.   

Die Einstellung zählt

Es wurde darüber hinaus gefragt, wie groß das Vertrauen der Schüler in die Naturwissenschaften selbst ist. Etwa: Können Naturwissenschaften die Welt verändern? Oder: Ändern Wissenschaftler ihre Meinung, wenn die Daten sich ändern? Die Schüler beantworteten zudem, ob sie sich vorstellen könnten, mit 30 Jahren als Ingenieur, Arzt oder IT-Spezialist zu arbeiten und wie sehr ihnen die Fächer in der Schule gefallen.

Es gibt Länder, in denen die Schüler in allen Bereichen vorne sind, etwa im Pisa-Siegerland Singapur oder in Kanada, Slowenien und Australien. Die deutschen Jugendlichen finden die Naturwissenschaften jedoch weder sonderlich bedeutsam noch attraktiv, selbst wenn sie gut in den Fächern abschneiden. Laut Pisa-Studie wollen nur in Indonesien und Dänemark noch weniger Jugendliche eine naturwissenschaftliche Karriere einschlagen als in Deutschland. Ein Siebtel kann sich das vorstellen, im Vergleich zu einem Viertel im OECD-Durchschnitt. Deutsche Schüler liegen auch unter dem Schnitt, wenn man sie fragt, ob sie gerne mehr wissen wollen über Naturwissenschaften oder Technik, ob ihnen die Fächer Spaß machen oder ob sie gerne etwas darüber lesen.