Vor allem die Bewohner der alten Bundesländer empfinden den Druck auf Schüler als zu stark, wie eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag der Welt am Sonntag zeigt. Spitzenreiter beim gefühlten Druck ist demnach Bayern. Dort gaben mehr als 61 Prozent der Befragten an, der heutige Leistungsdruck auf Schüler sei zu hoch. Es folgen Niedersachsen mit 59 Prozent und Baden-Württemberg mit 56 Prozent.

Anders dagegen blicken laut der Studie Menschen in Ostdeutschland auf die Schulzeit. So klagten in Mecklenburg-Vorpommern (26 Prozent), Thüringen (29 Prozent) und Sachsen-Anhalt (39 Prozent) jeweils nur eine Minderheit über zu hohen Druck.

Betrachtet man die Zahlen für Deutschland insgesamt, so ist der gefühlte Druck auch abhängig von der Gesellschaftsschicht. Menschen mit hoher Bildung und hohem Einkommen sehen der Analyse zufolge die Lage vergleichsweise entspannt. Die mittlere und untere Mittelschicht dagegen fühle sich besonders unter Druck. GfK-Studienleiter Klaus Hilbinger hat dafür folgende Erklärung: "Für die Mitte gibt es Luft nach oben und unten. Da spornen Eltern ihre Kinder besonders an: Lass dich nicht abhängen!"

Ein "sehr subjektives Stresserlebnis"

Auffällig ist zudem, dass besonders kleine Familien über zu hohen Leistungsdruck klagen. 58 Prozent der Ein-Kind-Familien machten in der Studie diese Angabe. Unter den Zwei-Kind-Familien dagegen sind es nur 45 Prozent. Erst bei drei und mehr Kindern steigt der empfundene Druck wieder an.

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kann laut Welt am Sonntag die Klagen der Eltern nicht nachvollziehen. In den vergangenen Jahren sei der Umfang von gefordertem Stoff und unterrichteten Stunden "dramatisch gesunken". Immer weniger Kinder blieben sitzen. Und die Abitur-Noten würden immer besser. "Wo bitteschön soll denn da der Stress sein?", fragte Kraus. Es könne sich nur um ein "sehr subjektives Stresserlebnis handeln".

Für die besondere Stress-Anfälligkeit von Ein-Kind-Familien hat der studierte Germanist und Kinderpsychologe Kraus eine Erklärung: "Da muss das eine Kind alle Bildungserwartungen der Eltern erfüllen. Zur Not wird es auch ohne Eignung aufs Gymnasium geboxt." Versagt es dort, erlebten die Eltern das als "narzisstische Kränkung", sagte Kraus. "Selbstverständlich spüren die Kinder diesen Druck."