Nun wird auch in Bayern G9 wieder eingeführt, also das Abitur nach 13 Jahren. Für mich kein Grund zum Jubel, denn ich bin immer vehement für die Verkürzung der Gymnasialzeit eingetreten, als ehemaliger Schüler, als Vater und als Bildungsjournalist.

Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass in vielen westlichen Bundesländern die Eltern und Lehrer G8, also die Verkürzung der Gymnasialzeit, ablehnen. Und gegen sie können und sollten Schulreformen nicht durchgesetzt werden. Denn damit die Schule gelingen kann, muss sie von den Lehrern, die sie maßgeblich prägen, und von der Gesellschaft getragen werden. Das Vertrauen ins Schulsystem ist in der Bildung eine eigene Produktivkraft, um die man unbedingt ringen sollte. Insofern hoffe ich, dass durch das Zurückdrängen von G8 das Vertrauen in die Schule steigt. Und den Kindern dadurch wieder eine bessere Bildung zugute kommt.

Für mich sind damit die Gründe für eine Verkürzung der Gymnasialzeit nicht obsolet: Die fahrlässige Verschwendung von Zeit in der Schule (ich habe nichts gegen ein bisschen Trödeln und Langeweile, aber das übersteigt oft jedes Maß). Einen etwas dichteren Stundenplan finde ich einen guten Preis für das gewonnene Jahr, das Jugendliche nach ihrem Gusto nutzen können.

Keine Erfindung neoliberaler Bösewichte

Die Gymnasialzeitverkürzung ist auch keine Erfindung neoliberaler Bösewichte, wie historisch Ungebildete weismachen wollen. Auch Willy Brandt und viele Reformpädagogen sind dafür eingetreten.

Trotzdem zählt für mich auch das ökonomische Argument, dass der Einzelne in unserer alternden Gesellschaft bei aufkommendem Fachkräftemangel wohl länger arbeiten muss, um den Wohlstand zu halten.

Vielleicht wäre G8 ein bundesweiter Erfolg geworden, wenn es nicht so überhastet und schlampig eingeführt worden wäre. Vielleicht wäre es gelungen, wenn die Wessis nicht arrogant die östlichen Bundesländer ignoriert hätten, die zeigen, wie man wunderbar nach zwölf Jahren zum Abitur kommen kann. Vielleicht ... Jetzt ist die Chance für ein bundesweites Abitur nach zwölf Jahren erst einmal vertan.

Glückwunsch an die, die beharrlich dafür gekämpft haben! Und Daumendrücken für die Schüler und Lehrer, dass die Schulen jetzt zur Ruhe kommen.