Drei Dinge brauchen die Schulen in Nordrhein-Westfalen jetzt: Erstens ein politisches Schwergewicht als Kultusminister oder Kultusministerin, zweitens die Rückkehr zur Leistung und drittens Ruhe.

Dass es dazu kommt, ist leider keine Selbstverständlichkeit. Denn schon einmal haben CDU und FDP in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland die Chance vertan, der Schulpolitik neuen Schwung zu verleihen. Das war zwischen 2005 und 2010 unter dem Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers (CDU). Rüttgers berief damals die politisch kaum erfahrene und wenig ehrgeizige Barbara Sommer als Kultusministerin. Weder Freund noch Feind nahmen sie ernst. Für die Schulen in NRW waren das fünf vergeudete Jahre. Das darf sich nicht wiederholen.

Die Gefahr eines erneuten personellen Missgriffs ist aber groß, denn das Amt des Kultusministers gilt unter Politikern nicht gerade als Traumjob. Lehrer und Eltern sind eine schwierige Klientel, die Aufgabe ist aufreibend und undankbar.

Es würde dem künftigen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und seinem Koalitionspartner gut zu Gesicht stehen, dieses schwierige und wichtige Amt mit einem gestandenen Politiker zu besetzen, der sich durchsetzen kann.

Das wäre dringend notwendig, denn die Schulen in NRW sind aufgewühlt wegen des Streits um die Dauer der Gymnasialzeit (G8 oder G9) und um die Inklusion, dem gemeinsamen Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung. Und sie sind in einem schlechten Zustand, für den nicht nur die abgewählte rot-grüne Regierung verantwortlich ist, sondern alle Regierungen der vergangenen 15 Jahre.

Vom Mittelmaß auf die letzten Plätze abgerutscht

Die letzte NRW-Kultusministerin, die für die Schulen eine klare Leistungsorientierung verfolgte, war Gabriele Behler (SPD), die im Jahr 2002 abtrat. Damals waren die nordrhein-westfälischen Schüler im Bundesländervergleich zwar nicht vorn, aber immerhin Mittelmaß: im Lesen auf Platz 6, in den Naturwissenschaften auf Platz 9, in Mathematik auf Platz 10. Unter den folgenden Regierungen (schwarz-gelb und rot-grün) ging es dann dramatisch bergab. In den letzten Bundesländervergleichen haben die NRW-Schüler dann so abgeschnitten: Orthografie, Lesen und Zuhören – jeweils Platz 13 unter 16 Ländern; Mathematik: Platz 14; Chemie und Biologie: Platz 15; Physik: Platz 16.

Dieses Desaster ist das Hauptproblem der Schulen in NRW. Leistung ist wichtiger als der Streit um G8 und die Inklusion und auch wichtiger als das Modethema Digitalisierung. Hohe Ansprüche, das zeigt etwa Bayern, helfen auch sozial benachteiligten Schülern am besten. Die Hauptaufgabe des künftigen Kultusministers ist es also, sich klar zu Leistung zu bekennen und dafür an den Schulen zu werben. Auf Knopfdruck werden die Schüler nicht besser. Sie brauchen besseren Unterricht, der wiederum von guten Lehrern abhängt. Das ist ein zähes Geschäft, das sich oft im Unsichtbaren abspielt. Keine Aufgabe für Blender und Wichtigtuer.

Damit Lehrer besser unterrichten, muss der künftige Kultusminister die Schulen zur Ruhe bringen, durch möglichst einvernehmliche Lösungen für die Gymnasialzeit und die Inklusion. Die Schulen in Nordrhein-Westfalen wieder nach vorn zu bringen – das ist wirklich eine Herkulesaufgabe. Wem das gelingt, der verdient jede Anerkennung.

Wenn die künftige CDU-geführte Landesregierung das jedoch versemmelt, dann wäre das unentschuldbar.