Für 44 Prozent aller Grundschulkinder gibt es kein Betreuungsangebot nach dem Unterricht, obwohl rund ein Viertel der Eltern dieser Kinder dringenden Bedarf angemeldet hat. Das geht aus einer Prognos-Studie hervor, über die die Die Welt berichtet.

Darüber hinaus gebe es 275.000 weitere Kinder, die bereits ein Betreuungsangebot nutzen, jedoch zusätzlichen Bedarf an einem erweiterten Angebot haben. Vor allem beim Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule entstehe häufig eine Betreuungslücke, die viele Familien überfordert, heißt es in der Studie.

In vielen Fällen wirke das fehlende Betreuungsangebot als Beschäftigungsbremse. Prognos verweist dabei auf eine Sonderauswertung des Mikrozensus 2015. Demnach arbeiten 96.000 Mütter mit Kindern im Grundschulalter nur deshalb in Teilzeit, weil eine Nachmittagsbetreuung nicht verfügbar oder bezahlbar ist. Deshalb bewerten rund 65 Prozent aller Eltern die Ganztagsbetreuung im Grundschulalter als besonderes Schwerpunktthema in der Familienpolitik.

Die SPD fordert schon länger einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Mittlerweile hat dies auch die Union in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Die dafür anfallenden Kosten werden auf rund 700 Millionen Euro jährlich geschätzt, Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) erwartet noch höhere Kosten. Doch hier gelte dasselbe wie beim Kitaausbau: "Wo der Wille da ist, ist auch das Geld vorhanden", sagte sie in einem Interview mit der Welt am Sonntag. Zudem erhöhe ein Betreuungsangebot die Zahl der Eltern, die eine Arbeit aufnehmen und Steuern zahlen können. Rund 500.000 neue Arbeitsplätze könnten so besetzt werden.