Vielen Kindern weltweit fehlt die Chance auf Bildung. Zu diesem Schluss kommt der diesjährige Weltbildungsbericht der UN-Organisation Unesco. Laut dem Bericht Verantwortung für Bildung, der am Dienstag vorgestellt wird, erhalten 264 Millionen Kinder keine Bildung, selbst bei Kindern, die zur Schule gehen, ist die Abschlussrate nur gering.

Der Analyse zufolge schließen nur 83 Prozent der Kinder zwischen sechs und elf Jahren die Grundschule ab. Bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren, also im unteren Sekundarschulbereich, sinkt die Abschlussrate auf 69 Prozent. Von Schülern aus der oberen Sekundarschulbildung, Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren, machen laut Unesco nur noch 45 Prozent einen Abschluss.

"Bildungssysteme weltweit müssen mit Blick auf Chancengerechtigkeit und Qualität gestaltet werden", fordert Walter Hirche, Vorstandsmitglied der Deutschen Unesco-Kommission. Der Weltbildungsbericht zeige allerdings, dass dies noch in weiter Ferne liegt.

Die Schuld für Bildungsmisserfolge werde laut Hirche oft bei den Lehrkräften gesucht. Die Ursachenforschung müsse aber das Bildungssystem selbst ins Visier nehmen, sagte er. Die Organisation fordert die Regierungen auf, das Recht auf hochwertige Bildung einzulösen.

Jährlich fehlen laut Unesco weltweit 39 Milliarden US-Dollar für eine hochwertige und chancengerechte Bildung. Geschlechtergerechtigkeit in der Grundschulbildung beispielsweise werde nur in 66 Prozent der Länder erreicht. In der Sekundarschulbildung liege die Rate bei 45 Prozent, in der oberen Sekundarschulbildung sogar nur bei 25 Prozent.

Arme Kinder sind deutlich stärker betroffen

Einen "Skandal" nennt die Hilfsorganisation Oxfam die Unesco-Zahlen. "Chancengerechtigkeit bleibt für arme und marginalisierte Gruppen eine hohle Phrase", sagt Oxfam-Bildungsexpertin Sandra Dworack. "Kinder aus armen Familien haben ein achtfach höheres Risiko, nicht eingeschult zu werden, als Kinder reicher Familien." Diese Ungleichheit treibe einen "Teufelskreis aus Armut, schlechter Bildung, schlechten Chancen auf gute bezahlte Arbeit und sozialer Ungleichheit voran".

Dworack kritisiert zudem einen "Trend zu Billigschulen" in armen Ländern. Vor allem die Finanzierung guter öffentlicher Bildung werde "sträflich vernachlässigt", das zeige der Unesco-Bericht. Es sei der falsche Weg, wenn "profitorientierte Unternehmen" Bildung zu vermeintlich geringen Gebühren anböten. Denn: "Oft ist die Qualität schlecht, Gebühren belasten arme Familien, und das staatliche Bildungssystem wird ausgehöhlt." Dworack fordert mehr Bemühungen, staatliche Systeme zu stärken. Arme, aber auch reiche Länder sollten ihr zufolge mehr Geld bereitstellen.

Bildung ist laut Jan-Thilo Klimisch, Referent der Christoffel-Blindenmission, ein "entwicklungspolitisches Zukunfts- und Schlüsselthema". Daher müsse sie eine zentrale Rolle auch im Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung spielen.