Schüler in höheren Schulklassen sollen verpflichtend eine KZ-Gedenkstätte besuchen müssen. Das forderte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. In Gedenkstätten werde sichtbar, "wohin die Diskriminierung und Verfolgung einer Minderheit im Extremfall führen" könne, sagte Schuster im MDR-Magazin exakt.

Auch für Schüler mit Migrationshintergrund, die familiär nicht in Berührung mit dem Nationalsozialismus gekommen seien, halte Schuster einen Besuch für sinnvoll. Angesichts des weiterhin bestehenden Antisemitismus in der Gesellschaft sei eine Verankerung von KZ-Besuchen im Lehrplan dem Ratspräsidenten zufolge förderlich.

Auch Rolf Isaacsohn, Ehrenvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Leipzig, befürwortete Pflichtbesuche. Der Holocaust-Überlebende,
der als Kind nach Theresienstadt deportiert wurde, forderte gegenüber dem MDR die Weiterführung von verpflichtenden Besuchen, so "wie es schon zu DDR-Zeiten war". "Freiwillig haben ja manche Scheu davor, das zu sehen oder zu erleben", sagte Isaacsohn.

"Zwang ist das falsche Mittel"

Aus einer Umfrage der Sendung exakt unter den Kultusministerien der Länder ging hervor, dass nur in Bayern eine Schulexkursion zu einer KZ-Gedenkstätte auf dem Lehrplan stehe. Der thüringische Minister für Jugend und Bildung, Helmut Holter (Die Linke), sprach sich gegen verordnete Gedenkstättenbesuche aus, Zwang sei das falsche pädagogische Mittel. "Ich halte den Weg der Freiwilligkeit für den richtigen", sagte Holter im MDR.

Auch die Leiter der Gedenkstätte Buchenwald in der Nähe von Weimar reagierten mit Ablehnung auf den Vorschlag des Zentralrats der Juden. Philipp Neumann-Thein, Sprecher der Gedenkstätte, teilte mit: "Unsere jahrzehntelangen Erfahrungen zeigen, dass bei freiwilligen Gedenkstättenbesuchen die Eigenmotivation der Besucher deutlich höher ist, sich intensiv und nachhaltig mit Buchenwald und seiner Geschichte auseinanderzusetzen."