Die Zahl der von Flüchtlingen beim Deutschen Roten Kreuz gemeldeten vermissten Verwandten bleibt auf einem Rekordniveau. Von Januar bis Mitte Dezember wurden trotz weniger ankommender Migranten bereits 2.700 Suchanfragen neu gestellt und damit fast so viele wie im Rekordjahr 2016, in dem 2.800 registriert wurden. Das berichtet die Welt unter Berufung auf eine vorläufige Bilanz des DRK-Suchdienstes.

Im Jahr 2014, also vor dem Höhepunkt der großen Fluchtbewegung nach Deutschland, hatte die Zahl der Anfragen noch bei 1.053 gelegen.

DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt (CSU) sagte, erschreckend sei vor allem die nach wie vor hohe Zahl von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die entweder selbst ihre Angehörigen suchten oder von diesen gesucht würden. Diese Zahl liege bei mehr als 1.000 Mädchen und Jungen. Sie sei damit im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls nahezu unverändert. 

Die meisten Suchanfragen kämen von Afghanen, Somaliern und Syrern. In etwa jedem zweiten Vermisstenfall könne der DRK-Suchdienst helfen oder zumindest Informationen liefern. Doch bei einem Teil der Gesuchten müsse man leider davon ausgehen, dass sie auf der Flucht ums Leben gekommen seien. "Da die Identifizierung der Toten auf den verschiedenen Fluchtrouten nicht immer möglich ist, werden viele Schicksale deshalb auch ungeklärt bleiben."

Der DRK-Suchdienst war im April 1945 in Flensburg am Rande der großen Flüchtlingsströme zunächst von Freiwilligen gegründet worden. Im September wurde er unter dem Namen "Deutsches Rotes Kreuz, Flüchtlingshilfswerk, Ermittlungsdienst, Zentrale-Suchkartei" nach Hamburg verlegt. Als "Zonen-Zentrale Hamburg" setzte er die Arbeit dort fort. Fast zeitgleich begann die Suchdienstarbeit in München, der Zonen-Zentrale im US-amerikanischen Sektor. Die Suchdiensthelfer erfassten Suchanfragen, forschten nach vermissten Angehörigen und bemühten sich über Ländergrenzen hinweg, getrennte Familien zusammenzuführen. Später entstand eine Zentrale Namenskartei mit mehr als 50 Millionen Karteikarten.