Der Lehrermangel wird voraussichtlich bis 2025 noch größer sein als bisher gedacht: Einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge werden an Grundschulen in sieben Jahren rund 35.000 Lehrer fehlen. Grund dafür sei vor allem die unerwartet hohe Geburtenrate in den vergangenen Jahren, die sich in den künftigen Schülerzahlen widerspiegeln werde. Aber auch der geplante Ausbau von Ganztagsschulen trage zu einem höheren Bedarf an Lehrern bei.

Die Bildungsforscher haben errechnet, dass insgesamt bis einschließlich 2025 knapp 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden müssten. Für den zusätzlichen Bedarf aufgrund steigender Schülerzahlen brauche es 26.000 neue Lehrer, für den Ausbau der Ganztagsschulen weitere 19.000. Die restlichen 60.000 würden für den Ersatz ausscheidender Lehrer benötigt. Demgegenüber stünden im selben Zeitraum nur 70.000 Absolventen von Universitäten zur Verfügung. Daraus ergibt sich die von den Forschern erwartete Lücke von 35.000 Grundschullehrern.

Die Forscher forderten die Regierung auf, möglichst schnell zu handeln. Hoffnungen, dass es sich bei dem Lehrermangel um einen Einmaleffekt handle, würden sich nicht bewahrheiten, schreiben sie in der Studie. Die Politik dürfe deshalb nicht länger auf Zeit spielen. Stattdessen forderten sie "ein ehrliches Bekenntnis zur Problemlage und eine rasche bundesweite Kraftanstrengung". Eine Entspannung der Situation sei erst ab 2026 zu erwarten.

Aufgrund der langen Ausbildungsdauer reiche es laut den Forschern nicht aus, mehr Personal auszubilden. Sie forderten, Seiteneinsteigern den Weg in den Schuldienst zu erleichtern. Diese müssten sorgfältig ausgewählt und qualifiziert werden. Zudem arbeiten laut der Stiftung 40 Prozent der Grundschullehrer in Teilzeit. Für sie müssten Anreize geschaffen werden, mehr zu arbeiten. Angehende Pensionäre sollten demnach von einer befristeten Verlängerung des Schuldienstes überzeugt werden. Von größeren Klassen rieten die Forscher ab. Sonst bleibe zu wenig Kapazität für die individuelle Förderung.

Schon in einer vorherigen Studie der Stiftung hatten die Forscher den Schülerboom beschrieben: Demnach werde es in Deutschland in den kommenden sieben Jahren über eine Million mehr Schüler geben als von den Kultusministern prognostiziert. Den Schülerboom würden die Grundschulen als Erstes spüren. An weiterführenden Schulen werde der Anstieg der Schülerzahlen gegen Mitte des nächsten Jahrzehnts zu spüren sein. Mitte letzten Jahres prognostizierten die Forscher noch 27.000 fehlende Grundschullehrer bis 2025 – die Zahl ist also stetig steigend. 

Integration - »Dann sind wir richtige Lehrer« Vor zwei Jahren flüchtete Hend Alkhabbaz aus Syrien. Jetzt unterrichtet die Lehrerin an einer Grundschule in Fürstenwalde, nach anderthalb Jahren Studium. © Foto: Sven Kästner