Der Bildungswissenschaftler Eckhard Klieme wirft der OECD in der ZEIT einen falschen Umgang mit ihren Pisa-Daten vor. Diese würden überinterpretiert. Weiter versuche die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, mit ihren Daten Politik zu machen. 

Klieme war Leiter des deutschen Teils der Pisa-Studie im Jahr 2009 und gilt als einer der renommiertesten deutschen Bildungsforscher. Der Forscher kritisiert, dass man aus Pisa keinen Maßnahmenkatalog dafür ableiten könne, wie das Kompetenzniveau an einer Schule "nachhaltig zu befördern" sei, sagte Klieme. Genau das aber versuche die OECD. "Auch an anderen Stellen versucht sie, Einfluss auf die Schulpolitik der Pisa-Teilnehmerstaaten zu nehmen." In der Vergangenheit gehe etwa der Ausbau der Ganztagsschulen auf eine solche Überinterpretation seitens der OECD zurück.  

Harte Kritik übt Klieme auch Studie zum Thema Resilienz, die der deutsche OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher in der vergangenen Woche vorgestellt hatte. Auch hier überinterpretiere die OECD ihre Pisa-Daten: "Sie stellt im Kern bereits bekannte Befunde dar und versieht sie mit neuen schillernden Etiketten, interpretiert Daten teilweise fehlerhaft und zieht gewagte Schlussfolgerungen", schreibt Klieme.

So werde ein "positives Schulklima" als Erfolgsfaktor erwähnt, das die OECD aber lediglich als störungsfreien Ablauf des Unterrichts definiere. Klieme schreibt dazu: "Ein 'positives Schulklima' im Sinne guter Lehrer-Schüler-Beziehungen ist etwas anderes als Disziplin im Klassenraum." Zudem sei schon lange bekannt, dass ein störungsfreier Unterricht eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Lernen sei. 

Auch konstatiere die OECD, dass die Ganztagsschule besonders die Kompetenzen von benachteiligten Schülern fördere. Allerdings hätten die OECD-Wissenschaftler bei ihrer Definition von Ganztagsschule lediglich Schulleitungen gefragt, ob die Schule am Nachmittag Aktivitäten wie Theater oder soziales Engagement anbiete. Angebote, wie es sie meist an Gymnasien gebe. "Hinter der Wirkung dieser außerunterrichtlichen Aktivitäten, von der die OECD berichtet, steckt der bekannte Leistungsunterschied zwischen Schulformen."