Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hat gefordert, die Inklusion an Regelschulen auszusetzen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Moratorium bei der Inklusion", sagte Meidinger der Welt. "Wenn die Leistungsheterogenität eine gewisse Schwelle überschreitet, dann stellt sie nicht nur das Lehrpersonal vor Herausforderungen – sondern gefährdet mit Sicherheit den Lernfortschritt aller."

Inklusion meint im pädagogischen Zusammenhang die Integration von Schülern mit besonderen Anforderungen, etwa körperlichen oder geistigen Einschränkungen, in Regelklassen. Dadurch wollen Bildungspolitiker und Pädagogen verhindern, dass Schüler auf Sonderschulen isoliert werden und dadurch Nachteile im Berufsleben haben. Möglichst alle Kinder sollen demnach unabhängig von ihrem individuellen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden.

Die Gewerkschaft Wissenschaft und Erziehung (GEW), mit 280.000 Mitgliedern die größte Gewerkschaft für Berufe im wissenschaftlichen und pädagogischen Bereich, unterstützt dieses Vorhaben ausdrücklich. Auch Meidinger, dessen Verband nach eigenen Angaben rund 160.000 Lehrkräfte vertritt, sagte, er sei Anhänger des Inklusionsgedankens. "Aber in vielen Bundesländern haben wir den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht, also Förderschulen geschlossen, ohne die Regelschulen auf Inklusion vorzubereiten."

Bildungspaket der großen Koalition wäre guter Anfang

Die Umsetzung der Inklusion sei mitverantwortlich dafür, "dass die letzten Grundschul-Leistungsvergleiche enttäuschend ausgefallen sind", sagte Meidinger. Erforderlich sei eine Bestandsaufnahme. "Man wird dann zu dem Schluss kommen, dass es ohne massive zusätzliche Finanzmittel nicht gehen wird." Letztlich brauche jede Klasse, die Inklusionsschüler habe, eine Zweitlehrkraft.

Das Bildungspaket, auf das sich SPD und Union bei ihren Koalitionsverhandlungen einigten, sei "ein wichtiger Aufschlag", aber nicht ausreichend, sagte Meidinger. Auch elf Milliarden Euro würden "die Bildungsmisere nicht abwenden, wenn die Länder nicht ebenfalls deutlich mehr in Bildung investieren. Der Bund macht jetzt einen wichtigen Aufschlag, die Länder müssen folgen."

Meidinger wies darauf hin, dass sich die Länder nicht die Kompetenz nehmen ließen, Bundesmittel selbst zu verteilen. "Klar ist aber, dass wir geregelte Vereinbarungen brauchen, die sicherstellen, dass das Geld grundsätzlich im richtigen Bereich ankommt. Wenn es auch dieses Mal wieder zu Fehlsteuerungen und missbräuchlicher Verwendung kommt, wäre das eine schwere Belastung für künftige Kooperationsvereinbarungen."