Was sollte ein Kind mitbringen, wenn es auf ein Gymnasium möchte?

Es sollte gern lernen, neugierig sein, Freude am Kennenlernen fremder Menschen und Dinge mitbringen. Außerdem sollte es gern in Gruppen und mit anderen Kindern zusammen lernen, sich aber auch nicht davor scheuen, allein zu arbeiten und ein Ergebnis vorzuzeigen. Und es darf sich nicht erschrecken, dass es Hausaufgaben machen und für die Schule üben muss.

Wie wichtig sind gute Noten?

Entscheidend ist, wie die Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule das Kind im Alltag beobachtet und erlebt haben. Ob ein Kind besser oder schlechter schreibt als ein anderes, ist nicht so wichtig. Wir erwarten nicht eine bestimmte Note in einem bestimmten Fach.

Auch nicht in den Kernfächern?

Nein, auch dort nicht. Wir haben durchaus schon Kinder aufgenommen, die eine Drei in Deutsch oder Mathematik hatten. Bei Vieren wird es schwierig, denn die Grundschullehrer haben die Kinder über viele Jahre beobachtet und wissen, wie man Lernverhalten in Noten ausdrückt. Aber manche Kinder, vor allem Jungen, entwickeln sich einfach später.

Wie können Eltern ihrem Kind helfen, die Schule gut zu bewältigen?

Auf jeden Fall sollten alle Eltern ihre Kinder bilden. Das heißt, sie mit unbekannten Fragestellungen konfrontieren. Ob es sich dabei um Vorgänge in der Natur handelt oder in der unmittelbaren Umgebung, ob es um andere Menschen und ihre Lebensweisen und Arbeitsformen geht oder um etwas, das hergestellt oder repariert werden muss, ist dabei gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass Eltern bei ihren Kindern sind und ihnen zuhören und helfen, Fragen zu stellen und zu beantworten. Anstrengungsbereitschaft, die Voraussetzung für gymnasiales Lernen, kommt nicht von allein. Sie entwickelt sich in einem Kind, wenn es vor neue Situationen gestellt wird. Dann muss es sich anstrengen und mit ihnen umgehen. Leider finden viele Kinder solche Lernumgebungen zu Hause nicht vor.

Sollte die Schule nicht gerade solchen Kindern helfen, sich aus den Fesseln ihres familiären und sozialen Umfelds zu befreien?

Unbedingt. Familien sind aber keine Fesseln, sie sind ein Geschenk, egal, in welcher sozialen Situation sie stecken. Der Staat muss ihnen helfen zu funktionieren, die Schule muss ihren Teil dazu tun. In Hamburg gibt es mit der Stadtteilschule ein Modell, das Schülern Hilfe anbietet und gleichzeitig zu allen Bildungsabschlüssen, auch zum Abitur, führt. Darin gehen Haupt-, Real- und Gesamtschulen auf. Das Gymnasium muss –und kann auch – dasselbe leisten, es hat dafür aber nur acht Jahre Zeit.