Bildungsreformen Hilfe, wir ziehen um!
Neues Bundesland, neues Glück? Beim Umzug mit schulpflichtigen Kindern kann davon keine Rede sein – zu verwirrend ist der Schulwechsel im föderalen System
Bevor Familie Milch umzog, musste sie Vokabeln lernen. Nicht etwa, weil sie auswandern wollte; es stand nur ein Umzug von Baden-Württemberg nach Bayern an – allerdings inklusive des Schulwechsels von Moritz, 14, und Lukas, 17. Nur 200 Kilometer von der Heimat entfernt, tauchen die gewohnten Fächer der Söhne plötzlich nicht mehr auf dem Stundenplan auf. Das in Baden-Württemberg unterrichtete naturwissenschaftliche Gemeinschaftsfach NWA ist in Bayern in Bio, Physik und Chemie gesplittet, das gesellschaftswissenschaftliche EWG in Erdkunde, Wirtschaft und Geschichte. Was bislang Klassenarbeit hieß, heißt nun Probe. Eine Werkrealschule wie in Baden-Württemberg gibt es für Moritz in Bayern erst gar nicht. Und dass er als Wahlpflichtfach Französisch gewählt hat, bedeutet im Nachbarbundesland, dass er in den sogenannten M3-Zug muss.
Anderes Bundesland, anderes Schulsystem. So einfach, oder schwer, ist das. »Am Anfang habe ich mich nur im Internet über den Schulwechsel informiert und bin fast wahnsinnig geworden«, sagt Gudrun Milch. Zumal sie noch vor den Sommerferien, also im laufenden Schuljahr, umziehen wollte. Jeder schrieb etwas anderes.
Statt Antworten darauf zu finden, wie ihre Söhne bestmöglich Anschluss erhalten, türmten sich nur noch mehr Fragen auf: Darf man sich die neue Schule aussuchen? Gibt es Aufnahmetests, Probezeiten, Nachholfristen? Wird das Zeugnis nachgeschickt?
»Die meisten Eltern kommen mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn zu uns«, sagt Helga Ulbricht, Leiterin der staatlichen Schulberatungsstelle in München. Die Lehrkräfte und Schulpsychologen helfen an neun Standorten in Bayern, leisten »Übersetzungsarbeit«, unterstützen bei der Schulwahl, vermitteln Kontakte. Hunderte Anfragen von Zugezogenen erreichen das Münchner Team jedes Jahr.
Auch Gudrun Milch war froh, als sie die Beratungseinrichtung gefunden hatte. Für ihren älteren Sohn, der während der turbulenten Umzugsvorbereitungen seinen Realschulabschluss zu meistern hatte, fand sie mit Ulbrichts Hilfe eine Berufsakademie, an der er seine Fachhochschulreife draufsatteln kann – eine positive Seite des Umzugs, denn in seiner Heimat wäre für Lukas nur die sogenannte Berufsfachschule Fremdsprachen infrage gekommen, deren Abschluss wiederum nur in Baden-Württemberg anerkannt worden wäre. Für Moritz bekam die alleinerziehende Mutter eine Liste mit Realschulen, welche die von ihm gewählte Sprachenfolge anbieten.
Zu Hause setzte Gudrun Milch sich mit dem Münchner Stadtplan hin und glich die Schuladressen mit der neuen Wohngegend ab, um abzuschätzen, ob der tägliche Schulweg überhaupt zumutbar wäre. »Schade nur, dass die nächste Schule nicht die mit dem besten Ruf ist; und die mit guter Reputation ausgerechnet eine ohne M3-Zug sein muss.« Bekannte wurden befragt, Ausflüge nach München unternommen, einzelne Schulen besichtigt und angerufen.
Aus einem Wohnortwechsel mit nur eineinhalb Stunden Distanz wurde ein Thema für ein halbes Jahr: Im März hatte Gudrun Milch ein Jobangebot von einer Münchner Stiftung bekommen. Die Wohnungssuche war Mitte April abgeschlossen, parallel begann die Schulsuche. Mittendrin erfuhr Moritz auch noch, dass er die achte Klasse wohl wiederholen muss. »Man braucht starke Nerven und muss sich richtig dahinterklemmen, wenn man so einen Wechsel wuppen will«, sagt die Mutter. Erst recht, wenn die pubertären Söhne viel lieber bei ihren Fußballfreunden bleiben würden, als in der Großstadt noch mal von vorne anzufangen. Zwar finden beide die Vorstellung cool, dass ihre Mutter sie nicht mehr überall hinbringen muss – in ihrem Dorf fuhr der letzte Bus lange, bevor es dunkel wurde. Aber »der Neue« in der Klasse zu sein, die Lehrer nicht einschätzen zu können, und vielleicht sogar Stoff aus unbekannten Fächern nachholen zu müssen, gefällt ihnen nicht. Ihrer Mutter werfen sie deshalb manchmal vor, sie sei egoistisch und entscheide sowieso über ihren Kopf hinweg.
Genau diese Vorwürfe will sich das Ehepaar Wagner aus Sachsen später nicht machen lassen. Zum neuen Schuljahr wollte die Familie nach Brandenburg ziehen, brach das Projekt Schulwechsel aber trotz einer großen beruflichen Chance für den Vater ab. Der zehnjährige Sohn Philipp stand gerade vor dem Wechsel aufs Gymnasium. In Brandenburg hätte die weiterführende Schule jedoch erst in Klasse sieben begonnen. Blieben noch ein paar private Gymnasien, auf die er sofort hätte gehen können. Aber die boten nicht Latein als erste Fremdsprache an, was Philipp unbedingt wollte. Sein Wohl ging letztlich vor, die Wagners blieben in Sachsen.
»Ich kann nicht jeder Familie zu einem Umzug über Landesgrenzen raten«, sagt auch Erhard Hönes, geschäftsführender Schulleiter der Stuttgarter Gymnasien, der Eltern regelmäßig zu diesem Thema berät. »Man will ja, dass ein Schüler die Möglichkeit hat, in seiner Schule erfolgreich zu sein.«
- Datum 14.10.2010 - 17:31 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28.09.2010 Nr. 01
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Die unterschiedliche Vielfalt des Föderalismus war und ist bei vielen Themen einfach nur Irrsinn - denn (oder aber) im Wahnsinn liegt Methode.
Der Haken bleibt: Welches System ist das "bessere" aus 16 ganz unterschiedlich operierenden Ländern?
Die Netiquette empfiehlt zwar, Ironie in Kommentierungen zu vermeiden. Aber hier ist das wirklich unmöglich.
Die Ärmsten! Gehen also aufs Gymnasium und bekommen einen Koller, weil in Bayern einige Entitäten mit anderen Begriffen belegt werden als in Baden-Württemberg. Und auch sonst ist in Bayern manches anders. Oh Schreck!
Böser, böser Föderalismus.
Ja, liebe Leute: Daß man damit umgehen lernt, dazu geht man aufs Gymnasium.
Spezialität.
Der Rest der Welt ist nicht schlechter, lt. Pisa sogar besser ausgebildet als Deutschlands Kinder.
Spezialität.
Der Rest der Welt ist nicht schlechter, lt. Pisa sogar besser ausgebildet als Deutschlands Kinder.
...aber der F. ist nicht vom Himmel gefallen. Heutzutage gibt’s ja diesen Blödsinn nur noch in D. oder vielleicht noch in welchen Stämmen in Afrika... Alle sind einig, dass das Unsinn ist, aber niemand fragt HEUTE, wie es zu diesem F. gekommen ist?! Hier, bitte, ein Artikel in der Südd.Z. Nr. 247 23.10.08. -“EIN DEUTSCHER SADISMUS“, unter dem Titel halbfett: „Der Bildungsföderalismus quält Lehrer, Eltern, Schüler“. Vor zwei Jahren wurde noch was geschrieben, gelle?! Der Fehler da ist aber, dass der Autor glaubt, das der F. kam als Suche nach Besserung! Tatsache ist: Wie auch die Mengenlehre in Mathe, sollte der F. ein Rettungsschirm von der überflüssiger Schulanarchie sein, wenigstens wollte man Zeit gewinnen... Vor kurzem war ein Art. in der Südd.Z. (habe leider verloren!) von einem der Vätern, wie er sich nennt, der F.-Reform 2005/06 E.Stoiber, er ist in Brüssel jetzt klug geworden, das war ein Fehler, er pfeift F. zurück, gibt der Regierung Räte, aber der Zug ist weg, es wäre besser, wenn er jetzt die Klappe halten würde... Dank ihm und dem SPIEGEL haben wir jetzt statt Lehrer, Lernen, Schule EBEN den roten deutschen Sadismus mit den komm. Ganztagsguantanamos...
Das deutsche Schulsystem, das ist ein Krüppel, diesen Krummen macht nur das Grab gerade!
Spezialität.
Der Rest der Welt ist nicht schlechter, lt. Pisa sogar besser ausgebildet als Deutschlands Kinder.
1. Der Artikel handelt von einer Familie, die von BW nach BY umzieht. In beiden Ländern kann man nach der 4.Klasse aufs Gymnasium wechseln.
2. Das PISA-Argument ist auch falsch, da es mehr Länder mit zentralistischem Schulsystem gibt, die schlechter als Deutschland abschneiden, als solche die besser abschneiden.
3. innerhalb Deutschlands schneiden bei PISA und TIMS die Länder mit gegliedertem Schulsystem klar besser ab, als die mit Gesamtschulsystem, ja befinden sich im weltweiten Vergleich sogar in der Spitzengruppe (Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg)
Die Einwände gegen die in BY und BW praktizierten Schulsysteme sind folglich Propaganda ohne Faktenbasis - "gefühlte" Probleme.
Hallo samskij11,
so schlecht schneiden die deutschen Schüler im Pisatest doch gar nicht ab:
532 Pkt. ("Einheimische")
Das ist gemeinsam mit Taiwan ein respektabler 4. Platz.
Nur 2 Pkt hinter Kanada.
Statt nur in Richtung der Einöden Finnlands zu schauen, kommt evtl auch das chinesische Modell von Hongkong in Frage.
Quelle:
http://www.spiegel.de/sch...
Es grüßt freundlich,
der bonifaz
1. Der Artikel handelt von einer Familie, die von BW nach BY umzieht. In beiden Ländern kann man nach der 4.Klasse aufs Gymnasium wechseln.
2. Das PISA-Argument ist auch falsch, da es mehr Länder mit zentralistischem Schulsystem gibt, die schlechter als Deutschland abschneiden, als solche die besser abschneiden.
3. innerhalb Deutschlands schneiden bei PISA und TIMS die Länder mit gegliedertem Schulsystem klar besser ab, als die mit Gesamtschulsystem, ja befinden sich im weltweiten Vergleich sogar in der Spitzengruppe (Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg)
Die Einwände gegen die in BY und BW praktizierten Schulsysteme sind folglich Propaganda ohne Faktenbasis - "gefühlte" Probleme.
Hallo samskij11,
so schlecht schneiden die deutschen Schüler im Pisatest doch gar nicht ab:
532 Pkt. ("Einheimische")
Das ist gemeinsam mit Taiwan ein respektabler 4. Platz.
Nur 2 Pkt hinter Kanada.
Statt nur in Richtung der Einöden Finnlands zu schauen, kommt evtl auch das chinesische Modell von Hongkong in Frage.
Quelle:
http://www.spiegel.de/sch...
Es grüßt freundlich,
der bonifaz
1. Der Artikel handelt von einer Familie, die von BW nach BY umzieht. In beiden Ländern kann man nach der 4.Klasse aufs Gymnasium wechseln.
2. Das PISA-Argument ist auch falsch, da es mehr Länder mit zentralistischem Schulsystem gibt, die schlechter als Deutschland abschneiden, als solche die besser abschneiden.
3. innerhalb Deutschlands schneiden bei PISA und TIMS die Länder mit gegliedertem Schulsystem klar besser ab, als die mit Gesamtschulsystem, ja befinden sich im weltweiten Vergleich sogar in der Spitzengruppe (Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg)
Die Einwände gegen die in BY und BW praktizierten Schulsysteme sind folglich Propaganda ohne Faktenbasis - "gefühlte" Probleme.
Schlechten Hauptschülern wird an PISA-Testtagen geraten, nicht in die Schule zu gehen
Schlechten Hauptschülern wird an PISA-Testtagen geraten, nicht in die Schule zu gehen
...ich will Sie nicht beleidigen, aber im Schulwesen sind Sie selbst noch ein Kind! Die Selektion der Kinder mit 10 Jahren ist nicht eine deutsche Spezialität, sonder eine internationale Schande! Nur wir und die Österreicher kommen von diesem barbarischen Ritual nicht weg, man sollte nur noch den Kindern, wie den Renntieren ein Stück Blech mit einem Nummer in die Ohren einpressen...
Hier, bitte, zwei Artikel, wenn Sie aber wollen finden Sie auch weitere – wie weit die BY oder BW im Lernen, besonders in der Schulmathe sind...
http://community.zeit.de/user/egon-dirks/beitrag/2010/01/19/münchens-quotbestequot-mathelehrer
http://community.zeit.de/...
Was soll daran barbarisch sein? Das könnte überhaupt nur dann der Fall sein, wenn man den Wert eines Menschen daran mißt, ob er Abitur hat.
Wir machen sowas nicht. Wir schätzen einen guten Schreiner oder einen guten Koch mindestens genauso wie einen Dr.rer.pol.habil.
Kinder, die schnell lernen, sollen schnell lernen dürfen. Kinder, deren Begabungen anders liegen, oder die "Spätzünder" sind, sollen andere Möglichkeiten haben.
Fragen Sie mal Universitätsprofessoren, was sie von der Studierfähigkeit der Abiturienten aus Ländern halten, die ihre Abiturquoten - unvermeidlicherweise durch Niveausenkung - in den 40-60% Bereich getrieben haben.
Das eigentliche Problem ist der krankhafte Ehrgeiz von Eltern, die getrieben von dem Irrtum, es gäbe ein verfassungsmäßiges Recht auf ein Abitur, ihren Kinder ohne Berücksichtigung von deren Begabung oder Entwicklungsstand auf der Direttissima das Abitur verpassen wollen. Das finde ich barbarisch.
Hallo Herr Dirks,
das Verhalten des in Ihren Artikeln beschriebenen Lehrers
widerspricht der GSO:
§52 regelt die Hausaufgabenstellung
§57 regelt die Einsichtnahme.
Das Fehlverhalten eines einzelnen Lehrers auf das ganze Schulsystem zu verallgemeinern ist m.E. unter logischen Gesichtspunkten nicht möglich.
Quelle:
http://by.juris.de/by/ges...
Es grüßt freundlich,
der bonifaz
Was soll daran barbarisch sein? Das könnte überhaupt nur dann der Fall sein, wenn man den Wert eines Menschen daran mißt, ob er Abitur hat.
Wir machen sowas nicht. Wir schätzen einen guten Schreiner oder einen guten Koch mindestens genauso wie einen Dr.rer.pol.habil.
Kinder, die schnell lernen, sollen schnell lernen dürfen. Kinder, deren Begabungen anders liegen, oder die "Spätzünder" sind, sollen andere Möglichkeiten haben.
Fragen Sie mal Universitätsprofessoren, was sie von der Studierfähigkeit der Abiturienten aus Ländern halten, die ihre Abiturquoten - unvermeidlicherweise durch Niveausenkung - in den 40-60% Bereich getrieben haben.
Das eigentliche Problem ist der krankhafte Ehrgeiz von Eltern, die getrieben von dem Irrtum, es gäbe ein verfassungsmäßiges Recht auf ein Abitur, ihren Kinder ohne Berücksichtigung von deren Begabung oder Entwicklungsstand auf der Direttissima das Abitur verpassen wollen. Das finde ich barbarisch.
Hallo Herr Dirks,
das Verhalten des in Ihren Artikeln beschriebenen Lehrers
widerspricht der GSO:
§52 regelt die Hausaufgabenstellung
§57 regelt die Einsichtnahme.
Das Fehlverhalten eines einzelnen Lehrers auf das ganze Schulsystem zu verallgemeinern ist m.E. unter logischen Gesichtspunkten nicht möglich.
Quelle:
http://by.juris.de/by/ges...
Es grüßt freundlich,
der bonifaz
Schlechten Hauptschülern wird an PISA-Testtagen geraten, nicht in die Schule zu gehen
Ergebnisse, die nicht ins Weltbild passen, müssen gefälscht sein.
Ergebnisse, die nicht ins Weltbild passen, müssen gefälscht sein.
Ergebnisse, die nicht ins Weltbild passen, müssen gefälscht sein.
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