"Aktenzeichen XY" Eduard Zimmermann ist tot
Der Erfinder der Fernsehfahndung starb in einer Münchner Seniorenresidenz im Alter von 80 Jahren. Das ZDF widmet ihm heute Abend einen Nachruf.
© dpa - Bildfunk

Eduard Zimmermann, Vater des ZDF- Klassikers "Aktenzeichen XY... ungelöst"
"Mein Vater hat immer selbstbestimmt gelebt und in den letzten Stunden deutlich gezeigt, dass es jetzt gut und der richtige Zeitpunkt gekommen ist." Das sagte Sabine Zimmermann zu den letzten Momenten ihres Vater Eduard Zimmermann. Kurz zuvor war er im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Beerdigung soll im engsten Familienkreis stattfinden.
Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Zimmermann, der auch lange durch das Magazin "Vorsicht Falle" geführt hatte, am 10. Mai 2007 bei einem Fest anlässlich der 400. Ausgabe seines Kriminalmagazins "Aktenzeichen XY... ungelöst". ZDF-Intendant Markus Schächter würdigte ihn als einen "Pionier des Realitätsfernsehens" in Deutschland: "Zimmermann hat die Möglichkeiten des Fernsehens für die Verbrechensbekämpfung früh erkannt und konsequent eingesetzt", sagte Schächter. "Dabei hat er seine Werteorientierung zum Maßstab seiner Arbeit gemacht. Er suchte stets nach der Wahrheit, war ein Verfechter der umsichtigen und sorgfältigen Recherche. Dabei ging es ihm nicht allein um die Bekämpfung der Kriminalität."
Schächter sagte, dass Zimmermann dazu beigetragen habe, die Opfer von Verbrechen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Seit Mitte der siebziger Jahre setzte Zimmermann seine Popularität ein, um mit dem von ihm gegründeten Weißen Ring Verbrechensopfern zu helfen. Auch Zimmermann selbst hatte das als Ziel seiner Arbeit gesehen. "Ich werte es als großen Erfolg, dass sich heute wesentlich mehr um Verbrechensopfer gekümmert wird", sagte Zimmermann zu seinem 70. Geburtstag. Für diesen Einsatz hatte er zahlreiche Preise und Auszeichnungen vom Bundesverdienstkreuz I. Klasse über den Bayerischen Verdienstorden und die Goldene Kamera bis zum Adolf-Grimme-Preis erhalten.
Ein Millionen-Publikum saß vor den Bildschirmen, wenn er mit den Worten "Guten Abend, verehrte Zuschauer!", die Fernseh-Fahndung eröffnete, die sich auch in die Schweiz und Österreich erstreckte. Als Zimmermann 1997 die Moderation abgab, übernahm der Hamburger Anwalt Butz Peters die Sendung, 2002 folgte Sportreporter Rudi Cerne. Bis Januar 2009 wurden knapp 3900 Fälle behandelt und mehr als 1600 aufgeklärt – eine Erfolgsquote von mehr als 40 Prozent.
Seine Journalistenkarriere begann der gebürtige Münchner in den Nachkriegsjahren in Schweden. Bei einer Recherche-Reise wurde er 1949 in der Sowjetzone verhaftet und wegen Spionage zu 25 Jahren Zwangsarbeit in Bautzen verurteilt. Seine vorzeitige Entlassung aus der Haft 1954 habe er als "zweiten Geburtstag" gefeiert, sagte er später. Zimmermann ging anschließend nach Hamburg und arbeitete für den NDR und das ZDF. 1967 startete er mit "XY".
Das ZDF erinnert in einem Nachruf, der am Sonntagabend um 23.30 Uhr ausgestrahlt wird, an das Leben und die Leistungen von Eduard Zimmermann.
- Datum 20.09.2009 - 15:13 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa,
- Kommentare 6
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Rest in peace, Eduard Zimmermann.
Herr Zimmermann hat mehr für die Opfer von Verbrechen gemacht als alle Politiker der letzten 30 Jahre.
Auch wenn ich ihm zuweilen vorwarf, als Vater des deutschen Realitätsfernsehens für den Nonsens, der seit den 90ern im TV erscheint (mit)verantwortlich zu sein, an der "Qualität" trägt er ja keine Schuld.
Respekt!
ist ein AktenzeichenXY über die Wirtschaftskriminalität, jeden Abend nach der Tagesschau. Dann würde die Wahl auch anders aussehen.
Auch wenn dem alten Grundsatz, dass man den Toten nur Gutes nachzurufen habe, damit widersprochen wird, Zimmermanns Sendung, die seit 1967 über das Medium TV zur "Verbrecherjagd" des Bürgers animieren sollte -- mit Einspielfilmen, die heute schon in ihrer trashigen Machart Kultstatus haben -- polarisierte teilweise ganz bewußt die Bevölkerung. Man muß nicht der beißenden Kritik einer späteren Raf-Terroistin folgen, um in vielen Sendungen problematische schablonenhafte Stilisierungen der "südeuropäisch" oder "osteuropäischen" Ganoven zu erkennen. Vor allem das Verbrechen an sich lauert bis heute in diesem Sendeformat fast auschließlich immer im Anderen, Fremden. Das heißt, vor der Folie einer heilen Rama-Familie taucht der Scherenschnitt des Verbrechers auf, um mit einem Mal alles von einem Tag zum anderen zu zerstören. Wenngleich es freilich diese Fälle gibt, werden damit z.B. alle innerhäuslichen Mißbrauch- und Gewaltdelikte ausgeblendet. Natürlich will ich nicht abstreiten, dass es auch zu spektakulären Fahundungserfolgen durch diese Sendung gekommen ist. Wenngleich die Aufforderung, wachsam zu sein, als Bürger seine Pflicht zu tun hierzulande immer den Vergleich zu der Zeit der Blockwarte aushalten muss.
TomBerger, München
Also ich finde, Sie interpretieren hier einiges in die Sendung hinein, das so nicht stattfand.
Selbstverständlich wurden die Täter immer als etwas anderes, fremdes und auch unangenehmes dargestellt. Aber, abgesehen von der Tatsache, dass Verbrecher dies wirklich sind, wurde es auf alle Täter angewandt, egal welcher Herkunft diese waren, sofern diese überhupt bekannt war.
Ich finde es wirklich absurd, daraus Ausländerfeindlichkeit herzustuckeln.
Also ich finde, Sie interpretieren hier einiges in die Sendung hinein, das so nicht stattfand.
Selbstverständlich wurden die Täter immer als etwas anderes, fremdes und auch unangenehmes dargestellt. Aber, abgesehen von der Tatsache, dass Verbrecher dies wirklich sind, wurde es auf alle Täter angewandt, egal welcher Herkunft diese waren, sofern diese überhupt bekannt war.
Ich finde es wirklich absurd, daraus Ausländerfeindlichkeit herzustuckeln.
Also ich finde, Sie interpretieren hier einiges in die Sendung hinein, das so nicht stattfand.
Selbstverständlich wurden die Täter immer als etwas anderes, fremdes und auch unangenehmes dargestellt. Aber, abgesehen von der Tatsache, dass Verbrecher dies wirklich sind, wurde es auf alle Täter angewandt, egal welcher Herkunft diese waren, sofern diese überhupt bekannt war.
Ich finde es wirklich absurd, daraus Ausländerfeindlichkeit herzustuckeln.
Er war der Erfinder von Aktenzeichen xy, der Vorkämpfer der Verbrech-
ensbekämpfung durch das Medium Fernsehen, - jetzt ist er dement im
Alter von achtzig Jahren gestorben. Obwohl Zimmermann früher selber
auf die schiefe Bahn geraten ist, so wurde er als Dieb und Spion, zu
einer Haftstafe verurteilt, die er auch verbüßte und wurde durch das
Fernsehen als Jäger gegen "Das Verbrechen" berühmt, der ihm den lie-
bevollen Beinamen "Ganvonen-Ede" einbrachte.Bei knapp sechs Mill-
ionen Delikten in Deutschland, sind seine 1600 gelösten Fälle jedoch nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Sein Nachfolger, Rudi Cerne, der 2002 vom ZDF-Sport zu "xy" kam, agiert in dieser Sendung wie ein "Kessel Buntes". Zu Ende jeder Sendung mahnt Cerne: "Bleiben Sie sicher!" Natürlich bleiben wird das, aber nur bis zur nächsten Sendung, Herr Cerne!
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