Alternative Nobelpreise 2009

Alternative Nobelpreise für Klimaschützer

Aktivisten aus Afrika, Neuseeland und Australien gewinnen den "Right Livelihood Award". Geehrt werden eine Ärztin, zwei Klimaschützer und ein Verfechter der Abrüstung.

Die diesjährigen Alternativen Nobelpreise werden für Leistungen beim Klimaschutz, bei der Bekämpfung von armutsbedingter Krankheit sowie für Bemühungen zu einer atomwaffenfreien Welt vergeben. Die Stockholmer Stiftung "Right Livelihood Award" ("Preis für richtige Lebensführung") sieht die Preise als einen "Weckruf, unsere gemeinsame Zukunft zu sichern". Vier Aktivisten werden ausgezeichnet:

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René Ngongo aus der Demokratischen Republik Kongo erhält den Preis für seinen Einsatz gegen die Zerstörung der kongolesischen Regenwälder und für seine Bemühungen, so schreibt die Stiftung, "politische Unterstützung für deren Bewahrung und nachhaltige Nutzung zu schaffen". "Dies ist ein Mann, der unter unglaublicher Gefahr für sein Leben für den zweitwichtigsten Regenwald der Welt kämpft", sagte Stiftungsdirektor Ole von Uexküll. Ngongo habe auch in den schlimmsten Kriegswirren in seinem Land genau dokumentiert, wer für Zerstörungen verantwortlich sei. 

Ebenfalls geehrt wird der neuseeländische Pädagoge Alyn Ware, und zwar für seinen Einsatz für eine von Atomwaffen freie Welt. Ware hat über 25 Jahre in seiner Heimat und im Rahmen der Vereinten Nationen Erziehungsprogramme und Kampagnen zur nuklearen Abrüstung entwickelt. "Wir hoffen, dass sich auf diesem Gebiet mit der Politik von US-Präsident Barack Obama neue Fenster öffnen", sagte von Uexküll.

David Suzuki

Suzuki wurde 1936 als Sohn japanischer Eltern in Kanada geboren.

Nach dem Studium der Zoologie startete er 1979 als Moderator das TV-Wissenschaftsmagazins The Nature of Things, das inzwischen in 80 Ländern ausgestrahlt wird. Darin hat Suzuki schon früh vor den Gefahren des Klimawandels gewarnt und immer wieder sehr konkrete Vorschläge für dessen Eindämmung vorgelegt.

1988 gründete er eine nach ihm benannte Umweltstiftung. "Suzuki hat vielleicht noch intensiver als Friedensnobelpreisträger Al Gore mit seinem berühmten Film über den Klimawandel aufgeklärt", meint Ole von Uexküll von der Stockholmer Stiftung für die Alternativen Nobelpreise.

René Ngongo

Der Kongolese wurde 1961 geboren und in Kisangani zum Biologen ausgebildet.

Er gründete 1994 die Umweltorganisation Ocean und begann, Proteste gegen die zunehmende Abholzung des Regenwaldes in seiner Heimat zu organisieren. Diese Arbeit setzte er mit seinen Mitstreitern trotz ständiger Lebensgefahr auch während des Bürgerkrieges 1996 bis 2002 fort.

Der Regenwald der Demokratischen Republik Kongo gilt als zweitwichtigste "Lunge" für das Weltklima nach den Urwäldern Brasiliens.

Ortsansässige Bauern versucht Ngongo mit Konzepten für nachhaltige Landwirtschaft für den Klimaschutz zu gewinnen.

Alyn Ware

Der Neuseeländer (Jahrgang 1962) wird von der Stockholmer Stiftung als "einer der weltweit effektivsten Arbeiter für den Frieden" eingestuft.

Ware hat für Schulen in seinem Land Lehrpläne für Friedenserziehung entwickelt und selbst an der Umsetzung mitgearbeitet. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die neuseeländische Regierung das Land zur atomwaffenfreien Zone erklärt hat.

In den Vereinten Nationen arbeitet der ursprünglich zum Kindergärtner ausgebildete Pädagoge an jährlich neu vorgelegten Resolutionen zur weltweiten Ächtung und Abschaffung von Atomwaffen mit. "Dahinter stehen immerhin schon 125 Länder", hieß es in Stockholm.

Catherine Hamlin

Die Gynäkologin kam 1959 aus ihrer australischen Heimat zusammen mit ihrem Mann Reginald nach Addis Abeba.

Hier wurde sie in einem Krankenhaus mit Geburtsfisteln als typischer Armutskrankheit konfrontiert: Medizinisch eigentlich leicht zu behandeln, belastet sie arme Frauen unter anderem mit Inkontinenz als Langzeitfolge.

Die Hamlins eröffneten ihre eigene Klinik, behandelten Frauen kostenlos und starteten auch regionale Behandlungszentren. Catherine Hamlin entwickelte neue Operationstechniken. "Noch heute operiert sie im Alter von 85 Jahren einmal die Woche", berichtet Olex von Uexküll.

Die in Australien geborene Ärztin Catherine Hamlin erhält ebenfalls den Preis. Die 85-jährige Gynäkologin hat in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba seit fünfzig Jahren an Geburtsfisteln leidende Frauen behandelt und dafür neue Operationstechniken entwickelt. Damit habe Hamlin "die Gesundheit, Hoffnung und Würde von Tausenden ärmster afrikanischer Frauen wiederhergestellt", hieß es in der Begründung. Geburtsfisteln entstehen bei sehr langen Wehen und führen zu Inkontinenz und damit zu gesellschaftlicher Ausgrenzung.

Den nicht dotierten Ehrenpreis erhält der kanadische Zoologe und Fernseh-Journalist David Suzuki. Der 73-Jährige leitet das in Kanada populäre Wissenschaftsmagazin The Nature of Things. Die Stockholmer Stiftung hob seinen Einsatz "für die soziale Verantwortung der Wissenschaft" heraus sowie seine bald 20-jährige Aufklärungsarbeit über die Gefahren des Klimawandels.

Den Alternativen Nobelpreis stiftet seit 1980 der deutsch-schwedische Publizist und Philatelist Jakob von Uexküll. Die Auszeichnung gilt auch als ausdrückliche Kritik an den insgesamt sechs traditionellen Nobelpreisen, die bis Anfang dieser Woche ganz überwiegend an Preisträger aus der reichen westlichen Welt verliehen wurden. Der Award soll besondere Leistungen beim friedlichen Ausgleich sozialer Spannungen, für den Erhalt der Umwelt und die Verteidigung der Menschenrechte belohnen.

Im vergangenen Jahr ging der Preis nach Deutschland. Ausgezeichnet wurde die Kölner Gynäkologin Monika Hauser, die sich für Frauen in Kriegsgebieten einsetzt.

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Leser-Kommentare

  1. könnte es sein, dass Herr von Uexküll weniger Briefmarken sammelt, als vielmehr Menschenfreund, also Philanthrop ist?

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  • Datum 13.10.2009 - 12:22 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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