Mordprozess im Fall Marwa Hass auf Muslime

Nicht Kopftücher und fromme Muslime sind das Problem dieses Landes - sondern der ressentiment- bis hassgeladene Blick auf sie. Ein Kommentar von Andrea Dernbach

Am Montag hat der Mordprozess im Fall Marwa el-Sherbini begonnen, jener jungen ägyptischen Apothekerin, die Anfang Juli vor den Augen ihres Mannes und ihres kleinen Sohnes im Dresdner Landgericht erstochen wurde, weil ihr Mörder glaubte, Nichteuropäer und Frauen mit Kopftuch hätten kein Lebensrecht in Deutschland.

Elf Verhandlungstage sind angesetzt und es ist zu hoffen, dass in dieser Zeit nicht nur dieser eine Fall aufgeklärt und der Täter bestraft wird. Gut wäre es, wenn auch eine Debatte darüber in Gang käme, was über diesen Fall hinausweist. Alex W., der Marwa el-Sherbini mit unglaublicher Brutalität umbrachte und ihren Mann lebensgefährlich verletzte, hat über sie in einer Weise geredet, die so weit gar nicht weg ist davon, was der gutbürgerliche Diskurs über den Islam zu wissen und meinen zu dürfen glaubt – die Rekonstruktion der Tat und ihrer Vorgeschichte durch die Staatsanwaltschaft gibt darüber erschütternden Aufschluss.

In Berlin will in wenigen Tagen die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus über Integration diskutieren. Einer der Moderatoren ist nicht nur Christdemokrat, sondern auch Mitglied des islamophoben Vereins "Pax Europa", der für die Veranstaltung unter dem Titel wirbt "Der Islam – ein Integrationshindernis?". Gut, dass man in der CDU selbst darin ein Problem zu sehen beginnt. Noch besser wäre es, auch außerhalb der Union endlich zu erkennen, dass nicht Kopftücher und fromme Muslime das Problem dieses Landes sind. Eines der größten Integrationsprobleme ist der ressentiment- bis hassgeladene Blick auf sie.

Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 26.10.2009

Sehr geehrte User,
an dieser Stelle möchte ich alle Kommentatoren bitten, sich zukünftig an unsere Richtlinie zu halten. Allgemein sind Pauschalurteile und Stigmatisierungen ganzer Religions- und Bevölkerungsgruppen hier nicht erwünscht. Wir haben uns deshalb entschieden, unter diesem Artikel keine Debattenfunktion anzubieten.
Freundliche Grüße, die Redaktion/ Atila Altun

 
Leser-Kommentare
    • Midway
    • 26.10.2009 um 15:03 Uhr

    Als erstes möchte ich dazu sagen, dass diese Tat durch nichts zu entschuldigen ist. Die Frau hat Mut bewiesen, dass man eine solche Frechheit nicht einfach ungestraft davon kommen lässt und musste damit mit ihrem Leben bezahlen. Der Täter hat hat zwei Menschen das Leben genommen. Einmal die Mutter und das ungeborene Kind. Dann einem Kind die Mutter und einem Mann die Frau. Dies zählt wohl zu dem schlimmsten, was ein Mensch anrichten kann und genau dafür gehört er hart bestraft. Hoffen wir mal, dass er in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr rauskommt.

    Aber an dem traurigen Fall konnte man eines sehen. Das Gesicht des Islam.
    Kaum starb diese Frau auf tragischer Weise, schon wurde zum Mord gegen den Täter aufgerufen. Im Sinne von: "Auge um Auge, Zahn um Zahn".
    Somit gleicht das Gerichtsgebäude momentan einer Festung.
    Kaum anders, als ein afghanischer Mann verurteilt wurde, der seine Schwester, welche nach westlichen Einstellungen leben wollte, getötet hat. Staatsanwalt samt Richter wurden von Afghanen regel mit Drohbriefen überhäuft.
    In manchen muslimischen Gemeinden werden Bücher verkauft, indem es um die "Erziehung der Frau" geht. Bis heute hat sich der Vorsitzender des Zentralrats der Muslime dazu trotz Anfrage nicht kritisch geäußert!
    Nein, stattdessen hat dieser Verein eine Unterschriftenaktion gestartet, um dieses grausame Verbrechen zu verurteilen.
    Haben sie dies aber auch getan, als dieses junge Mädchen vom Bruder erstochen wurde?! Nein!

    • Midway
    • 26.10.2009 um 15:14 Uhr
    2. Teil 2

    Vor kurzem gab ein ehemaliger Hassprediger in Marrokko zu, dass in den islamisch geprägten Länder keine Religionsfreiheit herrschen, wie es in den westlichen Staaten der Fall ist.
    Allein in der Türkei, die ja so westlich geprägt ist, herrschen gegen Christen andere Töne, als hier bei Moslems der Fall ist.
    Sehen wir doch mal nach Brüssel oder nach Dänemark, wo Kirchen Türsteher brauchen, um sie vor randalierenden "Moslems" geschützt werden müssen.
    Sehen wir doch der Tatsache ins Auge, dass viele Vergewaltigungen leider gottes von "Moslems" beganngen werden, mit der Begrüundung, sie wäre nicht verschleiert gewesen und daher trage man keine Schuld.
    Schaut doch mal in den Hilferuf der Rütli-Schule, wo Mädchen ohne Kopftuch als Schlampe ja gar sexuell belästigt wurden.
    Viele Moslems fordern mehr und mehr rechte. Ja einen Sonderstatus.
    Ich frage mich vorallem, wieso Italiener, Griechen oder gar teilweise schon Russen integrierter sind und nicht so oft in Erscheinung treten, als Menschen mit der Glaubensrichtung Islam?!
    Nunja dies darf ich leider nicht offen aussprechen wie Sarrazin^^

    Immerhin gibt es friedliche und integrationswillige Imame, wie z.b. in Brüssel, welcher leider vergeblich um ein friedliches Miteinander wirbt.

    Das was der Islam jetzt braucht, ist einen Martin Luther.
    Um dies nicht zu gefährden, sollten wir solche Leute wie der Täter oder Rechte, die mal nebenbei die Moscheen niederbrennen wollen, die Stirn bieten.

  1. ... Multikulti-Idee im Ideologiehospiz.

  2. 4. wuhu

    Wieder ein sehr geistreicher Beitrag [wer Sarkasmus findet darf ihn behalten]

  3. "... des islamophoben Vereins "Pax Europa", der für die Veranstaltung unter dem Titel wirbt "Der Islam – ein Integrationshindernis?". Gut, dass man in der CDU selbst darin ein Problem zu sehen beginnt. Noch besser wäre es, auch außerhalb der Union endlich zu erkennen, dass nicht Kopftücher und fromme Muslime das Problem dieses Landes sind. Eines der größten Integrationsprobleme ist der ressentiment- bis hassgeladene Blick auf sie."

    Gibt es in der Redaktion keinen Chefredakteur? Was für ein naiver und gefährlicher Blick auf die Polit-Ideologie Islam. Erstmal ist das Wort "islamophob" aus dem Propaganda Vokabular von "Revolutionsführer" Khomeini entlehnt ... Dann unterscheidet die Autorin des Artikel nicht zwischen Islam und Muslimen - die sehr gewalttätige, frauenfeindliche und intolerante Ideologie Islam kann sie bei klarem Kopf nicht gut heißen - damit ist das Thema "Islam - ein Integrationshindernis?" natürlich eine legitime Fragestellung.
    Gleichzeitig sind "Ressentimente" gegen diese gefährliche Ideologie auch berechtigt. Und "Hass" auf Intoleranz wird beim Kampf gegen Nazis auch nicht als großen Problem gesehen. Dass viele Muslime sich diese Ideologie nicht in Gänze annehmen, ist tatsächlich so - viele befinden sich im ständigen Spannungsfeld, im Islam eine kulturelle Identität zu sehen, die sie einerseits behalten wollen, aber gleichzeitig die von Allah auferlegte Isolation und Entmündigung nicht hinnehmen zu wollen. Nur ist das nicht das Problem der Kritiker!

  4. Wer hasst denn hier Muslime? Ich nicht. Ich glaube eher, eines der schwierigsten Probleme (von vielen...) unseres Landes ist der Umgang mit der Religion. Von uns Deutschen wird sie größtenteils als Fesseln, von denen man sich befreien will, betrachtet. Seyran Ates hat es den "weißen" Feministinnen in einem Spiegel-Interview vor kurzem zum Vorwurf gemacht, dass sie angeblich "unbedingt" das Tragen von Kopftüchern tolerieren wollen. Aber was sollen wir denn machen? Ich denke, dass viele Deutsche aufgrund eigener Erfahrungen von Unterdrückung keinen Bock mehr auf Religion(en) haben. Schon gar nicht auf Religionen, deren Vertreter es für völlig legitim halten, Frauen als halb so viel wert wie Männer zu betrachten. Mir geht es jedenfalls so. Das hatten wir doch schon jahrhundertelang selbst. Dadurch wird eine derart grauenvolle Tat natürlich nicht im entferntesten entschuldigt. Ich glaube, wer eine solche Tat begeht, ist psychisch krank, und sucht Sündenböcke für seinen Hass.
    Das größte Problem im Zusammenleben mit Muslimen besteht für mich eindeutig in den Bereichen "Gleichberechtigung" und "Glauben".
    [Anmerkung: Bitte vermeiden Sie verurteilende Pauschalisierungen. Die Redaktion/vv]
    Und da fürchten sich viele vor der (Rück-)Reise in eine eigene, sehr unangenehme Vergangenheit. Ich auch.

  5. Der verübte Mord, der nun vor Gericht verhandelt wird, sorgt zu Recht für Empörung und ist absolut verdammneswert. Inwiefern der sich darin manifestierende Hass auf Muslime jedoch repräsentativ ist, wie im Artikel angedeutet, ist für mich schwer zu erfassen. Für mich steht jedoch fest, dass eine grundlegend falsche Politik neben einem leider allzu menschlichen Hang zur Ablehnung des Fremden an sich zur Herausbildung eines solchen "Hasses" beigetragen hat. Über Jahrzehnte wurde der Islam im öffentlichen Diskurs schöngeredet, berechtigte Kritik mit Verweis auf den NS im Keim erstickt oder die rechtsradikale Ecke gedrängt, obwohl viele Mitbürger zum Teil verstörende Erfahrungen mit dem real existierenden Islam im Form des Islamismus gemacht haben. Anstatt klare Regeln zu setzen und Auswüchse zu beschneiden, hat man über die Problematik einen Mantel des Schweigens gebreitet, unter dem die Volksseele vor sich hin köchelte. Pax Europa ist nicht das Problem, sondern eine Antwort auf das Schweigen unserer Politik, die Liberalität mit Gleichgültigkeit und Beliebigkeit gegenüber Feinden der Freiheit verwechselt hat. Dies rächt sich nun. Für einen Zeitgenossen, der durchweg positive Erfahrungen mit muslimischen Mitbürgern gesammelt hat, ist dies eine doppelt niederschmetternde Entwicklung! Ein friedliches Zusammenleben ist aber nur möglich, wenn beiderseits offen und vorurteilslos über Verfehlungen auf beiden Seiten diskutiert wird!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Ein friedliches Zusammenleben ist aber nur möglich, wenn beiderseits offen und vorurteilslos über Verfehlungen auf beiden Seiten diskutiert wird!"

    Und genau das findet doch nicht statt!
    Es wird auf die Muslime eingepruegelt als waeren sie das Übel von Deutschland.Lesen sie doch das Posting eines Herrn Midway,der sich mit seinen braunen Auswuerfen gar nicht bewusst ist zum islamophoben Klima beigetragen zu haben der einen solchen Mord dann letztendlich erst ermöglicht hat.Das es (zum Glück )nicht zu Verbrennungen von deutschen Fahnen gekommen ist, war nur dem Zufall geschuldet.
    Außerdem ist diese ganze Diskussion ziemlich witlos,weil die Moslems sich mit Sicherheit nicht ihren Glauben von irgendwelchen Feministen und arroganten Intellektuellen, die krakeelen,dass der Islam "einen neuen Luther brauche",vorschreiben lassen werden.Wenn ich Moslem waer,wuerde ich solche Menschen als ziemlich unertraeglich empfinden.Und die Liste liesse sich beliebig fortsetzen:Giordiano,Broder,Ates und wie sie alle heissen ,verhindern doch eher einen vernuenftigen Diskurs und tragen eher zu der Manifestierung von Vorurteilen und der allgemeinen Hysterie bei.
    Letztlich muss man sich auf einen Status quo ante einigen,der mit Sicherheit nicht jeden gefallen wird,aber was bleibt uns denn uebrig?Sollen wir übereinander herfallen oder was? Bei einigen Deutschen kommt dann doch auch ein versteckter Rassimus zu.Und dieser ist allgemein,wie man am kläglichen Scheitern der Greencard-Idee sehen konnte.

    "Ein friedliches Zusammenleben ist aber nur möglich, wenn beiderseits offen und vorurteilslos über Verfehlungen auf beiden Seiten diskutiert wird!"

    Und genau das findet doch nicht statt!
    Es wird auf die Muslime eingepruegelt als waeren sie das Übel von Deutschland.Lesen sie doch das Posting eines Herrn Midway,der sich mit seinen braunen Auswuerfen gar nicht bewusst ist zum islamophoben Klima beigetragen zu haben der einen solchen Mord dann letztendlich erst ermöglicht hat.Das es (zum Glück )nicht zu Verbrennungen von deutschen Fahnen gekommen ist, war nur dem Zufall geschuldet.
    Außerdem ist diese ganze Diskussion ziemlich witlos,weil die Moslems sich mit Sicherheit nicht ihren Glauben von irgendwelchen Feministen und arroganten Intellektuellen, die krakeelen,dass der Islam "einen neuen Luther brauche",vorschreiben lassen werden.Wenn ich Moslem waer,wuerde ich solche Menschen als ziemlich unertraeglich empfinden.Und die Liste liesse sich beliebig fortsetzen:Giordiano,Broder,Ates und wie sie alle heissen ,verhindern doch eher einen vernuenftigen Diskurs und tragen eher zu der Manifestierung von Vorurteilen und der allgemeinen Hysterie bei.
    Letztlich muss man sich auf einen Status quo ante einigen,der mit Sicherheit nicht jeden gefallen wird,aber was bleibt uns denn uebrig?Sollen wir übereinander herfallen oder was? Bei einigen Deutschen kommt dann doch auch ein versteckter Rassimus zu.Und dieser ist allgemein,wie man am kläglichen Scheitern der Greencard-Idee sehen konnte.

  6. Frau Dernbach schreibt: "weil ihr Mörder glaubte, Nichteuropäer und Frauen mit Kopftuch hätten kein Lebensrecht in Deutschland."

    Hat der Mann denn eine öffentliche Stellungnahme zu seinen Motiven abgegeben? Hab ich da etwas verpasst?

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