Artensterben Wildkatzen auf der Flucht

Nicht nur der Klimawandel, auch der Klimaschutz bedroht hierzulande Tierarten. Denn es werden zunehmend Energiepflanzen angebaut, die den Tieren die Lebensräume nehmen.

Auf Wanderschaft. Wildkatzen müssen mobil sein können, um zu überleben. Oft werden sie jedoch daran gehindert

Auf Wanderschaft. Wildkatzen müssen mobil sein können, um zu überleben. Oft werden sie jedoch daran gehindert

Nicht nur der Klimawandel, auch der Klimaschutz setzt vielen Tierarten in Deutschland zu. Das zeigt ein Blick in die Rote Liste der Wirbeltiere, die das Bundesamt für Naturschutz (BfN) am Dienstag in Berlin vorstellte. Die Liste dokumentiert den Zustand der Säugetiere, Vögel, Kriechtiere, Lurche sowie Süßwasserfische und Neunaugen. Sie wird nur alle zehn Jahre aktualisiert. Von den 478 untersuchten Arten sind 207 gefährdet (43 Prozent). Fast 28 Prozent (132 Arten) sind in ihrem Bestand gefährdet, weitere 32 Arten sind in Deutschland bereits ausgestorben.

Damit gefährdete Arten wie beispielsweise die Wildkatze eine Überlebensperspektive haben, sei eine bessere Verbindung zwischen den schon existierenden Schutzgebieten nötig "um Arten zu erlauben, zu wandern", sagt BfN-Chefin Beate Jessel. Mit Blick auf den Klimawandel sei das existenziell. Wildkatzen kommen überwiegend in Deutschland vor, "deshalb haben wir für sie eine besondere Schutzverantwortung", sagt sie. Doch ihre Wanderwege werden von Autobahnen durchschnitten, die sie oft nicht lebend überwinden können. Für den "Genaustausch" seien "Grünbrücken" dort notwendig, "wo es sich auch lohnt", sagt Jessel.

Anzeige
Thema: Artenschutz
Für weitere Artikel zum Thema Artenschutz klicken Sie auf das Bild

Für weitere Artikel zum Thema Artenschutz klicken Sie auf das Bild

Dass die globale Erwärmung die Lebensräume vieler Arten so stark verändert, dass sie nicht überleben können, hat das BfN schon früher errechnet. Ein Temperaturanstieg um zwei Grad im Vergleich zum Beginn der Industrialisierung gefährde zwischen fünf und 30 Prozent der Arten, sagt BfN-Chefin Beate Jessel. Doch die Arten, die die neue Rote Liste als stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht einstuft, leben überwiegend in der landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft. Und die verändert sich gerade rasant.

"Es findet eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft statt", stellt Jessel fest. Der Grund: Es werden mehr Energiepflanzen angebaut, um das Klima zu schützen. Dafür werden auch Flächen wieder bewirtschaftet, die bis vor kurzem noch mit Hilfe der Europäischen Union stillgelegt worden waren. Außerdem haben die steigenden Lebensmittelpreise es für viele Bauern attraktiv gemacht, stillgelegte Flächen auch für die Lebensmitteproduktion wieder unter den Pflug zu nehmen. Und zumindest teilweise hat der Anstieg der Lebensmittelpreise ebenfalls mit dem Biospritboom und dem Klimawandel zu tun, der sich in Missernten oder Dürren zeigt.

Das bedeutet für bodenbrütende Vogelarten, wie etwa den Kiebitz, die Bekassine oder die Großtrappe, dass es für sie immer schwieriger wird, ihren Nachwuchs durchzubringen. Beate Jessel sagt, die Bearbeitung der Äcker beginne immer früher, weil viele Flächen nun doppelt genutzt werden: für Energiepflanzen und für Lebensmittel.

Gleichzeitig "wird die Landschaft oft komplett ausgeräumt", bedauert Jessel. Das kostet vor allem Feldhasen und Feldhamster ihren Lebensraum. In der nationalen Biodiversitätsstrategie, die die Bundesregierung im Frühjahr 2008 beschlossen hat, wird zwar angestrebt, bis zum kommenden Jahr auf mindestens fünf Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen "Landschaftselemente", wie Hecken, Raine oder Feldgehölze zu schaffen. Doch von diesem Ziel ist Deutschland offensichtlich derzeit weit entfernt.

Auch ein anderes Ziel der Biodiversitätsstrategie, dem Deutschland wie die Europäische Union schon beim Weltgipfel 2002 in Johannesburg zugestimmt hat, nämlich bis 2010 den Artenverlust zu stoppen, ist nach Jessels Einschätzung nicht mehr erreichbar. Dasselbe gilt für die Europäische Union, die vor kurzem in einem Zwischenbericht zum Thema feststellte, dass 50 Prozent der Arten und 80 Prozent der Lebensraumtypen in Europa in einem schlechten Erhaltungszustand sind.

 

Dennoch hatte Jessel nicht nur schlechte Nachrichten. Bei einigen Arten habe intensiver Naturschutz die Entwicklung sogar umkehren können. Jessel nannte etwa den Biber, den Fischotter oder den Uhu. Letzterer gilt nicht mehr als gefährdet. Der Wolf dagegen ist noch nicht so weit. Er ist zwar wieder eingewandert, bleibt aber wegen illegaler Jagd und Verkehrsunfällen eine gefährdete Art.

 
Leser-Kommentare
    • bierus
    • 07.10.2009 um 13:54 Uhr

    ist ohnehin der mit weitem Abstand größte Flächenverbraucher im Lande. Hierbei ist es unerheblich, ob es sich um Bio- oder konventionelle Landwirtschaft handelt.

    • Clerk
    • 07.10.2009 um 15:29 Uhr

    Dass sich das Artensterben auf längere Sicht mindestens genauso fatal auf die Zukunft der Erde auswirkt wie der Klimawandel, ist leider immer noch zu wenigen bewusst. Wenn man bedenkt, was man für radikale Schritte eigentlich unternehmen müsste, um die Biodiversität tatsächlich zu schützen, sollte man sogar noch massiver die Bewusstseinsbildung hierfür fördern, als man das schon für den Klimawandel tut. Wir werden nämlich nicht davon rumkommen, den demografischen Wandel in Richtung Bevölkerungsrückgang sogar zu fördern, die langfristige "Entvölkerung" ganzer Regionen einzuleiten, damit diese der Natur zur Selbstentfaltung überlassen werden können, um mal die beiden radikalsten Schritte zu nennen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • spacko
    • 07.10.2009 um 17:55 Uhr

    Ist das ironisch gemeint?

    Na sicher, leiten wir die langfristige Entvölkerung ein. Und wie? Ein bisschen Euthanasie, ein bisschen Deportation, ein bisschen Zwangssterilisierung, und das Essen wird rationiert...

    Der Mensch ist der größte Feind der Natur, also schaffen wir den Menschen ab.

    Ich wette, in Bangladesh sterben auch Arten, was machen wir mit den Bangldeshis? Und wenn die alle sterilisiert und umgesiedelt sind (wohin eigentlich? vielleicht sollten wir Lager errichten und sie dort konzentrieren?), wer näht dann unsere T-Shirts?

    Aber egal.. Hauptsache: rettet die Wildkatze!

    Unglaublich. Der gute Oswald Spengler hatte wohl recht, wenn auch anders als gedacht.

    • spacko
    • 07.10.2009 um 17:55 Uhr

    Ist das ironisch gemeint?

    Na sicher, leiten wir die langfristige Entvölkerung ein. Und wie? Ein bisschen Euthanasie, ein bisschen Deportation, ein bisschen Zwangssterilisierung, und das Essen wird rationiert...

    Der Mensch ist der größte Feind der Natur, also schaffen wir den Menschen ab.

    Ich wette, in Bangladesh sterben auch Arten, was machen wir mit den Bangldeshis? Und wenn die alle sterilisiert und umgesiedelt sind (wohin eigentlich? vielleicht sollten wir Lager errichten und sie dort konzentrieren?), wer näht dann unsere T-Shirts?

    Aber egal.. Hauptsache: rettet die Wildkatze!

    Unglaublich. Der gute Oswald Spengler hatte wohl recht, wenn auch anders als gedacht.

    • spacko
    • 07.10.2009 um 17:55 Uhr
    3. LOL

    Ist das ironisch gemeint?

    Na sicher, leiten wir die langfristige Entvölkerung ein. Und wie? Ein bisschen Euthanasie, ein bisschen Deportation, ein bisschen Zwangssterilisierung, und das Essen wird rationiert...

    Der Mensch ist der größte Feind der Natur, also schaffen wir den Menschen ab.

    Ich wette, in Bangladesh sterben auch Arten, was machen wir mit den Bangldeshis? Und wenn die alle sterilisiert und umgesiedelt sind (wohin eigentlich? vielleicht sollten wir Lager errichten und sie dort konzentrieren?), wer näht dann unsere T-Shirts?

    Aber egal.. Hauptsache: rettet die Wildkatze!

    Unglaublich. Der gute Oswald Spengler hatte wohl recht, wenn auch anders als gedacht.

    Antwort auf "Umdenken"
    • Clerk
    • 08.10.2009 um 13:45 Uhr

    "Na sicher, leiten wir die langfristige Entvölkerung ein. Und wie? Ein bisschen Euthanasie, ein bisschen Deportation, ein bisschen Zwangssterilisierung, und das Essen wird rationiert..."

    Es ist echt schade, dass das alles ist, was Ihnen dazu einfällt.
    Es ist sicherlich ein Prozess von mehreren Jahrzenten und Jahrhunderten. Es sollen hier nicht binnen 10 Jahre Menschen deportiert werden.
    Entvölkerung ist heute schon Realität in manchen Gebieten in Ostdeutschland. Dieses Jahr hat man zum ersten mal die Frage aufgegriffen, ob man diesen Prozess tatsächlich mit allen Mitteln bekämpfen wollen soll, da bisherige Maßnahmen diesen nicht umkehren konnten. In wenigen Jahrzehnten werden wir ähnliche Verhältnisse in manchen Teilen Westdeutschlands haben. Und nun die Gegenfrage: warum sollen wir erzwingen, dass sich Menschen in jedem Flecken des Landes ansiedeln und bewirtschaften? Was ist das für ein ungeschriebenes Gesetz? Wachstumszwang?

    Mit Bangladesh haben Sie natürlich ein extremes Beispiel genannt. Hier muss man erst die Ursachen für die Bevölkerungsexplosion bekämpfen. Und jetzt kommen Sie wieder nicht mit NS-Methoden. Ich meine natürlich Maßnahmen wie Bildungszugang für Frauen fördern, Armut bekämpfen usw. Erst müsste sich dort natürlich der demographische Wandel durchgesetzt haben. Bangladesh ist ja auch von der Perspektive des Klimawandels ein besonderer Fall, möchte darauf aber jetzt nicht eingehen.

    Ich hoffe, dass ich mich differenziert genug ausgedrückt habe, auch für Sie.

    • Gafra
    • 09.10.2009 um 20:13 Uhr

    solch ein Blödsinn!
    Nur die nächste Lüge um unseren Lebensstil nicht verändern zu müssen!

  1. Zum Beispiel:
    Info-Service
    Carsten Fritsch
    Fon 0 30 / 2 75 86-469
    Fax 0 30 / 2 75 86-440
    info@bund.net

    NABU

    Pressestelle
    Telefon 030-28 49 84-15 10
    Fax 030-28 49 84-25 00
    Presse@NABU.de

  2. Clerk hat vollkommen recht. Ich bin der Meinung und weiß, dass ich damit nicht allein stehe, dass die Menschheit erst zu drastischen Mitteln greifen muss, ehe sich irgendetwas zum Positiven wendet.
    Solange nicht öffentlich die Frage zur Sprache kommt, wie viele Menschen sich unsere Erde leisten kann, besser sollte man sagen: wie viele Menschen sich die Menschheit, sofern sie langfristig an ein Fortbestehen denkt, leisten kann. Ich denke, dass das Maß schon längst voll ist. Wenn nicht jetzt, wann soll man dann über realistische und natürlich humanitäre Möglichkeiten zum globalen Eindämmung der Bevölkerungsexplosion nachdenken. (In Deutschland ist ja alles ok, da muss man über so etwas gar nicht nachdenken. Aber in allen andernen Punkten können wir ruhig wieder global denken) Ironie off.
    Wir Industirenationen sind doch gerade die schlimmsten. Es ist doch primär unsere Gier nach Energie und Konsum, die unverantwortliche Zerstörung in der ganzen Welt hervorruft. Jeder interessierte Mensch weiß eigentlich, dass z.B. die Biokraftstoffe einer der größten Irrwege der Menschheit sind. Der Anteil von ein paar Prozenten am Energiebedarf, der hierdurch gedeckt wird, kostet uns und unsere Kinder wahrscheinlich die lebenswerte Zukunft. Warum stehen Profit und Wirtschaftswachstum immer noch als höchstes Ziel auf der Tagesordnung, obwohl man weiß deass es nichtmehr lange so weitergeht?
    Weil es immer noch vielen Menschen verdammt egal ist, solange es für Sie noch reicht.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service