Anonyme Kindsabgabe Ethikrat spricht sich gegen Babyklappen aus
"Ethisch und rechtlich sehr problematisch": Der Deutsche Ethikrat hat die Politik aufgefordert, Babyklappen und andere Angebote zur anonymen Geburt aufzugeben.
Babyklappen und Angebote zur anonymen Geburt sollten aus Sicht des Deutschen Ethikrats abgeschafft werden. Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe seien bedenklich, da sie "das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme des Rats.
Zur Begründung ihres Votums führten die Wissenschaftler rechtliche Argumente an. Zwar gelte in Notlagen mit unmittelbarer physischer Gefahr für Mutter und Kind für die Dauer des Notstands die Legitimation des Notstandsrechts für alle, die Hilfe leisten könnten. Auch dürfe die medizinische Betreuung einer Frau bei der Entbindung aufgrund der Hilfeleistungspflicht nicht verweigert werden, auch wenn diese ihre Identität nicht preisgebe. Das vom akuten Notfall unabhängige Angebot einer anonymen Kindesabgabe aber sei vom Notstandsrecht und der Hilfeleistungspflicht nicht gedeckt.
Der Ethikrat schätzt, dass seit Einführung der Angebote im Jahr 1999 – inzwischen gibt es die Babyklappen in mehr als 50 deutschen Städten – mehr als 500 Kinder zu Findelkindern mit dauerhaft anonymer Herkunft wurden.
Um diese Rechtsunsicherheit zu beseitigen, schlägt der Ethikrat ein "Gesetz zur vertraulichen Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung" vor.
Der Ethikrat führt neben rechtlichen Argumenten auch Erfahrungswerte auf. So legten die bisherigen Erfahrungen nahe, dass Frauen, bei denen die Gefahr bestehe, dass sie ihr Neugeborenes töten oder aussetzen, von diesen Angeboten nicht erreicht würden.
Der Ethikrat empfiehlt deshalb, die legalen Hilfsangebote für Schwangere und Mütter in Not- und Konfliktlagen zu stärken. Dazu gehören etwa die vertrauliche Vermittlung einer Mutter-Kind-Einrichtung oder einer Pflegestelle fürs Kind. Diese Einrichtungen müssten zu jeder Tag- und Nachtzeit erreichbar sein, beispielsweise dadurch, dass Fachkräfte per Telefon und Internet 24 Stunden am Tag für Beratungen bereit stünden.
Allerdings gibt es auch innerhalb des Rats divergierende Meinungen. Sechs weitere Mitglieder halten in einem Sondervotum fest, dass sie die Empfehlung, die Angebote zur anonymen Kindesabgabe sofort oder schrittweise zu schließen, nicht mittragen können.
Zwei weitere Ratsmitglieder tragen in einem weiteren ergänzenden Votum zwar die Empfehlung mit, die Angebote der anonymen Kindesabgabe aufzugeben. Sie halten aber eine gesetzliche Regelung für eine vertrauliche Geburt nicht für erforderlich. Das Ziel, Frauen zur Bewältigung ihrer Notsituation einen vertraulichen Schutzraum zu gewähren, kann aus ihrer Sicht bereits mit den vorhandenen Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten erreicht werden.
Der Deutsche Ethikrat ist ein unabhängiges Sachverständigengremium, das auf der Grundlage eines im August 2007 in Kraft getretenen Gesetzes eingerichtet wurde. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Erarbeitung von Stellungnahmen und Empfehlungen für Bundestag und Bundesrat. Der Ethikrat besteht aus 26 Mitgliedern, die naturwissenschaftliche, medizinische, theologische, philosophische, ethische, soziale, ökonomische und rechtliche Wissenschaftsgebiete repräsentieren. Vorsitzender ist der frühere Bundesjustizminister Edzard Schmidt-Jortzig (FDP).
- Datum 27.11.2009 - 12:11 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 27
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Entspricht es unserer Auffassung von Ethik und Moral, wenn sich junge werdende Mütter für eine Schwangerschaftsunterbrechung frei von irgendwelchen "Aufklärungsgesprächen" entscheiden dürfen und zu einem Zeitpunkt, indem das ungeborene Leben allein überhaupt noch nicht lebensfähig ist?
Oder entspricht es unseren (westdeutschen) Vorstellungen von Ethik und Moral besser, wenn Schwangerschaften verschwiegen, geborene und lebensfähige Kinder von ihren eigenen Müttern ausgesetzt oder getötet werden?
Die weitaus humanere Variante ist nun einmal die SCHWANGERSCHAFTSUNTERBRECHUNG - leider wird in dieser Gesellschaft das Wort "Abtreibung" benutzt - ein ethisch nicht nachzuvollziehendes Wort, denn jede Schwangerschaftsunterbrechung ist für alle Beteiligten - Mutter und Vater - immer eine Auseinandersetzung mit sich selbst und der Gesellschaft; einer Gesellschaft, die es werdenden Eltern in der heutigen Zeit nicht gerade leicht macht, ein Kind groß zu ziehen.
Solange in Deutschland sich die soziale Schieflage weiter zu Ungunsten von Müttern und Vätern entwickelt, solange ist dieser Staat in Fragen der Geburtenregelung ethisch und moralisch verkommen.
Als Vater von drei Kindern kann ich das durchaus so beurteilen, denn ich zog Kinder im "Osten" und im "Westen" auf.
Im "Osten" hatte ich neben der Zeit mit meinen Kindern auch eine berufliche Perspektive und ich wusste, dass meine Kinder in der Kinderkrippe und im Kindergarten, sowie im Schulhort gut betreut wurden, den ganzen Tag!!!
Es ist mir eine wahre Freude, Ihren Kommentar zu lesen, in dem Sie zum wiederholten Male für das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung plädieren. Diesbezüglich möchte ich Ihnen ausdrücklich bekunden, dass ich Ihre Argumentation sehr sympathisch finde und ich Ihnen daher anbieten möchte, sich meinem Stab anzuschließen.
Was ist der Hintergrund? Auf dem Weg der Verwirklichung meines Ziels und (erst recht) danach werde ich einige Leute ausmerzen müssen. Dazu kommt mir Ihre vorzügliche Argumentationsweise nun gerade recht. Sie stellen treffend fest, dass ungeborene Kinder "nicht lebensfähig seien" und man ihnen daher ganz simpel den Löffel wegnehmen könne. Das nette an dieser Logik ist, dass sich der Kreis von Figuren, bei denen man das machen kann, ziemlich erweitern lässt: so kann man frühgeborene Babys schön aus dem Kasten nehmen - auch sie sind noch nicht lebensfähig, allerdings sind sie nicht ganz meine Zielgruppe. Mich interessieren eher Leute, die meinem Haushalt schaden, z.B. ältere Menschen die ambulant, oder stationär gepflegt werden (nicht selber lebensfähig!)... ach was, warum dieses Prinzip nicht gleich bei allen Rentnern anwenden...und natürlich den Behinderten! Komapatienten, die ebenfalls nicht lebensfähig sind und über die Intelligenz eines Blumenkohls verfügen - Saft ab! Streng genommen könnte man ja jeden, der irgendwie am System hängt, für "nicht lebensfähig" erklären...außer vielleicht solche wie Rüdiger Nehberg, die sich ihr Essen in -->
...freier Natur zusammensuchen können. Was sich aber bei Leuten, die mir von der Meinung her nicht passen, ziemlich hilfreich erweist, Menschen durch fachgerechte Haltung definitiv in den besagten Zustand zu zu versetzen. Dies ist ja in den Speziallagern am Anfang der von Ihnen geliebten DDR noch bei über 10 000 Menschen passiert (Sie sehen schon: auch ich hege Sympathie für das Land).
Was ich noch sehr an Ihnen loben wollte, ist das Bestehen auf dem Wort "Schwangerschaftsunterbrechung", einem kaum zu überbietenden Euphemismus. Das klingt so richtig schön nach Pause. Ich hoffe ja, dass wenn sie später mal für mich arbeiten, niemals zu mir kommen, um zu sagen, Sie würden gerne Ihre Arbeit unterbrechen - es würde mir nämlich das Herz brechen, wenn Sie mir auf diese Weise kündigten. Aber was rede ich: tausend Dank. Wenn ich die Welt in der Hand habe (gleich nachdem ich Dr. Schneck in St. Erpelsburg vom Thron gestoßen habe), werde ich ich als eine meiner ersten Amtshandlungen den Ausdruck "Ermordung" aus den Thesauren streichen und durch "Lebensunterbrechung" ersetzen.
Hochachtungsvoll,
Fiesoduck
Es ist mir eine wahre Freude, Ihren Kommentar zu lesen, in dem Sie zum wiederholten Male für das uneingeschränkte Recht auf Abtreibung plädieren. Diesbezüglich möchte ich Ihnen ausdrücklich bekunden, dass ich Ihre Argumentation sehr sympathisch finde und ich Ihnen daher anbieten möchte, sich meinem Stab anzuschließen.
Was ist der Hintergrund? Auf dem Weg der Verwirklichung meines Ziels und (erst recht) danach werde ich einige Leute ausmerzen müssen. Dazu kommt mir Ihre vorzügliche Argumentationsweise nun gerade recht. Sie stellen treffend fest, dass ungeborene Kinder "nicht lebensfähig seien" und man ihnen daher ganz simpel den Löffel wegnehmen könne. Das nette an dieser Logik ist, dass sich der Kreis von Figuren, bei denen man das machen kann, ziemlich erweitern lässt: so kann man frühgeborene Babys schön aus dem Kasten nehmen - auch sie sind noch nicht lebensfähig, allerdings sind sie nicht ganz meine Zielgruppe. Mich interessieren eher Leute, die meinem Haushalt schaden, z.B. ältere Menschen die ambulant, oder stationär gepflegt werden (nicht selber lebensfähig!)... ach was, warum dieses Prinzip nicht gleich bei allen Rentnern anwenden...und natürlich den Behinderten! Komapatienten, die ebenfalls nicht lebensfähig sind und über die Intelligenz eines Blumenkohls verfügen - Saft ab! Streng genommen könnte man ja jeden, der irgendwie am System hängt, für "nicht lebensfähig" erklären...außer vielleicht solche wie Rüdiger Nehberg, die sich ihr Essen in -->
...freier Natur zusammensuchen können. Was sich aber bei Leuten, die mir von der Meinung her nicht passen, ziemlich hilfreich erweist, Menschen durch fachgerechte Haltung definitiv in den besagten Zustand zu zu versetzen. Dies ist ja in den Speziallagern am Anfang der von Ihnen geliebten DDR noch bei über 10 000 Menschen passiert (Sie sehen schon: auch ich hege Sympathie für das Land).
Was ich noch sehr an Ihnen loben wollte, ist das Bestehen auf dem Wort "Schwangerschaftsunterbrechung", einem kaum zu überbietenden Euphemismus. Das klingt so richtig schön nach Pause. Ich hoffe ja, dass wenn sie später mal für mich arbeiten, niemals zu mir kommen, um zu sagen, Sie würden gerne Ihre Arbeit unterbrechen - es würde mir nämlich das Herz brechen, wenn Sie mir auf diese Weise kündigten. Aber was rede ich: tausend Dank. Wenn ich die Welt in der Hand habe (gleich nachdem ich Dr. Schneck in St. Erpelsburg vom Thron gestoßen habe), werde ich ich als eine meiner ersten Amtshandlungen den Ausdruck "Ermordung" aus den Thesauren streichen und durch "Lebensunterbrechung" ersetzen.
Hochachtungsvoll,
Fiesoduck
(...)"Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe seien bedenklich, da sie "das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme des Rats."(...)
[...] Die Babyklappen wurden eingerichtet, um die Kindstötungen einzudämmen. Mütter, die mit der Geburt und der neuen Verantwortung völlig alleine gelassen und überfordert sind, soll so die Möglichkeit geschaffen werden, keinen Verzweiflungsmord zu begehen.
Was bringt es dem Kind, wenn sein Recht auf Kenntnis seiner Herkunft gewahrt wurde, nachdem die Mutter es erstickt hat?
[...]
[Bitte bemuehen Sie sich um eine sachliche Diskussion und verzichten Sie sowohl auf persoenliche, als auch auf pauschalisierte Beleidigungen. Danke. /Die Redaktion pt.]
Egal ob Ethikrat oder Zentralrat der Juden :)
"Der Ethikrat schätzt, dass seit Einführung der Angebote im Jahr 1999 – inzwischen gibt es die Babyklappen in mehr als 50 deutschen Städten – mehr als 500 Kinder zu Findelkindern mit dauerhaft anonymer Herkunft wurden."
Warum diese Schätzung? Hierzu sollte es doch klare Zahlen geben.
"Der Ethikrat führt neben rechtlichen Argumenten auch Erfahrungswerte auf. So legten die bisherigen Erfahrungen nahe, dass Frauen, bei denen die Gefahr bestehe, dass sie ihr Neugeborenes töten oder aussetzen, von diesen Angeboten nicht erreicht würden."
Dabei kann es sich ja nur um Frauen handeln, die dies getan oder versucht haben. Dass DIESE Frauen von entsprechenden Angeboten nicht erreicht wurden, ist kein Erfahrungswert, sondern einfachste Logik.
Da aber unmöglich eine Aussage darüber getroffen werden kann, was aus den abgegebenen Kindern ohne das Angebot der Babyklappe geworden wäre, halte ich es für geradezu unverschämt, hier aus "Erfahrungswerten" beurteilen zu wollen, wie viele dieser Kinder ohne das Angebot kein schlimmeres Schicksal erwartet hätte.
Und selbst wenn man es messen könnte. Ab wie vielen Kindern, die abgegeben statt getötet wurden, wäre das Angebot gerechtfertigt?
"Babyklappen und Angebote zur anonymen Geburt sollten aus Sicht des Deutschen Ethikrats abgeschafft werden. Die bestehenden Angebote anonymer Kindesabgabe seien bedenklich, da sie "das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft und auf Beziehung zu seinen Eltern verletzen", heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme des Rats."
Mich würde interessieren, wie der Rat das bewertet:
"Jean-Paul Picaper hat an ein letztes Tabu in den deutsch-französischen Beziehungen gerührt: Der französische Journalist, langjähriger Deutschlandkorrespondent des "Figaro", hat gemeinsam mit dem deutschen Co-Autor Ludwig Norz Einzelschicksale der rund 200.000 deutsch-französischen Besatzerkinder ("Enfants maudits") aufgearbeitet. "
http://www.tagesschau.de/...
oder das:
Den mittlerweile fast 60-Jährigen war meist die wahre Herkunft verschwiegen worden, und das obwohl man die Zahl der „Kriegskinder“ auf 8000 bis 12000 schätzt.
http://www.zeit.de/2002/5...
?
Ob er z. B. davon ausgeht, dass diese Kinder erbberechtigt gegenüber ihren deutschen Vätern sind? Und was er vorschlägt, wie diesen Kindern die Kennnis eines oder beider Elternteile verschafft werden soll.
Wenn die bisherige Regelung"..vom Notstandsrecht und der Hilfeleistungspflicht nicht gedeckt" ist, dann hätte man doch die Möglichkeit, den Text des Notstandsrechts bzw. der Hilfeleistungspflicht zu ändern?
.
..anstatt das Leben von Neugeborenen zu gefährden??
Wer sich die Mühe macht, das Dokument des Ethikrates einmal eingehender zu studieren wird stutzig, mein Ethik-Professor hätte mir da einige Argumentationen angestrichen. So wird z.B. in einem Argumentationsstrang auf die mangelhafte Datenlage zu den tatsächlichen Gründen und Umständen der Weggabe abgestellt, in einem anderen Strang wiederum betont, dass es Familiensituationen gäbe, die eine Abgabe nicht rechtfertigen würden. Dass dies alleine Schlamperei glaubt vielleicht Hans-Blauauge...
Der Rekurs auf den esoterisch-traditionellen Mythos des Urvertrauens (das im Übrigen zu keiner Zeit ein anerkanntes Wissenschaftliches Konzept war und hier auch nur als historische Beigabe referiert wird) disqualifiziert den Rat in diesem Punkt als manipulativ agierend: Auch die Rede von den "gelingenden Now Moments" zwischen Mutter und Kind machen in keiner Weise deutlich, welche Relevanz denn nun die Ahnenreihe zu einer gelingenden Identitätsbildung hat.
Dass der Wert eines wie auch immer rechtlich positivierten Herkunftswissensanspruchs über die Möglichkeit der Lebensrettung gestellt wird sagt ein Übriges: Wage pseudowissenschaftliche Annahmen zur einzig möglichen Identitätsentstehung müssen dafür herhalten, dass man langfristig eine volle Wahlfreiheit bei Schwangerschaftsabbrüchen durchsetzen kann...
Man könnte hinter dem Plädoyer gegen Anonymität in der Kindszeugung auch den Versuch der Deutungsübernahme durch ein Milieu erkennen, dem die Dynastie- und Genkontrolle wichtiger ist als eine integrative Weltgesellschaft, in der Menschen jenseits von völkisch-bürgerlichen Identitäts- und Familienvorstellungen im Hier und Jetzt leben.
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