Margot Käßmann, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hat die vom Deutschen Ethikrat geforderte Abschaffung von Babyklappen scharf kritisiert. Das Expertengremium gehe von fragwürdigen und ungesicherten Annahmen aus, sagte die Bischöfin der Landeskirche Hannover, die als einzige Kirche selber eine Babyklappe betreibt.

Ein solches Angebot der anonymen Kindsabgabe sei Teil eines umfassenden Netzwerks der Kirche, das in den vergangenen Jahren Dutzenden schwangeren Frauen in Not geholfen habe. Würden Babyklappen und die Möglichkeit der anonymen Geburt abgeschafft, bliebe ein Kreis nicht erreichbarer Hilfebedürftiger zurück, sagte Käßmann.

Der Ethikrat hatte am Donnerstag erklärt, Babyklappen seien ethisch und rechtlich problematisch. Ihrer Meinung nach verletzten sie das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Herkunft. Zudem erreiche das Angebot kaum Frauen, bei denen die Gefahr bestehe, dass sie ihr Neugeborenes töteten oder aussetzten.

Käßmann erwiderte, dass es für diese Annahme keinerlei Belege gebe. Ebenso sei die Behauptung des Ethikrates äußerst zweifelhaft, Schwangere würden legale Hilfe besser nutzen, wenn sie darüber besser informiert werden und die Zusammenarbeit zwischen freien Trägern und öffentlichen Angeboten verbessert werde.

Deshalb werde ihre Kirche auch weiterhin an dem Hilfsangebot festhalten. "Das Babykörbchen des Projekts Mirjam, dessen Initiatorin und Schirmherrin ich seit 2001 bin, ist die Ultima Ratio in einem Netzwerk verschiedener Hilfen." Zu dessen Gelingen habe im Übrigen auch ein 24-Stunden-Notruf beigetragen, der eine anonyme Beratung sicherstelle. Der Ethikrat hatte die Stärkung solcher Beratungsangebote gefordert.