Interview mit einem Bandido Party mitten im RockerkriegSeite 2/2

Die Fehde ist längst ein Politikum. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter forderte ein Verbot von Bandidos und Hells Angels. 23 Ermittlungsverfahren hat das Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Jahren gegen Angehörige beider Gruppen registriert: Vom Totschlag über Menschenhandel, illegalen Waffenbesitz, Erpressung, Körperverletzung, Drogenhandel – die ganze Palette schwerer Straftaten. Die Justiz konnte den Rockern bislang jedoch keine "Bildung einer kriminellen Vereinigung" nachweisen.Michael jedenfalls will über Rockerkriminalität und die Vorwürfe der Justiz nicht reden.

"Rechtsfreie Räume werden nicht geduldet; das Gewaltmonopol des Staates wird nachhaltig durchgesetzt." Die Rocker fordern den Staat heraus. Darum geht es Innenminister Ingo Wolf von der FDP. Er sitzt zur gleichen Zeit, als die Bandidos in Schwerte einen Bierwagen rangieren, im Innenausschuss des Düsseldorfer Landtages am Rhein und gibt seinen Bericht zur Rockerkriminalität ab. Als Reaktion fordert die SPD gleich das Verbot der Gruppen. Wolf lehnt das ab, will lieber deren Straftaten aufklären. Die Auseinandersetzung hat das Zeug zum populistischen Wahlkampfthema: In einem halben Jahr wird ein neuer Landtag in NRW gewählt.

Das ist den Bandidos egal. Während einige von ihnen dabei helfen unter metallischem Getöse das Zeltgerüst zu errichten, kaufen die Nachbarn nebenan bei Lidl ein. Eine junge Frau schiebt einen Kinderwagen an dem Gelände vorbei, wo eine orangefarbene Fahne des Motorradherstellers Harley Davidson schlapp im Nieselregen steht.

"Lassen Sie die doch feiern, mich stört das nicht", sagt sie in aller Seelenruhe. Ob sie denn keine Angst vor möglicher Gewalt hat? "Nein, denn wenn, dann greifen die Rocker sich doch bloß gegenseitig an." Die Bandidos haben den Nachbarn Handzettel in die Briefkästen gesteckt. Eine Handynummer steht drauf. Wenn es zu laut wird, solle man dort anrufen.

"Aber deshalb veranstalten wir natürlich noch lange kein Nachbarschaftsfest" - darauf legt Michael wert. Die Männer hier auf dem Hof sind ziemlich kräftig. Ein glatzköpfiger Hüne mit der Statur eines Kampfsportlers überwacht den Zeltaufbau. 30 Fässer Veltins sind gerade angeliefert worden. 1500 Liter Bier, Live-Musik und reichlich Schnaps. Die Vorbereitungen erinnern an ein Schwerter Schützenfest. Rocker feiern oft. Politik dagegen interessiert sie wenig.

Den Vorwurf etwa, dass sie intensive Verbindungen zu Rechtsextremisten unterhalten, weist Michael aufgebracht und aufs Schärfste zurück. "Dafür haben wir viel zu viele Mitglieder mit Migrantenhintergrund in unserem Club – für andere Clubs kann ich natürlich nicht sprechen."

Verbindungen zwischen Neonazis und Rockern gibt es zwar schon, aber nur vereinzelt, etwa in Brandenburg und im Osten Berlins, wo sich eine Melange aus Rockern, Neonazis, Hooligans, und Türstehern tummelt. Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick hat die Polizei vor einigen Monaten im Bunker des rechtslastigen Motorradclubs "Walhalla 92" ein Konzert der Potsdamer Neonaziband "Preussenstolz" aufgelöst.

Dazu heißt es jedoch beim Brandenburger Verfassungsschutz : "Die Rechtsextremisten nutzen gerne die Liegenschaften dieser Clubs, aber von einem nennenswerten Zusammenwirken kann keine Rede sein." Auch in der Region Berlin/Brandenburg geht es den Rockern also vor allem ums Geschäft, um Hehlerei und Schutzgelderpressung etwa - nicht aber um Politik.

"Überall, wo es ein Chapter gibt, ist auf jeden Fall Bandido-Gebiet", erklärt Michael. Das ist im östlichen Ruhrgebiet schnell geklärt, aber in Essen, Gelsenkirchen und Duisburg gibt es Überschneidungen mit den Gruppen der Hells Angels.

600 Bandidos gebe es in ganz Deutschland, sagt er. "Um Mitglied zu werden, wird man zunächst von einem anderen Mitglied vorgestellt. Aufnahmerituale oder so gibt es nicht." Aber was ist denn nun der Unterschied zwischen den Bandidos und den Hells Angels? "Über den anderen Club spreche ich nicht."

 
Leser-Kommentare
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    • 13.11.2009 um 18:19 Uhr

    Verständlich, dass sich alle Medien auf diese Bandenfehde stürzen, das schafft spektakuläre Schlagzeilen auf BILD-Zeitungs-Niveau... verhilft aber den betreffenden Organisationen zu unnötiger PR. Auf Seiten der seriösen Medien sollte man deshalb hier mit der Art und Weise der Berichterstattung sehr vorsichtig sein und sich lieber kurz und sachlich an Fakten halten, statt wie hier journalisten-psychologisch Emotionen und Motivationen zu hinterfragen/wälzen. Jede Outlaw-Tümmelei kann in der Bevölkerung ungerechtfertigte Gleichgültigkeit oder gar Sympathien für diese Vereinigungen erzeugen, die sich selbst abseits der gesellschaftlichen Ordnung einen rechtsfreien Raum auf Kosten der Allgemeinheit schaffen.

  1. ...nicht schreibt, weil sie keine Lust oder Zeit mehr zum Fragen hat:
    Da wird weit überwiegend so getan, als seien 2 Gruppen "gleichberechtigt" übel aufeinander losgegangen, wovon real nichts zu sehen war; auch die genauere - hier fehlende - Zuordnung der Waffen/Gegenstände ergäbe, zumindest Duisburg betr. ein BANDIDO-freundliches, anderes Bild.
    -- Zum Zeitpunkt des ANGRIFFS auf das Kneipehaus war von den BANDIDOS außer 2 - 3 Leuten niemand dort. Ein großer Pulk, selbst mit Kleinbussen angereister und aus bestimmten in türkisch/Hells Angels Hand befindlichen Bordellhäusern unterstützt, waren wie beim Mord zuvor die Angreifer; HellsAngles organisieren auch Türken
    -- Der Mörder 3 Wochen zuvor war ein Türke und aus dem HellsAngles-Puff-Milleu, seine Tat - Kopfschuss !-- soll eifersuchtsbedingt gewesen sein; die Bandidos "besitzen" hingegen keine Puffhäuser, laufen aber Wache, ihre Kneipe liegt in einer Wohnstraße, in die der Puff erst nach Zukauf von Häusern am anderen Ende 2007/08 um "die Ecke" kam
    -- das Aufbrechen des Bandidos-Kneipenhauses letzten Freitag durch das SEK, t r o t z der noch per Funk rechtzeitig durchgegebenen Anwesenheit des Hausmeisters, hinterließ an sämtlichen Türen wesentlich mehr Schäden, als der HellsAngles-Angriff
    -- Vor etwas mehr als einem Jahr propagierte der SPD-Ex-Stadtdirektor Brandt im Rat die Expansion des Bordellbetriebs, damit die chronisch Peite Stadt Geld in die Kasse bekäme, - ohne Rücksicht auf die normal-ruhige, oft alte Anwohner ...

  2. - aber kann ja noch kommen, wer weiß ?

    ...- Seit etwa 2007 hat eine rücksichtslose, durch die Stadt geförderte Ausweitung von Puff-Eingängen und Lokalen in die davon zuvor freie Straße des BANDIDO-Klublokals stattgefunden,- im Übrigen mit oft alten Anwohnern und 80 % deutschen bewohnt. - Gleichzeitig wird städtischerseits, u.a. der GroßMoschee, der Bau neuer Prunk- und Gigantbauten in Marsch gesetzt
    -- Der CDU-Bürgermeister wurde kurz vor der letzten Wahl bei der vom VfS beobachteten MILLI GÖRÜSCH bei der Hinterthofmoschee-Werbung gesehen ;
    der GraueWolf bzw. die nazi-türkische Partei des nationalen Wegs besitzt den großen zum Restaurant umgerüsteten Wasserturm mit angeschlossenen Säälen; lt. eines alten Milleubewohners sind sie es die, die in die angesprochenen Bereiche vorstoßen
    -- zumindest aus der Nachbarstadt liegen 100%ige Beweise für G.W./MHP-islamistische Doppelmitgliedschaften in SPD, CDU, Ausländer- und Integrationsbeirat vor ...; ein türkischer Kollege berichtete mir von einer anti-integrativen Arbeit ähnlicher Leute an derenorts und findet das als Demokrat garnicht lustig
    -- Woher ich das weiß ? - Ich kann fragen und wohne hier. Die Jounalisten gedoch standen meist nur wie gebannt vor dem einen Haus oder neben der Polizei, auf der Jagd nach Schnappschüssen oder "O-Tönen". - Da war es doch schön, daß das Haus von den BANDIDOS wenigstens grell rot-gelb angemalt wurde.

  3. ... sind doch in Wahrheit arme, unmännliche, bedauernswerte Trottel.

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